17. September 2015
Lebensadern in der Hanseregion gemeinsam ausbauen!
Gut 250 Mitglieder trafen sich am 3. und 4. September 2015 auf dem 5. Norddeutschen Wirtschaftstag in Lübeck, um Impulse für den Ausbau der Standortfaktoren Verkehr, Energie und Bildung durch eine forcierte norddeutsche Zusammenarbeit zu setzen.

Starke Signale richteten die fünf nördlichen Landesverbände des Wirtschaftsrates der CDU e.V.  an ihre Landesregierungen und Parlamente, um den Ausbau der Infrastruktur in der Hanseregion zu beschleunigen: "Die Rahmenbedingungen für den überfälligen Investitionsschub in unsere norddeutschen Infrastruktu¬ren sind günstig: Haushaltsüberschüsse sowie langfristig niedrige Zinsen. Die Politik der norddeutschen Länder muss jetzt vereint die Weichen für einen Ausbau stellen, solange dieses Fenster offensteht, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern!", begrüßte Reimer Tewes, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates der CDU e.V. des gastgebenden Verbandes Schleswig-Holstein die Mittglieder in Lübeck.

"Wir haben in unseren fünf Ländern fünf unabhängige Politiken für Verkehr, Energie und Bildung - ohne gemeinsame Ziele und einen gemeinsamen Plan. Das müssen wir dringend ändern, um gemeinsam erfolgreich stark sein zu können!", so Tewes weiter. Um das zu ändern, haben die fünf Landesverbände in länderübergreifenden Arbeitsgruppen Empfehlungen ausgearbeitet, die im Rahmen von drei Foren zur Infrastruktur in den Bereichen Verkehr, Energie und Bildung Akzente zu setzen.

Wirtschaftsrat legt Priorisierung für norddeutsche Verkehrsprojekte vor
Einen besonders großen Schritt nach vorne ist mit der Priorisierung der sogenannten Ahrensburger Liste gelungen: Nach intensiven Beratungen mit Experten hat man sich landesverbandsübergreifend auf eine Version 4.0 einstimmig verständigt, die alle bisher wichtigen norddeutschen Verkehrsprojekte der Bereiche Straße, Schiene und Wasserstraße nach ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung priorisiert hat.

Auf dieser Grundlage fordern die fünf nördlichen Landesverbände des Wirtschaftsrates der CDU e.V. die fünf norddeutschen Landesregierungen auf, ihre Prioritäten in der Verkehrsausbauplanung zukünftig gemeinsam zu setzen und einen verbindlichen länderübergreifenden Fahrplan für die Planfeststellung für jedes ausstehende Projekt festzulegen, angefangen bei den wichtigsten. "Unser Beispiel zeigt, dass eine einvernehmliche, länderübergreifende Abstimmung gut möglich ist. Jetzt sind die Länder am Zug.", so Jens Broder Knudsen, Geschäftsführender Gesellschafter der SARTORI & BERGER GmbH & Co. KG als Moderator des Podiums Verkehrsinfrastruktur auf dem Norddeutschen Wirtschaftstag. Sowohl der parlamentarische Staatsekretär Enak Ferlemann MdB aus dem Bundesverkehrsministerium als auch der Europaabgeordnete Reime Böge MdEP dankten für diese wichtige Vorarbeit, die bisher an der mangelnden Einigungsfähigkeit der Bundesländer gescheitert war. Böge wies zudem darauf hin, dass auch die Mittel des Junckerprogramms knapp seien. "Nur wenn die Länder sich sputen, kann der Norden von diesen Mitteln profitieren."


Wirtschaftsrat fordert eine gemeinsame Innovationspolitik der norddeutschen Länder
Wichtige Anstöße lieferte ebenso das Podium zur Bildungsinfrastruktur, nachdem Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka im Eröffnungsteil bereits maßgebliche Eckpunkte für einen gestärkten Wissenschafts- und Forschungsstandort, die kommende Exzellenzinitiative 2.0, die High Tech-Strategie und den Hochschulpakt gesetzt hatte.

Dr. Hubert Baltes, Head of New Business Development der Olympus Winter & Ibe GmbH, der das anschließende Podium vorbereitet und moderiert hat, forderte daraufhin: "Einer für alle, alle für einen: Das muss für die norddeutschen Länder in Sachen Innovations- und Bildungspolitik das Credo sein. Abseits aller föderalistischen Hürden braucht Norddeutschland eine starke, nachhaltige und über Ländergrenzen hinweg koordinierte Innovations- und Bildungspolitik. Hier liegt die Grundlage für wirtschaftliche Prosperität und Wohlstand". Die konkreten Handlungsempfehlungen wie ein gezielter hochschulübergreifender Aufbau von Exzellenzinitiativen mit technisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkten als interdisziplinäre Herausforderungen mit Anwendungs- oder Produktbezug wurden anschließend im Podium insbesondere von den Industrievertretern Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk AG & Co. KGaA, und Lars Reger, NXP Semiconductors Germany, sehr begrüßt.


