27. November 2015
WR-Innovationsforum: Chancen der Digitalisierung für den Mittelstand nutzen!
Im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Innovationsforum“ kamen auf Einladung des Wirtschaftsrates am 3. November 2015 in Berlin EU-Kommissar Günther Oettinger, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt MdB, Ericsson-Innovationsvorstand Ulf Ewaldsson und der PwC-Vorstandsvorsitzende Norbert Winkeljohann zusammen.
Foto: Wirtschaftsrat

Ziel der Veranstaltung war es, mit den CEO’s von rund 60 innovativen Weltmarktführern die notwendigen Rah­menbedingungen für den Sprung des deutschen Mittelstands in das digitale Zeitalter zu beraten. Themen wie Datenschutz, Industrie 4.0, digitale Infra­struktur und Zukunft der Arbeit bildeten die zentralen Beratungsschwer­punkte.

 

 

Digitalisierung als Mega-Aufgabe für Industrie und Mittelstand

Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands, Pricewaterhouse­Coopers AG WPG und Vorsitzender des ersten Innovationsforums des Wirt­schaftsrates, verdeutlichte: „Die Digitalisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft in allen Lebensbereichen in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Wir sehen hier zwei große Trends: Das sind die vernetzte Produktion und Big Data/Analy­tics. Gleichwohl verkörpert die digitale Transformation trotz der guten Anpassungs­fähigkeit der deutschen Industrie eine noch nie dagewesene Herausforderung, vor allem für den Mittelstand.“

 

Ulf Ewaldsson, Chief Technical Officer weltweit von Ericsson, verdeutlichte, dass sich die generierte Datenmenge in den nächsten Jahren verzehnfachen werde und forderte: „Allein bis zum Jahr 2020 werden etwa 50 Milliarden Gegenstände im ‚Internet der Dinge‘ miteinander verbunden sein. Dafür müssen auch die Netze ausgelegt sein. Zuerst wurden Menschen miteinander verbunden, jetzt werden Maschinen miteinander kommunizieren. Bereits in diesem Jahr werden erstmals mehr Gegenstände als Menschen über das Internet miteinander vernetzt sein.“

 

 

Wettbewerb um Daten fordert auch wichtige politische Lösungen

„Wir befinden uns inzwischen auch in einem Wettbewerb der Staaten. Früher wetteiferten die neuen Nationalstaaten um Kolonien, später um Rohstoffe –heute konkurrieren wir um die Digitalität und Daten“, sagte der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt MdB. „Der unmittelbare Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und Mobilitätswachstum darf nicht länger ignoriert werden. Vielmehr gilt es, die Investitionslücken der Vergangenheit endlich aufzuholen.“ Die Bundesregierung habe hier mit einem 2,7 Milliarden Euro-Paket für die flächendeckende Versorgung mit High-Speed-Internet bereits ein wichtiges Signal gesetzt. Zur Unterstützung der deutschen Innovationsführerschaft bei den Themen Industrie 4.0 und Mobilität 4.0 werde auf der Autobahn A 9 das „Digitale Testfeld Autobahn“ errichtet, die erste intelligente und voll digitalisierte Straße mit modernster Sensorik, den Mobilfunkstandards der nächsten Generation und hochpräzisen Geo- und Mobilitätsdaten.

Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, verwies auf Deutschlands Expertise in der Ausrüstungsindustrie, bei der Unternehmenssoftware und bei den Telekommunikationsunternehmen. „Je näher wir aber zum Verbraucher und zu den Daten kommen, desto schwächer werden wir “, kritisierte er. „Hinter uns liegt der digitale Sektor selbst – und jetzt geht das Ganze in die Realwirtschaft.“ Dafür gebe es noch erheblichen Nachholbedarf.

 

 

Wirtschaftsrat fordert mehr Tempo bei der Umsetzung der Digitalen Agenda

„Nationale Alleingänge müssen bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen der Digitalisierung unbedingt vermie­den werden. Am besten wären globale Lösungen. Viel wäre aber schon erreicht, auf europäischer Ebene weiterzukommen.

Die Kernforderungen des Wirtschaftsrates:

  • Der Breitbandausbau muss ganz nach oben auf die Tagesordnung gesetzt und mit mehr Ehrgeiz angegangen werden. Dazu brauchen wir vor allem Anreiz­strukturen für private Investoren.  
  • Das IT-Sicherheitsgesetz muss schnellstmöglich verabschiedet werden.  
  • Die EU-Datenschutzgrundverordnung muss mit besonderer Priorität voran­getrieben und Anfang 2016 verabschiedet werden.  
  • Die Modernisierung des Urheberrechts muss vorangetrieben werden.  
  • Die Gründungsbedingungen für IT-Start-ups müssen verbessert werden.