14. März 2011
2020 - Vollbeschäftigung an der Saar
Landesvorsitzender Wendelin von Boch und sein Stellvertreter Dr. Klaus Harste legen Arbeitsmarkt-Analyse des Wirtschaftsrates vor
Die Verhältnisse auf dem saarländischen Arbeitsmarkt werden sich bis Ende des Jahrzehntes grundlegend verändern: Die Zeit der Massenarbeitslosigkeit geht zu Ende. Das stellt der Wirtschaftsrat der CDU Saarland in einer Arbeitsmarkt-Analyse fest. Der Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates, Wendelin von Boch, und sein Stellvertreter, Dr. Klaus Harste, stellten den saarländischen Medien im Hotel am Triller in Saarbrücken das Arbeitsmarkt-Papier ,,2020 - Im Saarland herrscht Vollbeschäftigung" vor.

Es kommt zu dem Schluss, dass die demografische Entwicklung und ein solides Wirtschaftswachstum die Arbeitslosenzahl im Saarland spätestens bis zum Jahr 2020 unter 20.000 sinken lassen werden, was einer Arbeitslosenquote zwischen drei und vier Prozent entspricht. Damit wäre nach den international geltenden Regeln Vollbeschäftigung erreicht. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote im Saarland nach Angaben der Regionalagentur für Arbeit bei 7,5 Prozent – dies entspricht einer Arbeitslosenzahl von rund 37.500 Menschen.

Wenn die tatsächliche Entwicklung auf dem Saar-Arbeitsmarkt der Vorhersage des Wirtschaftsrates entsprechen sollte, so Wendelin von Boch, wird sich die saarländische Wirtschaft in absehbarer Zeit einem massiven Arbeitskräftemangel gegenüber sehen. Schon heute seien erste Anzeichen für eine Verknappung des Arbeitskräfteangebotes sichtbar, etwa indem die Zahl der für eine Lehrstelle in Frage kommenden Jugendlichen abnimmt und viele Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden könnten. Der heutige Lehrlingsmangel werde sich in den nächsten Jahrzehnten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in Form von einem steigenden Mangel an Fachkräften bemerkbar machen, wenn nicht gegengesteuert wird. Wachstumsverluste in der Saarwirtschaft - in einem Jahr bis zu 0,5 Prozentpunkten - sind zu befürchten.

Das Hauptaugenmerk, so von Boch und Harste, müsse im Bemühen um die Vermeidung einer Fachkräftelücke auf der Ausschöpfung der eigenen saarländischen Ressourcen liegen. Dafür sei eine breit angelegte Strategie nötig. Diese solle vor allem dafür sorgen, dass auch die mittelständischen Unternehmen zukünftig über genügend gute Mitarbeiter verfügten. Die Großindustrie – die Saarhütten, die Automobilindustrie einschließlich Zulieferer sowie die Elektroindustrie - könnte noch am ehesten damit rechnen, genügend gute Mitarbeiter zu bekommen.

Als Schritte gegen den drohenden Facharbeitermangel nennt der Wirtschaftsrat:

Steigerung des Anteils der Jugendlichen, die ausgebildet werden können, indem mehr junge Menschen als bisher die duale Ausbildungsfähigkeit erreichen.

  • Verminderung der Abbrecher-Quote im dualen Ausbildungssystem, indem die Zielgenauigkeit bei der Beratung der Jugendlichen – hier insbesondere durch eine Zusammenarbeit von Schule und Arbeitsverwaltung - deutlich verbessert wird. Heute brechen mehr als jeder fünfte Lehrling die Ausbildung vorzeitig ab.
  • Angesichts immer weiter steigender Anforderungen im Beruf, müssen die Mitarbeiter innerhalb und außerhalb der Betriebe zusätzlich qualifiziert werden.
  • Um zu mehr Fachkräften zu kommen, müssen Jugendliche mit Migrationshintergrund stärker für die duale Ausbildung gewonnen werden.

 

  • Zusätzlich gilt es, Jugendliche jenseits der saarländisch-lothringischen Grenze, die über deutsche Sprachkenntnisse verfügen, für eine duale Ausbildung zu gewinnen.

 

  • Das Potenzial der weiblichen Jugendlichen muss in Bezug auf technische Berufe besser ausgeschöpft werden.

 

  • Gezielte Zuwanderung in den saarländischen Arbeitsmarkt ist ebenfalls geeignet, dem Fachkräftemangel vorzubeugen.

 

  • Nicht zuletzt gilt es, die so genannte ,,stille Reserve" zu mobilisieren. Das sind Menschen, die zwar arbeiten könnten, es aber bisher aus verschiedensten Gründen nicht getan haben