Norddeutschland als Zentrum erneuerbarer Energien gemeinsam beflügeln
Erstaunliche Einigkeit herrschte auch unter den Teilnehmern des Podiums Energieinfrastruktur, das Reinhold von Eben-Worlée, geschäftsführender Gesellschafter der Worlée-Chemie GmbH, leitete. Nur ein gemeinsames Energiekonzept der fünf norddeutschen Länder mit einem stärkeren Marktbezug für die erneuerbaren Energien kann die Energiewende zum Positivbeispiel für andere Länder werden. In diesem Punkt waren sich sowohl Dr. Martin Grundmann, der mit der ARGE Netz GmbH hunderte Windmüller vertritt, als auch Dr. Ingo Luge als Vorsitzender der Geschäftsführung von E.ON Deutschland einig. Eine glaubwürdige Strategie, die die Marktfähigkeit der erneuerbaren Energietechniken im Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes unter Be¬weis stellt, erfordert eine Übernahme des Systemverantwortung durch die erneuerbaren Energieträger, was nur durch einen Abbau regulatorischer Hindernisse erreichbar ist. Der Wirtschaftsrat forderte daher die laufende Debatten zum Grün- und in der Folge zum Weißbuch zu nutzen, um sich zwischen den fünf Bundesländern auf gemeinsame Eckpunkte zu verständigen. "Bevor wir aber über ein EEG 3.0 nachdenken, müssen wir erst die Fehler des EEG 1.0 reparieren.", so Reinhold von Eben-Worlée, Geschäftsführender Gesellschafter der Worlée-Chemie GmbH als Moderator des Podiums Energieinfrastruktur zusammenfassend.

Glanzvolle Höhepunkte
Diese starken Appelle für ein politisches Zusammenrücken des Nordens wurden untermalt von den fünf Hymnen der norddeutschen Ländern, anrührend vorgetragen von der Lübecker Knabenkantorei, die allerdings für Bremen auf das Lied der Stadtmusikanten zurückgreifen musste, weil die Noten wohl vor einigen Jahrhunderten verlorengegangen waren. Dafür hat Mecklenburg-Vorpommern zwei Hymnen.

Für einen verbesserten norddeutschen Zusammenhalt sorgte zudem die Trave-Rundfahrt des Jungen Wirtschaftsrates, die in einem Grußwort des Präsidenten des Wirtschaftsrates, Werner Michael Bahlsen, geschäftsführender Gesellschafter der Bahlsen GmbH & Co. KG, seinen Höhepunkt fand. Dieser weitete den Blick auf weitere drängende, bundespolitische Fragestellungen wie zum Beispiel die Neuregelung der Erbschaftssteuer: "Nach meiner eignen Empfindung habe ich kein Unternehmen geerbt, sondern es nur von meinen Kindern geliehen bekommen. Die deutsche Politik sollte sich bewusst sein, dass ihre generationsübergreifend investierenden Familienunternehmen Kern der deutschen Industrie und Exporterfolge sind und damit eine wesentliche Grundlage für unseren Wohlstand bilden."

Zum abendlichen Ausklang in der traditionsreichen Lübecker Schiffergesellschaft wurde nicht nur, vielleicht sogar erstmals in der Geschichte, die Hymne der Hansestadt Hamburg gesungen, sondern Internetunternehmer Olaf Birkner stellte in seiner Rede klar, dass sich die Einkommensverteilung in der Welt in den letzten Jahrzehnten immer gleichmäßiger entwickelt hat und zu erwarten sei, dass die Kindersterblichkeit im Jahr 2030 dem Nullpunkt erreicht. Insofern sollte ein jeder prüfen, ob die durch schlechte Nachrichten und Quoten getriebenen Medien tatsächlich eine gute Orientierungshilfe bilden. Gunnar Uldall beendete dann diesen Norddeutschen Wirtschaftstag mit dem Ausblick auf das Jahr 2017, in dem die Gastgeberrolle für den 6. Norddeutschen Wirtschaftstag Hamburg zufällt. Er wünschte sich, dass dann schon einige der aktuellen Empfehlungen umgesetzt worden sind.

Die am folgenden 4. September 2015 angebotenen Unternehmensbesichtigungen beim Weltkonzern Drägerwerk AG & Co. KGaA  mit seinen Scherpunkten in der Sicherheits- und Medizintechnik sowie beim Nordischen Maschinenbau Rudolf Baader, einem familiengeführten Weltmarktführer für Fischverarbeitungsmaschinen, bildeten weitere  glanzvolle Höhepunkte, die schließlich durch ein Arbeitsessen CFO-Event Sylt 2016 zu den Themen Industrie 4.0, Big Data und internationale Verrechnungspreise auf Einladung von Oracle Deutschland GmbH abgerundet wurde. BZ