23. April 2012
Frankfurt
Thesen eines quer denkenden Visionärs
dm-Drogeriemarkt-Gründer Werner sprach auf einer Veranstaltung der Sektion Frankfurt
Ein Wirtschaftsmagazin nannte ihn einst „Träumer und Unternehmer“. Das hat Götz Wolfgang Werner, den Gründer des dm-Drogeriemarktes und Verfechter des „bedingungslosen Grundeinkommens“, keineswegs beleidigt. Im Gegenteil. Denken und Zukunftweisendes unternehmen setzten Träume voraus, wie er jetzt in anlässlich einer Vortragsveranstaltung des Wirtschaftsrates Hessen, Sektion Frankfurt erläuterte. Werner sprach im Rahmen des Kongresses „Leadership & Management Forum Europe 2012“, ein Event der „Leaders We Love GmbH“ - LWL -, Frankfurt.
Prof. Götz Wolfgang Werner, Verfechter des "bedingungslosen Grundeinkommens" (Foto: Wirtschaftsrat)

Dass er kein Träumer im herkömmlichen Sinne ist, sondern ein quer und brillant denkender Visionär, befanden wohl die meisten Teilnehmer nach Werners ebenso humorvoller wie anspruchsvoller Rede. Hier eine (verkürzte) Auswahl seiner Thesen:

 

  • Wer seine Kunden am besten versteht, hat den größten Erfolg.
  • Mund- zu Mundwerbung ist die beste und billigste.
  • Die oben sind, meinen sie seien vorne; sie sind aber nur oben.
  • So wie wir im Unternehmen miteinander umgehen, so gehen die Kollegen und Kolleginnen (so nennt Werner meist seine Mitarbeiter) mit den Kunden um.
  • Was dem Gefallen des Vorgesetzten dient, gehört verachtet. Dagegen sollte alles gefördert werden, was den Blick zum Kunden schärft.
  • Eigeninitiativen wecken und nicht verhindern. Anstatt alles zu regeln, besser den gesunden Menschenverstand zulassen.
  • Grundsätzlich Respekt vor der Leistung des anderen haben.
  • Unternehmen haben keinen Selbstzweck, sondern sie sind für die Menschen da.
  • Meine Manager sollen herausfinden, wer von den Kolleginnen und Kollegen einen Arbeitsplatz hat oder einen Einkommensplatz.
  • Wem die Arbeit gefällt und wer einen Sinn in seinem Tun erkennt, der ist nicht nur Mitarbeiter, sondern Mitunternehmer.
  • Wer von Personalkosten spricht, der meint, Mitarbeiter reduzierten das Ergebnis. Dabei sind sie es die Mitarbeiter, die das Ergebnis schaffen. Es gibt also ein Mitarbeitereinkommen und ein Unternehmereinkommen.
v.l.n.r.: Anders Indset, Managing Director von evoworks live; Prof. Götz W. Werner, Gründer der dm-Drogeriemarkt-Kette; Marius Schwabe, stellv. Geschäftsführer des Wirtschaftsrates Hessen (Foto: Wirtschaftsrat)

Werner spickte seinen Vortrag mit „Schlüsselerlebnissen“, die ihn meist zu seinen Visionen brachten. Überhaupt: „Alle Menschen gehen in die Universität des Lebens“; eben durch ihre Schlüsselerlebnisse.

 

Die dm-Drogriemarkt GmbH, das Werk des „Träumers und Unternehmers Werner“,  zählt heute zu den führenden Marken Europas. Für seine betont antiautoritäre Unternehmensführung sowie der Schaffung zahlreicher Arbeits- und Ausbildungsplätze wurde Werner mehrfach ausgezeichnet, u.a. vom damaligen Bundespräsident Horst Köhler mit dem Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.

Mit seinem Buch „Einkomme für alle“ hat  er die Diskussion um ein vom Staat garantierten, bedingungslosen Grundeinkommen in Gang gesetzt. Im August 2010 erschien sein zweites Buch „1000 Euro für jeden: Freiheit. Gleichheit. Grundeinkommen“.