24. Januar 2012
Fachkräftemangel hier, Schulversager dort: Wohin steuern Bildung und Wissenschaft in Hamburg?
POLITISCHES FRÜHSTÜCK mit Dr. Jörg Dräger
Deutschland ist gespalten, wenn es um die Bildung geht: Während die einen eine Leistungsdebatte führen, geht es den anderen um Gerechtigkeit. Beide Lager zusammenzuführen, ist das Anliegen von Dr. Jörg Dräger, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung.
Dr. Jörg Dräger (Foto: Jürgen Joost)

Dräger widmet sich vor allem dem unteren Ende des Bildungssystems. Sieben Prozent der

Hamburger verließen 2011 die Schule ohne Abschluss. Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland kann nicht richtig lesen, schreiben, rechnen. In keinem anderen Industrieland ist der schulische Erfolg eines Kindes so abhängig von Herkunft und Bildungsstand der Eltern wie bei uns. Geringe Bildung ist nicht nur das Problem der gering Gebildeten – sie gefährdet unsere Gesellschaft als Ganzes, warnt Dr. Jörg Dräger in seinem Buch „Dichter, Denker Schulversager“.

 

Beim POLITISCHEN FRÜHSTÜCK präsentierte er fünf Thesen:

 

  • Auf die Pädagogik kommt es an!
  • Frühes Lernen (Kita-Pflicht ab dem 3. Lebensjahr) und Ganztagsschule, Bildungspflicht bis zum Ende der Ausbildung
  • Transparenzföderalismus statt Zentralismus: Die Länder sollen weiterhin für die Bildung verantwortlich sein
  • Nicht transferieren, sondern investieren: Individuelle Leistung fördern, statt die knappen Mittel nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen
  • Wandel der Hochschulen: Die Klientel der Zukunft absolviert ihr Studium berufsbegleitend

 

Hierzu mahnt Dräger eine veränderte Haltung an. Amerikaner, die mit einem Problem konfrontiert seien, fragten „What can I do?“. Deutsche hingegen „Wer ist schuld?“ .