14. November 2011
1. Nordhessischer Wirtschaftstag voller Erfolg
Zwei Minister, ein Staatssekretär, ein Regierungspräsident, ein Oberbürgermeister und fast 150 Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrats Hessen: Allein vom „Promifaktor“ und natürlich von der Themenauswahl - Energie, Verkehr und Infrastruktur - sowie den hochkarätig besetzten Podien her war der erste nordhessische Wirtschaftstag in Kassel ein voller Erfolg. Auch das Ambiente im Technik-Museum überzeugte nicht nur die Experten vom Können deutscher Ingenieure in den vergangenen 300 Jahren, in Gegenwart und Zukunft.

Prof. Hans Helmut Schetter, Landesvorsitzender Hessen und Vizepräsident des Wirtschaftsrats, bedauerte, dass der wichtige Rohstoff Deutschlands, die „Großprojektfähigkeit“, derzeit offenbar von Minderheiten beerdigt werden soll. Als Beispiel nannte er den Transrapid (der als Original das Technik-Museum bereichert), Stuttgart 21 oder die geplante Schnellbahnstrecke am Oberrhein. Schetter meinte, „wir Ingenieure müssen uns fragen, ob wir mit unserer Leistung noch in der Öffentlichkeit präsent sind.“ Deutschland habe die Kraft für in die Zukunft weisende Ingenieurleistung.

 

Zum Thema Energiewende gab Schetter Hessen den Rat, sich besser an Windparks in der Nordsee zu beteiligen statt Windräder in die eher windarme hessische Landschaft zu stellen. „Mit Kleinkraftwerken werden wir den Industriestandort Deutschland kaum erhalten können“. Das Zukunftsprojekt Energiewende werde ohne Großprojekte nicht funktionieren.

 

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) lobte die „großartige Entwicklung“ der Stadt und Nordhessens in den vergangenen sechs Jahren. Die Zeiten von „hessisch Sibirien“ seien längst vorbei. So läge das Gewerbesteueraufkommen pro Kopf in Kassel höher als etwa in Stuttgart, die Arbeitslosigkeit habe sich von 20 Prozent im Jahr 2005 bis heute halbiert. Man sei überdurchschnittlich gut durch die jüngsten Krisen gekommen. Kassel bekenne sich zum modernen Industriestandort; Industrie, erneuerbare Energien und Unternehmen für effizienten Energieeinsatz seien die wichtigsten Standbeine.

 

Dr. Thomas Schäfer, hessischer Finanzminister, glaubt nicht, dass Deutschland schnell wieder in Zeiten zurückkehre, wie sie einmal waren. Angelehnt an das Motto der jüngsten Wirtschaftsrat-Kampagne „Mehr privat für einen starken Staat“ sagte  Schäfer, er habe den Eindruck, dass derzeit die Grundlagen unseres starken Staates erschüttert würden.“ Wir Bürger haben den Staat nicht daran gehindert, Jahrzehnt um Jahrzehnt Schulden zu machen und immer mehr Geld auszugeben, als eingenommen wurde,“ so Schäfer. Es sei ein Kinderglaube, der Staat könne nicht pleitegehen. Erst die jüngsten Geschehnisse in Europa hätten uns aufgeweckt. Jetzt sei es nicht zuletzt an Deutschland, den EU-Ländern Chancen zu verschaffen, ihre Probleme zu bekämpfen und ihnen vorbildhaft zu zeigen, wie man auch ohne Schulden agieren könne. Ein Schritt in diese Richtung sei die im Grundgesetz festgeschriebene Schuldenbremse - ein Vorbild für die EU.

 

Der Standard einer Gesellschaft wird maßgeblich durch eine funktionierende Infrastruktur bestimmt. Darüber waren sich im Grundsatz die Podiumsteilnehmer zum Thema „Verkehr und Infrastruktur“ einig.  Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (CDU) schilderte in seinem Einführungsreferat unter anderem die historischen Hintergründe (Zonenrandförderung: „Bremste unternehmerisches Handeln bis 1989,“; Autobahnbau, Schienenverbindungen: „Kassel hätte als Knotenpunkt ausgebaut werden müssen“; Flughafen Calden: „Für unseren Logistikstandort Hessen immens wichtig“).

 

Wie schaffen wir es, trotz leerer öffentlicher Kassen zu einer finanzierbaren und modernen Infrastruktur der Zukunft kommen? Zur Beantwortung dieser elementaren Frage äußerten sich Ulrich Caspar MdL, verkehrspolitischer Sprecher der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Jörg Ries, Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen GmbH Kassel, Horst Keller, Mitglied der Landesfachkommission Verkehr, Infrastruktur und Logistik des Wirtschaftsrats Hessen. Viele Projekte zur Verkehrsstruktur könnten nicht realisiert werden, weil kein Geld dafür da sei, darüber waren sich die Diskutanten einig. Lösungsvorschläge gingen dann von Maut (dafür keine Kfz-Steuer), bis zu: Straßen von privaten Unternehmen bauen lassen ((„Gesetzliche Rahmenbedingungen sind gegeben“). Für die Zukunft Deutschlands seien Investitionen in die Infrastruktur bitter nötig, ebenso in die modernen Kommunikationstechniken. Patentrezepte gab es allerdings keine. Unterm Strich ging die Botschaft heraus, der Norden Hessens sei noch nie so stark und selbstbewusst gewesen wie jetzt.

 

„Zukunftsmarkt regenerative Energieerzeugung und Elektromobilität“ - mit diesem Thema beschäftigte sich die Diskussionsrunde auf dem 2. Podium.  (Teilnehmer: Mark Weinmeister (CDU), Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; Dirk Fräger, Geschäftsführender Gesellschafter, Fräger GmbH; Dr. Till Jeske, Geschäftsführer, vortex energy gmbh & Co. KG; Volker Wachenfeld, Executive Vice President Division Off-Grid Solution SMA Solar Technology AG).

 

Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass der Energiewechsel in den nächsten Jahren eine zentrale Herausforderung letztlich auch für die Region Kassel darstellt. Auf Brückentechnologien - genannt wurden Gas und Dampf - werde man nicht verzichten können. Die Zukunftsenergien wie Biomasse, Sonne oder Wind und die Problematiken beim Speichern oder Netzausbau wurden ausführlich behandelt. Unterm Strich stelle sich immer wieder die Frage, wie viel die Bevölkerung schließlich bereit sei, für die Energiewende zu bezahlen. Letzteres, nämlich die Akzeptanz der Menschen zu erreichen, sei vor allem eine politische Aufgabe. Insgesamt sei die Region Kassel gut aufgestellt, was Forschung und Marktanteil für Ausbau und effektive Nutzung von alternativen Energien angehe.

Kontakt
Wirtschaftsrat der CDU e.V. – Landesverband Hessen

Dr. Bernhard Knaf

Landesgeschäftsführer
Telefon: 0 69 / 72 73 13

Ulrich Jung

Pressebeauftragter
Telefon: 01 70 - 2 44 42 96

u.jung@wirtschaftsrat.de