03. Juli 2013
Nationalpark Nordschwarzwald: Alles im grünen Bereich?
Podiumsdiskussion mit Andreas Fischer, Charly Ebel, Dr. Thomas Waldenspuhl und Wolfgang Jägel MdL
Derzeit erarbeitet das Ministerium für Ländlichen Raum- und Verbraucherschutz Baden-Württemberg einen Vorschlag zur möglichen Lage, zur Verwaltungsstruktur und zum Rechtsrahmen eines Nationalparks, über den der Landtag endgültig entscheiden muss.
vlnr: Konrad Walter, Andreas Fischer, Wolfgang Jägel MdL, Dr. Thomas Waldenspuhl und Charly Ebel (Foto: WR)

Doch welche Risiken gibt es für die Forst- und Holzwirtschaft? Worin bestehen die Chancen für den Tourismus? Wie hoch sind die konkreten Kosten für die Einrichtung eines Nationalparks? Was ist der ökologische Mehrwert für die Natur? Wie sieht es mit der versprochenen Bürgerbeteiligung aus? Um diese und andere Fragen zu beantworten veranstaltete der Wirtschaftsrat eine Podiumsdiskussion mit den Referenten Andreas Fischer, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Unser Nordschwarzwald e.V.“, Dr. Thomas Waldenspuhl, Abteilungsleiter Wald und Gesellschaft der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Wolfgang Jägel MdL sowie Charly Ebel, Stellvertretender Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Ruhestein.

„Das Projekt Nationalpark Nordschwarzwald spaltet die Region schon seit geraumer Zeit. Sowohl wirtschaftliche, wie auch ökonomische Interessen und Ansichten stehen sich gegenüber. Spätestens seit einem erstellten Gutachten, in Auftrag gegeben von der grün-roten Landesregierung, ist das Thema in aller Munde. Nun gilt es, die Vor- und Nachteile eines Nationalparks sachlich und rational zu diskutieren“, leitete Konrad Walter, Sprecher der Sektion Baden-Baden/Rastatt den Dialog ein.

Gemeinsame Waldwanderung (Foto: WR)

Ein zentrales Thema der Diskussion war die Einschränkung der Bodennutzung im Falle eines Nationalparks. „Waldfläche im Landeseigentum als naturverträgliche Produktionsfläche stillzulegen und den nachwachsenden Rohstoff Holz nicht zu nutzen, bedeutet für unsere Zukunft einen wirtschaftlichen Selbstmord auf Raten“, warnte Andreas Fischer. Dr. Waldenspuhl konterte mit einem Plädoyer für das Allgemeinwohl als Wirtschaftsfaktor, der zwar nicht messbar sei, jedoch eine stärkere Wirkung habe als von vielen angenommen.

Desweiteren wurden die möglichen Auswirkungen auf die Bewohner der Umgebung erörtert. „Wandern, Radfahren, Skifahren in urwüchsiger Natur – all das wird weiterhin möglich sein. Der Nationalpark ist offen für alle, frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Im Nationalpark können Kinder und Familien auf Entdeckertour gehen – ob mit oder ohne Ranger. Für den Tourismus ist ein Nationalpark das beste Aushängeschild. Er ist eine Marke, die keiner Erklärung bedarf. Wer „Nationalpark“ hört, weiß, dass ihn Natur pur erwartet“, erklärte Charly Ebel und bezog sich damit erneut auf den wirtschaftlichen Nutzen des geplanten Nationalparks. „Sensible Bereiche des Nordschwarzwaldes sind bereits heute geschützt. Für Sport und Erholung verfügt der Wald über ein attraktives Wegenetz, das durch die Errichtung eines Nationalparks massiv gefährdet werden kann“, führte stattdessen Wolfgang Jägel MdL an.

Konrad Walter übernahm die Moderation der Runde (Foto: WR)

„Obwohl beide Parteien für die Umsetzung ihrer Vision kämpfen, bewegt man sich in dieser Kontroverse allmählich aufeinander zu. Trotz unterschiedlicher Auffassungen kann man sagen, dass sich diese Diskussion jeglichen politischen Gesinnungen entzieht und nur durch einen regen, aber dennoch sachlichen Austausch, wie wir ihn heute gesehen haben, zu einem vernünftigen Konsens gebracht werden kann“ - mit diesen Worten schloss Konrad Walter eine leidenschaftliche Gesprächsrunde ab.