13. Dezember 2012
Wirtschaftsrat warnt Landesregierung: Anstachelung zur fortgesetzten Schulstrutkurdebatte ist bildungspolitischer Irrweg
Dr. Murmann: "Einheitslehrerausbildung blockiert Talententwicklung"
Angesichts verschiedener Ankündigungen der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin, die Lehrerausbildung schulartübergreifend zu vereinheitlichen, warnt der Wirtschaftsrat Schleswig-Holstein die Landesregierung eindringlich: Sie bedrohe jedoch das fachliche Niveau der Stu dienräte an den Gymnasien in Schleswig-Holstein. „Ohne eine gezielte Ausbil dung unseres stu dierfähigen Nachwuchses zerstören wir das Fundament unseres Universi täts- und Export standortes. Eine Einheitslehrerausbildung blockiert eine leistungsge mäße Talentent wicklung.“, so Murmann.

„Vor dem Hintergrund der offenkundigen Qualitätsmängel in unserem Schulsystem ist die An­stachelung zur fortgesetzten Schulstrukturdebatte ein bildungspolitischer Irrweg.“, so der Lan­desvorsitzende des Wirtschaftsrates der CDU e.V. für Schleswig-Holstein Dr. Philipp Murmann. „Die Zielvorstellung einer Einheitsschule mit Einheitslehrern für Einheitsschüler ist eine ideolo­gische Utopie. Um der Vielfalt unserer Schülertalente gerecht zu werden, brauchen wir eine Viel­falt von Schularten und Unterrichtsformen sowie entsprechend differenziert ausgebildete Leh­rer.“, so Murmann.

 

Der Wirtschaftsrat fordert die Landesregierung auf, die eklatanten Qualitätsmängel im Schulsy­stem zu beseitigen. Schleswig-Holstein brauche glaubwürdige Konzepte, wie der dramatische Unter­richts­ausfall kurzfristig abzustellen sei, wie eine konsequente Fort- und Weiterbildung der Lehr­kräfte sichergestellt werden könne und wie die bauliche und fachliche Schulinfrastruktur flä­chen­deckend zu modernisieren sei. Wer angesichts dieser sichtbaren Qualitätsmängel jetzt in die Einheitsschule investiere, raube dem System wichtige Kräfte und fordere innere Wider­stände in der Trägerschaft des Systems heraus.

 

Die gerade erst umgesetzten Reformen von Gesamt- zur Gemeinschaftsschule und Haupt- und Real- zur Regionalschule egalisieren bereits differenzierten Unterricht nach Lei­stungsklassen. Heterogene Schulklassen verlangen einen stärker individualisierten Unterricht. Die Lehrkräfte stoßen mit der Integration fremdstämmiger Schüler und der Inklusion von Schülern mit Behinderungen schon jetzt an ihre Grenzen. Eine Vereinheitlichung der Lehrersausbildung trage in keinster Weise zur Lösung dieser Glaubwürdigkeitsprobleme bei.

 

Obgleich die schleswig-holsteinischen Gymnasien im ersten PISA-Ländervergleich bundesweit an der Spitze noch vor Bayern lagen, ist eine Weiterentwicklung der gymnasialen Lehrerausbil­dung ständig geboten. Der Wirtschaftsrat empfiehlt hierzu, auch die Ausbildung der Gymnasi­allehrer durch einen frühzeitigeren Praxisbezug anzureichern. Der Wandel hin zu einer dualen Lehrerausbildung sei schulartübergreifend wünschenswert.

 

Der Wirtschaftsrat widerspricht zudem der Auffassung, daß heterogene Schulklassen soziales Verhalten besonders fördern oder einen besseren sozialen Ausgleich schaffen. „Wer den Ein­heitslehrer will, versündigt sich vor allem an unseren herausragenden Talen­ten und fördert da­durch private Eliteschulen, die bislang traditionell eher außerhalb von Deutschland zu finden sind. Im Kern ist die bildungspolitische Einheitsideologie nicht nur lei­stungs- und standort­feindlich, sondern auch zutiefst unsozial gegenüber leistungsfähigen Schülern, die sich teure Privatschulen nicht leisten können.“, so Dr. Murmann abschließend.

 

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Dr. Bertram Zitscher
Landesgeschäftsführer
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