24. April 2011
Kampagneauftakt mit Bundesumweltminister: "Nach Japan hat sich die Sichtweise geändert!"
Zum Auftakt der Kampagne "Energie und Umweltschutz" hatte der nordrhein-westfälische Wirtschaftsrat in die Kaiserstadt Aachen zu einer Fachtagung mit dem Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Dr. Norbert Röttgen MdB, eingeladen.
Bundesminister Dr. Norbert Röttgen MdB (Foto: Wirtschaftsrat)

Allein im Umkreis von rund 200 km werden in Frankreich und Belgien fünf Atomkraftwerke betrieben, deren Strom in die internationalen Netze eingespeist werden. Letztlich beinhaltet die bundesdeutsche Debatte über eine zukünftige Energiepolitik auch immer eine europäische Komponente. So wunderte es nicht, dass sich neben den rund 150 Unternehmern auch eine Vielzahl von Verantwortungsträgern der Region zur Diskussion mit dem Bundesumweltminister eingefunden hatten, unter ihnen der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp, die Europaabgeordnete Sabine Verheyen, die Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt und Rudolf Henke, der Landtagsabgeordnete Rolf Einmahl sowie der Städteregionsrat Helmut Etschenberg. 

Foto: Wirtschaftsrat

"Nach den Ereignissen in Japan muss nun insbesondere die Frage der Sicherheit in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Selbst wenn wir hier in Deutschland nicht direkt von Radioaktivität betroffen sind, so ist das Geschehnis dennoch für jeden von uns eine grundlegende Zäsur gewesen. Der zivilisatorische Umgang mit Risiken wurde von der Natur verändert, weil es ein Hochtechnologieland mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat", warb der Bundesminister für die Neuausrichtung der Energiepolitik der Bundesregierung. 

Rudolf Henke MdB; Rolf Einmahl MdL; Bundesminister Dr. Norbert Röttgen MdB, Herbert Prömper, Sektionssprecher Aachen; Marcel Philipp; Sabine Verheyen MdEP; Helmut Etschenberg (Foto: Wirtschaftsrat)

Trotz alledem könne man nicht von jetzt auf gleich gänzlich auf die Kernenergie verzichten, die einen Anteil von 22 Prozent an der deutschen Stromerzeugung habe. Ein sofortiges Abschalten aller deutschen Atomkraftwerke sei mit der zwingend notwendigen Gewährleistung von Netzstabilität nicht vereinbar, verdeutlichte der Bundesumweltminister.
 
"Wenn sich gewisse Gesellschaftsgruppen gegen alles, das heißt gegen Kernenergie und Braunkohle, aber ebenfalls gegen Windräder und Überlandleitungen, aussprechen, muss mit massiven Wohlstandsverlusten gerechnet werden. Wer gegen alles ist, der kann nicht erwarten, dass Deutschland weiterhin eine der weltweit erfolgreichsten Volkswirtschaften mit einem hohem sozialen Unterstützungsniveau und Solidaritätssystem bleibt", unterstrich Dr. Röttgen. Vor einem zunehmenden Trend hin zu einer "Dagegen"-Gesellschaft warnt auch der Wirtschaftsrat.

 

Der Unternehmerverband fordert vor allem eine Versachlichung der Diskussion über die Neuausrichtung der Energiepolitik. Es  darf im Rahmen der Modernisierung des Energiesystems zu keinen weiteren staatlichen Belastungen beim Strompreis kommen. Bereits heute zahlten deutsche Unternehmen 70 Prozent mehr für Strom als ihre französischen Nachbarn. Zudem setzt sich der Wirtschaftsrat für eine Harmonisierung der Fördermechanismen für erneuerbare Energien innerhalb der Europäischen Union ein. Außerdem plädiert er für die Intensivierung von Forschung und Entwicklung bei Speichertechnologien sowie für Akzeptanzoffensiven für den Bau neuer wirtschaftlicher Speicherkapazitäten.