14. Juli 2015
Podiumsdiskussion der Sektion Neumünster im "Alten Stahlwerk"
Das elektronische Geld wird flüchtig
Die Märkte für den privaten Zahlungsverkehr werden neu verteilt. Während klassische Banken ihre Privatkunden vom geschriebenen Überweisungsträger zum elektronischen Zahlungsverkehr drängen, greifen globale Konzerne wie Apple Pay, die Ebay-Tochter Paypal, Walmart, Amazon und Google mit Macht nach dem Markt der Bezahlfunktionen. Einen Schritt weiter geht Facebook, das eine eigenständige Währung für Tauschwaren in der Facebook-Welt an bietet, noch weiter die Bitcoin-Technologie, die als nichtstaatliche Währung die Funktionen der Geschäfts- und Zentralbanken ersetzen will.
Das Podium (v.l.) Stefan Tute; Klaus Treimer; Moderator und Sektionssprecher Holger Bajorat; Dr. Regmigiusz Smolinksi und Markus Roch / Foto: Wirtschaftsrat

Unter diesen Vorzeichen hatte Sektionssprecher Holger Bajorat vier Vertreter aus der Geldwirtschaft am 14. Juli 2015 zu einer Podiumsdiskussion nach Neumünster eingeladen. Dort wurde schnell klar, daß unabhängig davon, welche Systeme sich durchsetzen werden, nicht nur der Zahlungsverkehr, sondern auch andere Marktfelder der Banken erodieren werden, und zwar sehr rasch. Die deutschen Banken haben sich deshalb in Kooperation ihrer drei Säulen der privaten, öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Banken auf das Online-Bezahlverfahren paydirekt verständigt, das Ende diesen Jahres online gehen soll. Man erhofft sich nach den großen Internet-Händlern eine schnelle Annahme der Bezahlfunktion durch viele kleinere Händlergruppen.

 

Klaus Treimer und Stefan Tute, die beide für ein ausgebildetes Netz von Regionalbanken in Schleswig-Holstein sprechen, sehen damit erhebliche Strukturveränderungen einhergehen, die die regionalen Marktführer im nächsten Jahrzehnt beschäftigen werden.

 

Dr. Remigiusz Smolisnki spürt die Auswirkungen der Digitalis ierung von Bankgeschäften sehr deutlich, als reinrassigem Online-Institut komme seiner Bank die Entwicklung allerdings entgegen.

 

Unternehm er Markus Roch aus Lübeck hatte zuvor einführend die radikalen Änderungen im Geldmarkt weltweit in großen Linien skizziert. So entstünden wöche ntlich neue Geldsysteme,
beispielsweise würden die Menschen in Afrika eine Smartphone-Technologie nutzen, die sofortige Überweisungen an Verwandte oder Bekannte ermöglicht. Der Vormarsch der Bitcoin-Währung habe durch die schwelenden Finanzkrisen immer wieder neue Wachstumsschübe erhalten. Der deutsche Geldma rkt sei aber durch Regulierungen de rart abgeschottet, daß Innovationen den deutschen Markt nur wenig tangieren würden. Damit lasse sich die globale Revolution digitaler Zahlungsverkehre jedoch nicht aufhalten. Vielmehr isoliere man sich von neuen Wertschöpfungskreisläufen und verliere zudem die Fähigkeit, die Innovationen mit zugestalten.

 

Auf der anderen Seite arbeite im Silicon Valley eine junge Generation, die keine Rücksicht auf den Erhalt alter Ordnungen nehmen möchte. In der anschließenden Diskussion ging es um die neue Generation, die zunehmend digital operiere und keine Ängste vor der Nutzung ihrer Daten zeigen würden. Das Bewußtsein werde aber steigen und die konkurrierenden Angebote im Netz für entsprechende Differenzierungen sorgen, wurde vermutet.

 

Im Hinblick auf das Online-Bezahlverfahren der deutschen Banken wurde bemängelt, daß mobile Bezahlfunktionen erst in einer späteren Phase folgen sollen. Sektionssprecher Holger Bajorat beschloß die hochgradig interessante Diskussion über die Zukunft unserer Geldmärkte dann auch mit eher gemischten Gefühlen. Paydirect sei zum Erfolg verdammt. Einen zweiten Schuß werden die deutschen Banken im globalen Wettbewerb wohl nicht haben. BZ

Kontakt
Dr. Bertram Zitscher
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Schleswig-Holstein
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