05. Juni 2013
"Auf den Punkt gebracht" mit Folker Hellmeyer
EU-Schuldenkrise und internationale Konjunkturentwicklung im Fokus
Beim zweiten Business Lunch des Wirtschaftsrates 2013 sprach Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, über die derzeitige Defizitkrise in Europa und berichtete über die konjunkturellen Entwicklungen in der Welt.
Foto: Wirtschaftsrat

Die Geschäftsführerin des Wirtschaftsrates in Bremen, Susanne Grobien, begrüßte zahlreiche Gäste in der Havanna Lounge. Besonders erfreut zeigte sie sich über den Besuch der Spitzenkandidatin der CDU für den Bundestag, Elisabeth Motschmann. „Gerade im Wahlkampf ist die Zeit extrem knapp. Deshalb freuen wir uns vom Wirtschaftsrat, dass Frau Motschmann den Weg zu uns gefunden hat“, so die Landesgeschäftsführerin.

 

Als „treuer Gast und Redner des Wirtschaftsrates“ stand Folker Hellmeyer im Mittelpunkt des Tages. Dieser sah sich in seinen Prognosen aus dem Februar 2013 bestätigt. Die Tendenzen in den Krisenländern seien zunehmend positiv. So habe Griechenland sein Defizit im Kernhaushalt in den ersten vier Monaten des Jahres auf 330 Millionen Euro senken können und Spanien im Mai doppelt so viele Arbeitsplätze geschaffen, wie erwartet. Beides könne als große Leistung gewertet werden. Zudem müssten die Anstrengungen Frankreichs stärker honoriert werden. Das Land führe „die stringenteste Arbeitsmarktreform“ in der Geschichte des Landes durch, welche durchaus mit der Agenda 2010 vergleichbar sei, bemerkte Hellmeyer. Auch die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa und das verstärkte Engagement der Europäischen Investitionsbank (EIB) würden helfen den französischen Mittelstand trotz der zentralisierten Staats- und Wirtschaftsstruktur auszubauen. Alles in allem sei dies zwar noch keine vollständige Entwarnung, aber eine wünschenswerte Entwicklung.

 

Neben der Analyse der internen Situation verglich Hellmeyer die Eurozone auch mit den anderen Wirtschaftsregionen der Welt. In Europa prognostizierte der Chefanalyst eine Neuverschuldung von 2,9 Prozent. In den USA und Großbritannien hingegen 6,5 und in Japan sogar von zehn Prozent. Verbunden mit den strukturellen Reformen beweise dies die Tragfähigkeit des europäischen Geschäftsmodells.

 

Speziell für Deutschland sieht Hellmeyer eine durchaus positive konjunkturelle Entwicklung. Der Rückgang der Weltwirtschaft habe zu einer Untersättigung geführt, welche sich nun in einer erhöhten Nachfrage manifestiere. Gerade für Deutschland mit seiner hohen Bedeutung von Investitionsgütern sei dies eine Chance. Auf die Nachfrage Motschmanns, ob nur die Agenda 2010 für die derzeitige deutsche Wirtschaftsstärke ausschlaggebend sei, findet Hellmeyer eine deutliche Antwort: Zwar müsse anerkannt werden, dass sich die Agenda 2010 stabilisierend und positiv ausgewirkt habe. Von größerer Bedeutung sei allerdings die Innovationskraft der deutschen Wirtschafts- und Wissensgesellschaft.