18. Februar 2016
Wirtschaftsrat Hannover informiert über Unternehmensnachfolge
Florian Rauhut und Patrick London berichten aus der Praxis ihrer Unternehmensberatung
Der scheidende Sprecher des Wirtschaftsrats der Sektion Hannover Uwe Fendler begrüßte am 18. Januar etwa 50 Teilnehmende im Radisson Blue Hotel am Messegelände in Hannover. Florian Rauhut von den Unternehmensgefährten GmbH aus Schwarmstedt berichtete zunächst über die Rahmenbedingungen, unter denen heute über Unternehmensnachfolge nachgedacht werden muss. Über ein Drittel aller Inhaber von kleinen und mittelständischen Unternehmen seien 55 Jahre alt und älter. Eigentlich müssten sie alle über die weitere Leitung ihrer Betriebe nachdenken, da es in der Regel mehrere Jahre brauche, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin erfolgreich eingearbeitet sei. Tatsächlich beschäftigt sich jeder dritte der Betroffenen überhaupt nicht mit diesem Thema. Sie lassen es einfach auf sich zukommen.
v.l.n.r.: Johannes Franke, Mitglied im Sektionsvorstand Hannover; Uwe Fendler, Sprecher der Sektion Hannover; Florian Rauhaut, die Unternehmensgefährten; Patrick London, die Unternehmensgefährten; Jan Christian Janßen, Landesgeschäftsführer Wirtschaftsrat Niedersachen (Foto: Wirtschaftsrat)

"Da darf sich dann niemand wundern, dass die Unternehmensnachfolge mit finanziellen Verlusten verbunden ist", erklärt der gelernte Wirtschaftswissenschaftler. Zugleich werde es schwieriger, geeignete Nachfolger zu finden, weil der Geburtenrückgangs dazu geführt hat, dass immer weniger Kandidaten zur Auswahl stehen.


Viele Nachfolgeprojekte scheitern auch an Kommunikationsproblemen - selbst in der Familie. Die Altinhaber setzen beispielsweise gedanklich einfach voraus, dass ihre Kinder in ihre Fußstapfen eintreten - tatsächlich ist das immer seltener der Fall. Die Kinder haben den Stress der Eltern hautnah in der Familie miterlebt und nun für sich entschieden, das tun wir uns nicht an! Die Folge ist, die Nachfolgeplanung platzt, weil keiner der Beteiligten es gewagt hat, das Thema rechtzeitig zur Sprache zu bringen. Ein Teilnehmer berichtete beispielsweise von einem Fall, wo der Junior bereits 67 Jahre alt war, weil der 92 jährige Vater die Leitung des Familienunternehmens nicht abgeben wollte. In Veröffentlichungen zum Thema wird hier von einem "Prince-Charles-Effekt" gesprochen.

(Foto: Wirtschaftsrat)

Das Projekt einer Unternehmensübergabe sei erst vollständig abgeschlossen, wenn die Senioren nicht mehr in der Firma sind. Patrick London berichtete von einem Fall, dass der Senior nach seinem offiziellen Ausscheiden aus der Firma einmal in der Woche ins Unternehmen kam, um „nach dem Rechten“ zu sehen. Viele Mitarbeiter sahen ihn noch immer als den eigentlichen Chef an und hörten mehr auf sein Wort, als auf das seiner Nachfolger. Die Folge war, dass die Nachfolger als neue Unternehmenslenker nicht anerkannt wurden und das Unternehmen am Ende verkauft werden musste.

Als Schlussfolgerung lässt sich daraus ziehen, das gar nicht früh genug damit begonnen werden könne, über die Nachfolge in kleinen und mittelständischen Unternehmen nachzudenken. In manchen Fällen gelingt es, ein Unternehmen mit Hilfe von speziellen Maklern zu verkaufen, manchmal auch an einen ausländischen Investor - gelegentlich aus China, deuteten die beiden Geschäftsführer von der Unternehmensgefährten GmbH an und ernteten für ihren interessanten Vortrag vor der Wirtschaftsrat Hannover viel Beifall.

---

Text mit freundlicher Genehmigung von Dr. Joachim von Hein, Hannover