27. November 2015
25 Jahre geeintes Deutschland - durch Innovation und Wachstum unsere Position in der Welt stärken!
Junger Wirtschaftstag 2015 in Erfurt
Mit Weitblick Zukunftspläne für Deutschland schmieden – dies ist das Ziel des Jungen Wirtschaftstages. Passend dazu fanden Podien zu den Themen Startups und Arbeitswelt von morgen sowie Workshops mit den Schwerpunkten internationale Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland und Europa und neue soziale Marktwirtschaft statt. Um diese Themen zu diskutieren und Ideen zu entwickeln, trafen sich rund 100 Mitglieder und Gäste des Jungen Wirtschaftsrates zum diesjährigen Jungen Wirtschaftstag in Erfurt.
v.l.n.r.: Thorsten Schreiber, Geschäftsführer Zeilenwert GmbH, Karsten Schaal, Vorstandsmitglied Bundesverband Deutsche Startups e.V., Jan Brorhilker, stellv. Bundesvorsitzende des Jungen Wirtschaftsrats, Tankred Schipanski MdB. Tobias Bürger, Investment Management, German Startups Group Berlin, Foto: Antje Kaunzner

Get-together: Deutliche Worte der Vizepräsidenten

Beim freitäglichen Get-together fanden die Vizepräsidenten des Wirtschaftsrates deutliche Worte zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Herr Dr. Mertin, Vizepräsident des Wirtschaftsrates, forderte in seiner Begrüßung die junge Generation auf, in ihrem eigenen Interesse bei den Themen Energiewende, TTIP und Digitalisierung Stellung zu beziehen sowie mehr Innovationsoffenheit zu zeigen. Prof. Hans Helmut Schetter, Vizepräsident des Wirtschaftsrates, kritisierte in seiner Rede die chaotische Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Dabei habe „gerade eine Große Koalition keine andere Legitimation, als großen Herausforderungen mit großer Entschlossenheit und höchster Priorität entgegenzutreten“, so Schetter. Was sich in der Wirtschaft bewährt habe, müsse auch für die Politik gelten. Dazu zählten messbare Ziele und ein gutes Controlling. Nur daran lasse sich Regierungsarbeit messen und nicht an Schlagworten.

 

Selbstbewusstes Engagement der jungen Generation nötig

In seiner Eröffnungsrede betonte der Bundesvorsitzende, Dr. Alexander Bode, dass die enge Vernetzung mit politischen Entscheidungsträgen das Alleinstellungsmerkmal des Wirtschaftsrates und des Jungen Wirtschaftsrates sei und dass man dies im Sinne der Jungen Generation nutzen müsse. Der Generalsekretär des Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger, forderte die Mitglieder des Jungen Wirtschaftsrates auf, sich selbstbewusst zu engagieren. Dies sei nötig, denn in zahlreichen Themenaspekten müsse sich die Junge Generation Gehör verschaffen. Darunter fielen die Digitale Agenda, die Flüchtlingskrise, die verfehlte Rentenpolitik und die endlose Griechenlandkrise.Albert Weiler MdB gab in seinem Grußwort einen Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen einer digitalisierten Welt. Bei diesen stehe die Junge Generation besonders im Mittelpunkt. Paul Ziemiak, Bundesvorsitzender der Jungen Union Deutschlands, umriss in seiner Keynote die Herausforderungen der notwendigen Förderung von Innovationen. Als wenig innovativ und nicht zukunftsfähig sieht er die aktuellen bürokratischen Arbeitsverordnungen von Bundesarbeitsministerin Nahles an. Eine gänzlich falsche Weichenstellung „in Richtung Vergangenheit“ sei die Rentenpolitik. Die Junge Generation müsse nun vereint ihre Stimme erheben.


