11. April 2018
Sozialunternehmen Lebenshilfe: Konkurrenz in der Wirtschaft oder Motor der Inklusion?"
Celler Mittagsgespräch mit Dr. Clemens M. Kasper, Geschäftsführer der Lebenshilfe Celle
Die Sektion Celle des Wirtschaftsrates lud Mitglieder und interessierte Gäste zu ihrem regelmäßigen Mittagsgespräch ein. In der Trattoria & Taverna (Fürstenhof Celle) im Sala di Palio sprach Dr. Clemens M. Kasper, Geschäftsführer der Lebenshilfe Celle über die Arbeit der Lebenshilfe und die Möglichkeiten und Chancen der Inklusion in Unternehmen.
v.l.n.r.: Dr. Hermann Schünemann, Sektionssprecher Celle; Dr. Clemens M. Kasper, Geschäftsführer der Lebenshilfe Celle; Brigitte Friedrich und Klaus Danne, Sektionsvorstand Celle (Foto: Wirtschaftsrat)

Dr. Clemens M. Kasper stellte zu Beginn seiner Ausführungen die Frage, ob das Sozialunternehmen Lebenshilfe ein Konkurrent der Wirtschaft oder ein Motor der Inklusion sei. Die Arbeit der Lebenshilfe sei selbstredend nicht als Konkurrenz der Wirtschaft zu sehen, im Gegenteil, man profitiere gegenseitig enorm voneinander und letztlich ermögliche man durch Kooperationen vielen Menschen mit Behinderungen einen Platz in der Arbeitswelt und damit in der Gesellschaft.

 

Sein erklärtes Ziel auf dem Gebiet elementarer und schulischer Bildungsarbeit sei in Celle-Garßen die Schaffung eines „Integrativen Bildungszentrums“ bei dem sich Menschen mit und ohne Behinderungen mischen und so gegenseitig „miteinander leben und voneinander lernen“.

Ein weiteres großes Ziel der Lebenshilfe sei es, Menschen mit Behinderungen Arbeiten in regulären Wirtschaftsbetrieben zu ermöglichen. Es sei wünschenswert, wenn Betriebe, die mit der Lebenshilfe kooperieren, eine Kennzeichnung als „inklusiver Betrieb“ erhielten, um ihr soziales Engagement auch öffentlich zu machen.  Die Menschen, die bei der Lebenshilfe arbeiten, erledigen zahlreiche verschiedene Aufgaben. Die professionelle Digitalisierung von Akten, die zertifizierte Aktenvernichtung nach Bundesdatenschutzgesetz, Montagearbeiten, Wäscherei, Garten- und Landschaftspflege, Holz- oder Metallarbeiten sind nur einige der Tätigkeiten, die in der Lebenshilfe ausgeübt werden.

 

Dr. Kasper brachte es auf den Punkt: „Menschen mit Beeinträchtigung haben das Recht auf Arbeit.“ Und die Lebenshilfe stellt die Rahmenbedingungen dafür bereit. Darüber hinaus bietet sie Wohnungen und Wohngruppen für Menschen mit Beeinträchtigungen an, in denen sie unter Bedingungen, die ihrem Hilfebedarf genau entsprechen, leben und begleitet werden können. Auch betreibt die Lebenshilfe in einer weiteren Gesellschaft zwei Hotels und ein Café, mit einer Beschäftigungsquote von ca. 40 % schwerbehinderter Mitarbeitenden.

Die Sorgen und Vorbehalte der Unternehmer entkräftete er. „Es gibt wirtschaftlich kein Problem für einen Unternehmer, einen Menschen mit Beeinträchtigung zu beschäftigen.“ Im Gegenteil, das Land Niedersachsen fördere solche Beschäftigungsmodelle zusätzlich mit dem Instrument des „Budgets für Arbeit“, das bis zu 75 % des Tariflohnes an die Unternehmen, so wie auch die Unterstützungsleistungs für den beeinträchtigten Menschen umfasst. So sei garantiert, dass sowohl die Unternehmen als auch die Menschen mit Beeinträchtigungen  von einer Anstellung profitieren.

 

Die gelungene Veranstaltung endete mit einer angeregten Diskussionsrunde zu Herrn Dr. Kaspers Vortrag, der Lebenshilfe und der Inklusion im Allgemeinen.