14. Mai 2012
Ein Steuersystem kann methodisch rational sein!
Prof. Dr. dres. h.c. Paul Kirchhof stellt im Rahmen der Friedrichsruher Begegnungen in der Sektion Hohenlohe/Schwäbisch Hall sein Steuermodell vor
„Das deutsche Steuerrecht hat mit über 33.000 Paragraphen babylonische Irrationalität angenommen. Es ist nicht mehr verständlich, nicht mehr auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Realität anwendbar, darüber hinaus erkennbar destruktiv und wachstumshemmend. Dass es auch anders geht, nämlich methodisch rational, das hören Sie jetzt.“, erläuterte Manfred Kurz, Sprecher der Sektion Hohenlohe/Schwäbisch Hall.

Gastredner Prof. Dr. dres. h.c. Paul Kirchhof erläuterte den mehr als 80 Mitgliedern und Gästen des Wirtschaftsrates die Grundzüge seines Steuersystems. Zentrale Frage ist für Kirchhof zunächst immer „Warum müssen wir Steuern bezahlen?“ Da der Bürger sich auf eine funktionierende Infrastruktur stützen kann, die bewahrt werden soll, ist es nur gerecht, dass er einen maßvollen Teil seines Gewinns abgibt. „In seinem Erfolg hat auch das System einen Erfolg erzielt.“, fasst Kirchhof diesen Gedanken zusammen.

 

Die zweite logische Frage müsse dann sein: „Wo greifen wir zu?“ Dies geschieht an drei Stellen: Beim Einkommen. Jeder Bürger der am Markt erfolgreich ist, führt einen maßvollen Teil seines Einkommens ab. Hierbei werden Freibeträge angerechnet und ein Stufensteuersatz zugrunde gelegt, der die Staffelungen 15 , 20 und 25 Prozent vorsieht.

 

Desweiteren führt der Bürger über die Umsatzsteuer 19 Prozent ab, wenn er seine Kaufkraft dafür einsetzt, etwas zu erwerben.

 

Ebenfalls besteuert wird im Erbfall und zwar mit zehn Prozent. Wobei es hohe Freibeträge gibt und keine Steuer anfällt, wenn das Erbe an den Ehepartner geht. Zudem gibt es eine Ausnahme bei  der Unternehmensnachfolge. Hier wird die Steuerschuld auf zehn Jahre zinslos gestundet und der Erbe führt jährlich ein Prozent ab. „Wenn ein Politiker sich gedanklich auf dieses System einlässt, wird er sich ihm  kaum mehr verwehren können“, ist Kirchhof überzeugt.

Immer wieder erstaunt sei er darüber, dass ehrbare Menschen, die niemals einen Banküberfall begehen würden bereit seien, Steuern zu hinterziehen. „Wir nehmen das Steuerrecht nicht mehr als verbindlich wahr. Daher muss das System so bereinigt werden, dass der Bürger versteht, der ehrbare Kaufmann schuldet dem Staat einen maßvollen Teil seines Einkommens. Wir brauchen wieder ein Steuerrechtsbewusstsein“, forderte Kirchhof und schloss mit den Worten: „Der Kampf für ein neues Steuermodell lohnt sich und ich werde mich unbeirrt dafür einsetzen“. Diesem Appell schloss sich Sektionssprecher Kurz an und forderte die Anwesenden auf: „Werben Sie für dieses System und sprechen Sie unsere Politiker immer wieder darauf an. Sprechen Sie auch mit Ihren Europaabgeordneten darüber. Über Brüssel kann eine steuerpolitische Neuerung gelingen.“

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