24. Mai 2016
Neue Bundesarbeitsgruppe "Deutsch-Französische Wirtschaftsbeziehungen"
Der Wirtschaftsrat setzt starke Signale für eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Konstruktive Dialoge und konkrete Vorschläge kennzeichneten die ersten beiden Treffen des Jahres der Arbeitsgruppe „Deutsch-Französische Wirtschaftsbeziehungen“.
Annegret Kramp-Karrenbauer MdL, Ministerpräsidentin des Saarlandes auf dem Treffen der Arbeitsgruppe „Deutsch-Französische Wirtschaftsbeziehungen“

„Deutschland und Frankreich sind nicht nur der Kern der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft“, betonte Dr. Hans-Peter Friedrich MdB, Bundesminister a.D. und Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion, bei der jüngsten Sitzung der Arbeitsgruppe „Deutsch-Französische Wirtschaftsbeziehungen“.

 

Französischer Botschafter würdigt Reformansätze in Frankreich

Die Sitzung fand in Anwesenheit von S.E. Philippe Etienne, Botschafter von Frankreich in Deutschland, statt. Er stellte die angestoßenen Reformen in Frankreich ausführlich dar, insbesondere das derzeit vom Parlament geprüfte „El-Khomri“-Gesetz zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts.

Gerade im Kontext eines schwächeren Wachstums in Europa, machte Prof. Dr. Henrik Enderlein, Direktor des Jacques Delors Instituts Berlin und Professor für politische Ökonomie an der Hertie School of Governance, konkrete Vorschläge, um der Wirtschaft neuen Schwung zu geben. Das größte Problem Frankreichs sei nicht die 35-Stunden-Woche, sondern vielmehr die mangelnde Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und gerade da sollte gehandelt werden.

 

Plädoyer für mehr Einigkeit in Europa in der Flüchtlingsfrage sowie beim Datenschutz

Prof. Enderlein plädierte – an Deutschland gerichtet – für größere Investitionen in Infrastrukturen und für einen gemeinsamen Konsens bei der Asylpolitik in Europa. Er wies auf die Bedeutung hin, sich gemeinsam im Bereich Digitales zu einigen: Zwar gebe es nun eine Datenschutzverordnung, aber diese werde in den 28 EU-Staaten jeweils anders interpretiert. Ein europäisches Miteinander berge gerade in diesem Bereich enorme Potenziale für Europa.

 

Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates, bekräftigte: „Wir brauchen mutige deutsch-französische Initiativen zur Gestaltung der Energiewende und zur Digitalisierung – etwa über gemeinsame Standards bei Industrie 4.0 oder eine einheitliche Umsetzung der EU-Datenschutzverordnung. Eine Verständigung in diesen Fragen würde eine neue Dynamik entfachen und die Vision eines künftigen Europas vorgeben.“

 

Gemeinsame Verantwortung für eine Vertiefung der europäischen Integration

„Wir brauchen mehr an abgestimmter Politik zwischen Frankreich und Deutschland", betonte Annegret Kramp-Karrenbauer MdL, Ministerpräsidentin des Saarlandes vor mehr als 70 Unternehmern in Saarbrücken beim zweiten Treffen zu den deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen des Wirtschaftsrats.

Unter der Moderation von Prof. Dr. Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts, diskutierten auf dem Podium Xavier Susterac, Senior Vice President der BASF AG, Wendelin von Boch-Galhau, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Villeroy & Boch AG, Detlev Seeliger, Geschäftsführer der MAPCO Autotechnik GmbH, Erich Maas, COO und Mitgeschäftsführer der Commerzbank Frankreich sowie Prof. Joachim Bitterlich, Botschafter a.D., über Chancen und Herausforderungen für die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Nachbarländer.

 

Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer fordert mehr gemeinsame Projekte

Gerade im Saarland, als Grenzregion zu Frankreich, mitten in Europa, ist es wichtig, miteinander konkrete Projekte anzustoßen. Die Ministerpräsidentin bekräftigte die wichtige Rolle der Sprache als Integrationsfaktor – sowohl was die Pendler angeht, die aus Frankreich jeden Tag ins Saarland zur Arbeit kommen (etwa 20.000 Personen) als auch was unsere gemeinsame Herausforderung der Integration von Flüchtlingen betrifft.

„Der Wirtschaftsrat ist immer ein Treiber der europäischen Integration gewesen und ist auch heute – ohne Wenn und Aber – der festen Überzeugung, dass Deutschlands Zukunft Europa heißt“, betonte Generalsekretär Wolfgang Steiger.

v.l.n.r.: Generalsekretär Wolfgang Steiger und Annegret Kramp-Karrenbauer MdL, Ministerpräsidentin des Saarlandes und Wolfgang Holzhauer, Vorsitzender des Wirtschaftsrates im Saarland
v.l.n.r.: S.E. Philippe Etienne und Generalsekretär Wolfgang Steiger