Podium I: „Das Startup-Ökosystem 2015 – Bestandsaufnahme und Ausblick“

Anhand der Frage „Welche Rahmenbedingungen fehlen dem Startup-Ökosystem in Deutschland und welche schaden ihm?“ wurde intensiv auf dem Podium diskutiert. Tobias Bürger, Investment Management bei German Startups Group Berlin, forderte einen behutsamen Umgang mit der Startup-Szene. „Wir sind aktuell in einer sehr guten Wachstumsphase“, so Bürger. „Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir nicht dieses Wachstum durch Überregulierung abschneiden.“ Zufrieden mit der eigenen politischen Leistung zeigte sich Tankred Schipanski MdB. Günstige politische Rahmenbedingungen und die Einstufung der Digitalen Agenda zur Chefsache auf bundespolitischer Ebene zeigten Wirkung. Dem konnte sich Karsten Schaal, Mitglied des Vorstandes vom Bundesverband Deutsche Startups e.V., nicht anschließen und verwies auf die aktuelle Situation im deutschen Startup Hotspot Berlin. Die dortige günstige Situation sei nicht wegen, sondern trotz der Politik entstanden. Optimistischer schätzte Thorsten Schreiber, Geschäftsführer der Zeilenwert GmbH, die Lage ein. Die Unterstützung der Start-ups sei von Seiten der Politik „gut genug“, so Schreiber, allerdings müssten die Startups „mehr miteinander reden, um sich gegenseitig helfen zu können.“ 


Podium II: „Arbeitswelt von morgen gestalte – Soziale Sicherheit vs. Flexibilisierung“

„Die Kommunikation wird immer schneller und der Mensch immer ungeduldiger“ – Thomas Kemmerich, Vorstandsvorsitzender der Friseur Masson AG sowie Bundesvorsitzender des Liberalen Mittelstandes e.V. und Mitglied im FDP-Bundesvorstand, beklagte das steigende Stresslevel in einer digitalisierten Arbeitswelt. Dies erschwere die Arbeitsmotivation. Wilhelm Bauer, Institutsleiter am Frauenhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, beobachtet, dass immer mehr Beschäftigte den Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten äußern und Unternehmen vermehrt auf dieses Bedürfnis eingehen. Für Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, haben die Gewerkschaften es verpasst, sich der „veränderten Arbeitswelt anzupassen.“ Gerade der Mindestlohn sei für sie „ein Offenbarungseid“ gewesen, da sie nicht in der Lage gewesen seien selbst, für ein „vernünftiges Einkommen zu sorgen“. Wenn eine Kraft, eine Seite oder Partei nicht mehr stark genug ihre Interessen vertritt, muss die Politik eingreifen sei das Motto gewesen. Überregulierung dürfe nicht sein, aber die Frage, warum es sich überhaupt in diese Richtung entwickelt habe, müsse gestellt werden. Für Kai Whittakker MdB atmet das aktuelle Arbeitszeitgesetz „schwer den Geist der Siebziger und Achtziger“.


Deutsche Einheit ist ein Erfolgsprojekt

In seiner Dinner Speech erläuterte Mike Mohring, Landesvorsitzender und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, die aktuelle politische Situation in Thüringen. Das kleine und junge Bundesland – einst Musterschüler unter den neuen Bundesländern – leide nun unter einer verantwortungslosen Schuldenpolitik der aktuellen Landesregierung zu Lasten der jüngeren Generationen. Dennoch, so Mohring, sollten die Teilnehmer des Jungen Wirtschaftstags nicht in dem Glauben nach Hause fahren, der Aufbau Ost sei falsch gewesen: „Die deutsche Einheit ist nach 25 Jahren ein Erfolgsprojekt“. 

v.l.n.r.: Wilhelm Bauer, Institutsleiter am Frauenhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, Kai Whittakker MdB, Mirko Kolakovic, Vorsitzender des Jungen Wirtschaftsrats Thüringen, Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Thomas Kemmerich, Vorstandsvorsitzender der Friseur Masson AG sowie Bundesvorsit-zender des Liberalen Mittelstandes e.V., Foto: Antje Kaunzner
Paul Ziemiak, Bundesvorsitzender der Jungen Union

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