14. Juni 2012
Innovationspolitik für den Mittelstand
22. Sächsisch-Bayerische Wirtschaftstage am 14. und 15. Juni 2012 in Lichtenwalde
Unternehmen aus Sachsen und Bayern pflegen einen regen Erfahrungsaustausch. Bereits zum 22. Mal trafen sie sich in diesem Jahr zu den Sächsisch-Bayerischen Wirtschaftstagen, in deren Mittelpunkt die „Innovationspolitik für den Mittelstand“ stand. Organisiert wurden sie vom Landesverband Sachsen des Wirtschaftsrates Deutschland.
v.l.n.r. Thomas Goller, Frank Heidan MdL, Thorsten Sponholz, Simone Hartmann (Foto: Wirtschaftsbeirat)

„Einzig Innovationen und ihre unmittelbare Anwendbarkeit in der Praxis entscheiden über unseren wirtschaftlichen Erfolg im globalen Markt. All unsere Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, einen innovativen Nährboden in der gesamten Gesellschaft zu bereiten", erklärte Landesvorsitzende Simone Hartmann. Der Wirtschaftsrat werbe deshalb für eine Innovationskultur, die neue Ideen nicht behindere, sondern zu schöpferischem Denken und unkonventionellem Handeln geradezu herausfordere.

 

Mittelständler setzten inzwischen zunehmend auf Kooperationen mit Partnern der eigenen Wertschöpfungskette und der Forschung, um sich effektiv auf künftige Trends einstellen zu können, ergänzte Thomas Goller, Geschäftsführer der Hof Garn GmbH. Die Forschung müsse dem Mittelstand schnelle Lösungen anbieten.

 

Wie neue Netzwerke geknüpft und gepflegt werden könnten, stellte Prof. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Gesellschaft Bayern Innovativ, dar. Er verwies auf weitreichende Erfahrungen bei der Entwicklung einer erfolgreichen Netzwerkinfrastruktur. Der Wirtschaftsrat Sachsen empfahl "Bayern Innovativ" als hervorragendes Beispiel, Unternehmen innerhalb und über die Branchengrenzen hinaus sowie mit Forschungseinrichtungen zu vernetzen, ebenso für Sachsen.

 

Den Wert der Industrieforschung als Wachstumstreiber für den Mittelstand unterstrich Dr. Steffen Tobisch, sächsischer Landessprecher des Verbandes innovativer Unternehmen und Geschäftsführer, Institut für Holztechnologie Dresden e.V., anhand konkreter Wertschöpfungsbeispiele. Forschungseinrichtungen - selbst organisiert wie Mittelständler - wären besonders prädestiniert, innovative Dienstleistungen in kurzer Zeit für die Industrie zu erbringen.

 

Im Ergebnis einer Studie verwies Berater Jens-Uwe Meyer auf zahlreiche ungenutzte Innovationspotentiale insbesondere in größeren Unternehmen und empfahl, die eigene Innovationskultur stets aus der sich schnell verändernden Kundenperspektive zu entwickeln. Die Risikoaversität wäre die vorherrschende Einstellung in Innovationsabteilungen. Nur 18 Prozent förderten aktiv Experimente. Eine Kultur, in der Mitarbeiter proaktiv Initiativen entwickelten und vorantrieben, wäre die Ausnahme.

(Foto: Wirtschaftsrat)

Thorsten Sponholz. Vorsitzender des Ausschusses Mittelstandspolitik im Wirtschaftsbeirat Bayern, leitete am zweiten Tag die politische Diskussion zu den Zukunftsoffensiven. Frank Heidan, wirtschaftspolitischer Sprecher der sächsischen CDU-Landtagsfraktion, verwies auf verschiedene Instrumente wie die Innoprämie, den Innovationsassistenten oder die Unterstützung der Wirtschaftsförderung, die Mittelständler in Sachsen nutzen könnten. Die steuerliche Förderung von Forschung & Entwicklung wäre eine vereinbarte Aufgabe im Koalitionsvertrag, die noch zur Umsetzung anstünde.

 

Für Markus Blume, Vorsitzender der CSU-Wirtschaftskommission im Bayerischen Landtag, gibt es drei Handlungsfelder, die bearbeitet werden müssten: Deutschland bräuchte eine  Innovationspolitik und eine moderne Industriepolitik sowie einen gesellschaftspolitischen Entwurf als Vision für die Menschen. Eine visionäre Politik mit stabilen Rahmenbedingungen beziehe ein, das Staats- und Rechtswesen zu modernisieren, die kollektive Intelligenz der Bürger einzubinden und die neuen Medien für digitales Lernen zu nutzen. Insgesamt, so die Mitglieder der Wirtschaftsverbände und ihre Gäste, waren die 22. Bayerisch-Sächsischen Wirtschaftstage eine sehr interessante und anregende Tagung mit konkreten Vorschlägen für Unternehmer und die Politik im stilvollen Ambiente des Schloßes Lichtenwalde.

Prof. Dr. Josef Nassauer (Foto: Wirtschaftsrat)