30. Mai 2017
Boosting Cyber Security: Fundament für die Digitale Agenda
Cyber-Angriffe zeigen immer wieder, wie verwundbar unsere digitalisierte Gesellschaft ist und welche Auswirkungen beispielsweise der unter dem Namen WannaCry bekannte Cyberangriff im Mai 2017 auch auf kritische Infrastrukturen quer durch Europa hatte.
Sir Julian King (Mitte), EU Kommissar für die Sicherheitsunion, v.l.n.r.: Axel Voss, MdEP, Johannes Jung, Leiter der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union, Dr. Rainer Gerding, Bundesgeschäftsführer Wirtschaftsrat der CDU e.V., Christof-S. Klitz, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Brüssel, Dr. Karsten Wildberger, Chief Operating Officer E.ON SE, Sir Julian King, EU Kommissar für die Sicherheitsunion, Dr. Thomas Mangel, Vorstandsvorsitzender Postbank Systems AG, Axel Petri, Senior Vice President Group Security Governance Deutsche Telekom AG, Prof. Dr. Udo Helbrecht, Direktor der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit, Hendrik Kafsack, FAZ (Foto: Wirtschaftsrat)

Sir Julian King, EU Kommissar für die Sicherheitsunion, forderte offen mit den riesigen Vorteilen wie auch den entsprechenden Risiken der digitalen Vernetzung umzugehen. Er verwies unter anderem auf Schätzungen, die den jährlichen weltweiten Schaden durch Cyber-Angriffe auf über 500 Milliarden Euro beziffern. Die Kommission nehme das Thema sehr ernst und werde in der zweiten Jahreshälfte eine aktuelle EU Cyber Security Strategie vorstellen, außerdem müsse man Standards durch ‚security by default‘ und ‚security by design‘ und entsprechende Zertifizierung schaffen.

Dr. Rainer Gerding, Bundesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates der CDU e.V. ging trotz alledem vor allem auf die Chancen des digitalen europäischen Binnenmarktes ein. Würde er reibungslos funktionieren, könnten laut EU-Kommission jährlich über 400 Mrd. Euro an zusätzlicher EU-Wirtschaftsleistung und Hundertausende neuer Arbeitsplätze geschaffen werden. „Das allerdings wird nur gelingen, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Erstens schnelles Internet muss in Deutschland und Europa überall vorhanden sein, und zweitens dieses Internet muss sicher sein!“

Dr. Karsten Wildberger, COO von E.ON SE, sagte, „wir brauchen auch einen stärkeren Schulterschluss zwischen allen zivilisierten Staaten, in der Politik und in der Gesellschaft, Cyberkriminalität auf das Äußerste zu ächten. Es handelt sich dabei um einen massiven Eingriff in Persönlichkeitsrechte, in die Existenz von Unternehmen, die Souveränität von Staaten und die Funktionsweise eines freien Gemeinwesens. Natürlich könne eine intensivere Kooperation zwischen Unternehmen hinsichtlich der Früherkennung von Sicherheitslücken und Angriffen das Sicherheitsniveau ebenfalls um einiges steigern.“

Dr. Thomas Mangel, Vorstandsvorsitzender Postbank Systems AG, sieht hinter den Cyber Attacken mittlerweile internationale organisierte Kriminalität in höchstem Maße am Werk. „Um diese Angriffe auch weiterhin schadlos abwehren zu können müssen wir an den Fähigkeiten in den Unternehmen weiter arbeiten sowie dafür sorgen, dass auch in Zukunft genügend Nachwuchs im IT- und Software Bereich ausgebildet wird, ohne diese Experten geht es natürlich nicht.“

Axel Petri, Senior Vice President Group Security Governance der Deutschen Telekom AG, erklärte „die Stärkung der Cyber Security ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, entsprechend müssen alle Player entlang der digitalen Wertschöpfungskette einbezogen, insbesondere Hard- und Softwareprovider zur Meldung und Beseitigung von Schwachstellen verpflichtet werden.“
„Die Unternehmen dürften nicht auf den Gesetzgeber warten“ sagte Axel Voss, MdEP und rechtspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Unternehmen müssten schon heute alles in ihren Möglichkeiten stehende für die Sicherheit tun. Die Legislative könne einfach nicht mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten, versuche aber natürlich aufzuholen.

Prof. Dr. Udo Helmbrecht, Direktor der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA), bestätigte, dass die Gesetzgebung immer der Technologie hinterherhinken werde. „Von der Regulierungsdichte der Sicherheitsstandards beispielsweise im Luftfahrt- oder Automobilsektor ist der IT-Bereich noch weit entfernt.“

„Security by design‘ und ‚security by default‘ zusammen mit Zertifizierungen würde die Rolle der Verbraucher stärken und ihnen das notwendige Vertrauen in digitale Produkte und Dienstleistungen geben“ unterstrich Jakub Boratynski, Referatsleiter für Cybersicherheit bei der Europäischen Kommission GD CNECT.

Christof-S. Klitz, Vorsitzender des Wirtschaftsrates Brüssel, resümierte am Ende der Veranstaltung: „Alle Diskutanten sind sich einig darin, dass die Herausforderung durch Cyber Security nur gemeinsam und im Schulterschluss zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft bewältigt werden können.“

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