03. April 2017
4. Innovationspolitisches Frühstück
"Was macht ihr in Stuttgart?"
Im Fokus: Finanzierung und Venture Capital mit Sts Katrin Schütz
Die Voraussetzungen für Gründungen, waren sich alle Beteiligten einig, sind in Baden-Württemberg eigentlich ideal. Es gibt innovative mittelständische und große Unternehmen, genügend Kapital sowie eine exzellente Hochschul- und Forschungslandschaft. Aber es gibt zu wenige Investoren, Finanzierungsmöglichkeiten und Venture Capital. Um diese Lücke zu thematisieren, lud der Landesverband in das ehemalige Leitz Areal ein, das durch die Dexina GmbH in das Co-Working-Areal „Live at Stuttgart“ verwandelt wird.
Foto: Dexina GmbH
Impressionen Innovationspolitisches Frühstück 2017
Sts Katrin Schütz (links) und Joachim Rudolf (rechts) (Foto: DEXINA GmbH)
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„Gemessen an der Stärke der deutschen Wirtschaft müsste jedes vierte Google oder Facebook aus Deutschland kommen. Tut es aber nicht. Woran liegt das?“, fragte Landesvorsitzender Joachim Rudolf die Gäste bei seiner Begrüßung.

Der Landesverband hatte eine „Expertengruppe“ für die Veranstaltung zusammengestellt: Katrin Schütz (Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg), Dr. Helmut Schönenberger (Unternehmer TUM GmbH Garching/München), Dr. Claus Schmidt (CS Inno Consultants), Dr. Helmut Schelling (Vector Informatik), Stefan Kauffmann MdB als Moderator und natürlich Heiner Scholz (Dexina GmbH) als Gastgeber.

In den USA stehe – gemessen an der Wirtschaftsleistung – zehnmal so viel Risikokapital zur Verfügung wie hierzulande, so Rudolf weiter. Im Jahr 2016 seien 1,7 Milliarden Euro in deutsche Start-Ups geflossen. In den USA seien es mehr als 60 Milliarden Euro gewesen. „In der Gründungsphase fällt es den Unternehmen noch vergleichsweise leicht, Geldgeber zu finden: es gibt Business Angels, kleine Risikokapitalfonds, Förderbanken, den High-Tech Gründerfonds des Bundes und seit neuestem den Start-Up Fonds des Landes, auch wenn dieser deutlich größer hätte ausfallen müssen.“

Ähnlich sah dies auch der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann: „Der Start-Up-Fonds ist kläglich.“ Er lobte den Wirtschaftsrat als „super Partner“ für die innovationspolitischen Frühstücke, die auf Kaufmanns Initiative zurückgegangen sind. Und „Live at Stuttgart“ als „super Location“. Solche positiven Projekte seien wichtig für Stuttgart, sonst werde Stuttgart bald nur noch über Stau und Feinstaub definiert.

 

Baden-Württemberg habe nicht die meisten Gründungen, aber deutschlandweit die höchste 5-Jahres-Überlebens-Quote für Gründungen, sagte Staatssekretärin Katrin Schütz in ihrem Redebeitrag. „Das ist ein positives Signal, denn entscheidend sind vor allem die Gründer, die dauerhaft am Markt bestehen bleiben und uns durch Innovationen nach vorne bringen! Wir brauchen - neben einer guten Berufsausbildung - Schulen und Hochschulen, an denen unternehmerisches Denken, Führungsqualifikationen und Kreativität gefördert werden. Die Gründungsförderung in Baden-Württemberg hat mit den drei Förderinstituten L-Bank, Bürgschaftsbank und Mittelständische Beteiligungsgesellschaft sowie der Landesinitiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge - ifex- sehr gute institutionelle Ausgangsbedienungen. Außerdem leisten Kammern und Verbände gute Arbeit bei Gründungsqualifizierung und Beratung. Die Landesregierung baut auf diesen guten Voraussetzungen auf und startet eine neue Gründungsoffensive“, so Schütz.

UnternehmerTUM biete Gründern und Start-ups einen Rundum-Service von der ersten Idee bis zum Börsengang. Ein Team aus erfahrenen Unternehmern, Wissenschaftlern und Managern unterstütze Gründer bei der Entwicklung ihrer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Die Experten begleiteten aktiv beim Aufbau des Unternehmens, beim Markteintritt und bei der Finanzierung – auch mit Venture Capital, erklärte Geschäftsführer Dr. Helmut Schönenberger. „Wir haben vor 15 Jahren mit 2,5 Millionen D-Mark losgelegt. Heute haben wir 150 Mitarbeiter und wir müssen rennen, um mit den USA und anderen mithalten zu können. Und was macht ihr in Stuttgart?“

 

Dr. Helmut Schelling von Vector Informatik in Stuttgart und Dr. Claus Schmidt, Venture Capital-Experte, machten klar, warum es notwendig sei mit Start-Ups zu kooperieren. Einerseits für Impulse von außen, andererseits könne es ein strategisches Investment sein (sog. CVC – corporate venture capital) wie bei Bosch. „Venture Capital ist eine Vorwärtsstrategie“, sagte Schmidt. US-Fonds gingen ein höheres Risiko ein. „Unter 70-80. Mio. Euro braucht man nicht anfangen“.

 

Eine neue Ära der Arbeit beginne, begann Heiner Scholz seine Ausführungen zum „Live at Stuttgart“-Projekt. Wichtig sei in diesem Transformationsprozess die eigenen Werte zu konservieren, „das ist unser USP“. Auf 36.000 m² entstehe auf dem Leitz-Areal eine neue Heimat für Startups, Künstler, Designer, Maker, Creator und Corporates. „330 Interessenten haben sich schon gemeldet und es hört nicht auf“. Was wir in Stuttgart machen? „Endlich beginnen wir hier in Stuttgart die Zukunft wieder zu erschaffen“, heißt es auf liveatwork.com.