11. Dezember 2011
Prof. Dr. Michael Hüther fordert den „Beginn einer neuen Bürgerlichkeit“
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln spricht vor dem Wirtschaftsrat in Düsseldorf
„Konsolidierung und Steuersenkung: Kein Widerspruch!“ zu diesem Thema sprach Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, auf einer Veranstaltung des Wirtschaftsrates im Industrieclub vor Unternehmern in Düsseldorf.
Prof. Dr. Michael Hüther (Foto: IW Köln)

Die weltweite Staatsverschuldung sei nicht nur der aktuellen Finanz- und Eurokrise geschuldet, sondern vielmehr einem jahrzehntelangen, schleichenden Prozess in einem Großteil aller Staaten, erklärte der Ökonom. Zudem sei es eine schwerwiegende Fehleinschätzung gewesen anzunehmen, dass die angedrohten Sanktionen des Maastrichter Vertrages greifen und der zunehmenden Verschuldung entgegenwirken würden.

Um die Staatsschulden zukünftig abbauen zu können, müsse in allen Ländern eine konsequente Strategie der Ausgabenreduktion sowie Einnahmenerhöhung durch eine größere wirtschaftliche Dynamik verfolgt werden. Es sei eine bittere Wahrheit, so Prof. Hüther, dass dies nicht ohne Einschnitte bei den Staatsausgaben gelingen könne. Sinnvolle Kürzungen sehe er für Deutschland in der Einschränkung der Beamtenversorgung und einer Ausweitung der Einführung der Rente mit 67 auf die Pensionen. Für mehr wirtschaftliche Dynamik zu fokussierende Maßnahmen seien die Bildung von Humankapital, der Abbau der Bürokratie und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zur Reduzierung der strukturellen Arbeitslosigkeit. Die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Haushaltskonsolidierung sei seiner Meinung nach durch eine Kombination aus starken Ausgabensenkungen und moderaten Steuersenkungen zu erreichen.

Abschließend appellierte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln dafür, die Potenziale jedes einzelnen Bundesbürgers zu mobilisieren. Diese dürften nicht nur die bequeme Rolle des freiheitsberechtigten Bürgers einnehmen, sondern sollten sich durch Mitverantwortung aktiv als Staatsteilnehmer einbringen. Als „Beginn einer neuen Bürgerlichkeit“ deklariert, hoffte Prof. Hüther, dass die Bürger mit diesem Leitgedanken auf ihre Ansprüche gegenüber dem Staat verzichten und ihre Eigenverantwortlichkeit stärken. Nur so sei eine nachhaltige Senkung der Staatsquote möglich.