26. Mai 2014
Energieforschung: Welche Schwerpunkte soll Schleswig-Holstein setzen?
Betriebsbesichtigung der FTCAP GmbH
Schleswig-Holstein sollte die bundesweiten Anstrengungen für eine erfolgreiche Energiewende unterstützen, indem es seine forschenden und ausbildenden Strukturen für dieses Feld gezielt ausbaut. Viele technische Fragen sind noch ungelöst, und der radikale Umschwung bei der Energieversorgung ruft nach einer Vielfalt von neuen technischen Lösungen.
Zu Besuch: Die Sektion Nordfriesland besichtigt die FTCAP GmbH / Foto: Wirtschaftsrat

Die bestehende Forschungsinfrastruktur des Landes hat jüngst die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH in dem Prospekt „Energieforschung in Schleswig-
Holstein“ zusammengefasst, der auf der Veranstaltung der Sektion Nordfriesland des Wirtschaftsrates der CDU e.V. bei dem Kondensatorhersteller FTCAP in Husum ausgelegt war. Das sei aber nur die Angebotsseite. „Entscheidend für einen Erfolg“, so Dr. Martin Grundmann,
Geschäftsführer der ARGE Netz GmbH und frisch gewählter Sektionssprecher, bei seiner Begrüßung, „ist die Nachfrage nach diesen Kompetenzen aus der privaten Wirtschaft.

 

Nur Unternehmen können entscheiden, welche unsicheren Entwicklungsprojekte ihr
Risikokapital vor dem Hintergrund globaler Vermarktungschancen wert scheinen. Um beide Seiten am Standort Schleswig-Holstein bestmöglich zusammenzubringen, braucht es intelligente
Förderinstrumente. Wie Schleswig-Holstein seine Fördermittel ausgestaltet, das erläuterte
Wolfgang Schulz, der im Wirtschaftsministerium im Referat Energiepolitik und Energiewende mit der Mittelverteilung befasst ist. Für die Energieforschung, so Schulz, stünden vor allem Mittel aus dem EU-Strukturfonds für Regionalförderung zur Verfügung, dessen Förderperiode jetzt

begonnen habe und bis zum Jahr 2020 reiche. Vier Fünftel dieser Mittel sollen davon Forschung- und Entwicklung (F&E) zugute kommen, wozu man Programmschwerpunkte in den Bereichen
„Innovation und F&E“ (38 Prozent), „Wett bewerbsfolgen“ (20 Prozent), „Infra struktur“ (26 Prozent) und „Umwelt/CO2“ (16 Prozent) setzen möchte.

 

Diese Schwerpunkte seien bis zum Jahresende durch Förderprogramme zu operationalisieren.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass andere Bundesländer Vorteile hätten: Allein in Baden-Württemberg flössen Mittel in Höhe von 55 Millionen Euro in die Fachhochschulen
des Landes, in Schleswig-Holstein seien es dagegen nur drei Millionen, gemessen an der Bevölkerung also fast das Fünffache. Schleswig-Holstein müsse daher seine Kräfte bündeln und sich entsprechend positionieren. Das interessante Feld der Batterieforschung, das international enormes Aufholpotential biete, sei mittlerweile zugunsten von Ulm (Helmholtz), Münster (MEET), TU München, TU Dresden und Karlsruhe (KIT) verteilt, ergänzt durch die Fraunhofer-Allianz an 19 Standorten, wovon in Schleswig-Holstein nur das Institut für Siliziumtechnik profitiere.


Als Schlüsseltechnologie für Schleswig-Holstein könnte sich die Leistungselektronik gut eignen. Auf dieses Feld solle man sich konzentrieren, waren sich die etwa 20 Teilnehmer der Veranstaltung einig. Um bei der Einwerbung von Bundesmitteln die Rote Laterne abzugeben, sei zudem ein schlankeres Verfahren bei der Umsetzung von Projektideen wünschenswert, so Dr. Frank Osterwald, F& E-Leiter für die Danfoss Silicon Power GmbH. „Bayern macht es uns vor“, so Dr. Thomas Ebel, Geschäftsführer des gastgebenden Kondensatorherstellers, der mit seinen Produkte derzeit in vielen Nischen stark wachse. Das Problem machte Schulz deutlich: „Vieles passt einfach nicht in die bisherigen Schemata.“ Seine Empfehlung: „Sprechen Sie direkt das Wirtschaftsministerium an, lassen Sie es die fördertechnische Umsetzung übernehmen.“

Innovationsberater Johannes Dormann von der WTSH merkte dazu an, dass kleine Unternehmen oft aus Kostengründen nicht selbst entwickeln könnten, um in ihrem Bereich weiterzukommen. Schon kleine Förderungen könnten daher für einen enormen Anschub sorgen.

Fazit: „Wir, die mittelständische Betriebe, müssen lauter rufen!“, so Osterwald. Grundmann kündigte an, dass die Förderanreize im Rahmen der Landesfachkommission Energiewirtschaft des Wirtschaftsrates weiter bearbeitet werden und dankte der Fischer & Tausche Capacitros
Group für die großartige Gastfreundschaft und eine beindruckende Unternehmensführung.