25. Oktober 2011
Die Energiewende - Eine riesige Herausforderung für die gesamte Gesellschaft
Mit weit über 100 Zuhörern bildete der Vortrag „Energiewende gestalten - Herausforderung für die deutsche Energiewirtschaft“ von Dr. Bernhard Reutersberg, Mitglied des Vorstandes der E.ON AG, in Essen zugleich Höhepunkt und Abschluss der energiepolitischen Gespräche des Wirtschaftsrates im Jahr 2011.

v.l.n.r. Dr. Bernhard Reutersberg, Mitglied des Vorstandes der E.ON AG; Dr. Jens-Jürgen Böckel, Sprecher der Sektion Essen/Westliches Ruhrgebiet (Foto: Wirtschaftsrat)

Deutschland sei das erste und bisher einzige Industrieland, das mit der im Sommer 2011 beschlossenen Energiewende einen radikalen Bruch mit dem bisherigen Energiemix vollziehe und sich seitdem mit einer nationalen Herkulesaufgabe konfrontiert sehe. Da die deutsche Wirtschaft im Falle eines Scheiterns enormen Schaden nehmen würde, betonte Sektionssprecher Dr. Jens-Jürgen Böckel in seiner Begrüßung die Notwendigkeit weiterhin verlässlicher Rahmenbedingungen für die Industrie. Nach dem schnellen Wurf der Energiewende gelte es nun, viele Detailaussagen und klare Bestimmungen im Einzelnen nachträglich gesetzlich zu regeln. Ein kontinuierliches Monitoring in Form von unabhängigen Rechenschaftsberichten sei für die Umstrukturierungsmaßnahmen wünschenswert, um nachvollziehen zu können, auf welchem Entwicklungsstand sich der Prozess befinde und welche Herausforderungen noch zu bewältigen seien.

In zehn Jahren werde die Atomkraft in Deutschland Geschichte sein. „Der Weg bis dorthin wird nicht einfach sein“, beschrieb Dr. Reutersberg eingangs die Herausforderungen, die nun im Rahmen des Umstrukturierungsprozesses in kürzester Zeit unter größten Schwierigkeiten zu bewerkstelligen seien. Einen Weg, den allen sachlichen Argumentationen und Mahnungen der Experten zum Trotz, die Politik als Resultat nach Fukushima eingeschlagen habe. Dr. Reutersberg unterstrich jedoch:  „Wir stellen uns nicht gegen die Energiewende und den Willen der Gesellschaft. E.ON betrachtet sich als einen Teil der Energiewende.“ Auch wenn sich Deutschland vor einem risikoreichen Experiment befinde, heiße es ohne die Kernenergie andere Brücken zu bauen, um ans Ziel zu gelangen. Eine riesige Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, denn so wie sich Unternehmen innerhalb der neuen Parameter der Energiewende bewegen müssten, müsse auch der Bürger als Verbraucher eine nachhaltige Verhaltensänderung seines Nutzungsverhaltens vollziehen. Vollständig geglückt sei der Energieumstieg nur dann, wenn die Versorgung weiterhin auch in Spitzenzeiten zuverlässig, der Strom bezahlbar und der Industriestandort Deutschland hochentwickelt bleibe.

Obwohl dieses Ziel wie die „Besteigung des Mount Everests ohne Sauerstoffgeräte“ anmute, könne es erreicht werden, betonte Dr. Reutersberg. E.ON habe daher drei energiepolitische Schwerpunkte gesetzt und konzentriere sich vorwiegend auf die Weiterentwicklung der Möglichkeiten zur Stromspeicherung, die Investition in Off-Shore-Windparks sowie die weitere Planung dezentraler Lösungen wie beispielsweise Mikrokapillar-Anlagen, Solarprojekte und Bioerdgas.