14. Oktober 2015
Neue Entwicklungen im Sicherheits- und Gesundheitsmanagement
Neue Entwicklungen und Fortschritte im Sicherheits-und Gesundheitsmanagement werden aufgrund des demografischen Wandels immer wichtiger. Die Hochschule Furtwangen hat sich mit der Fakultät Gesundheit, Sicherheit und Gesellschaft genau darauf spezialisiert. Neben den Vorträgen der Professoren Prof. Dr. Stephan Lambotte, Prof. Dr. Birgit Reime und Prof. Dr. Kirsten Steinhausen, gab es Einblicke in die Räumlichkeiten und Labore der Hochschule Furtwangen.
Sektionssprecher Wolfgang Beyer und Studierende der HFU. (Foto:WR)

Gesundheit ist ein komplexer Begriff, der unter anderem Faktoren wie Lebensqualität und Wohlbefinden einschließt. Diese zu fördern beziehungsweise zu erhalten, gewinnt gerade mit zunehmendem Alter an Bedeutung. Gesellschaftliche Veränderungen wie der demographische Wandel, zunehmende psychische Belastungen speziell am Arbeitsplatz und ein stetiger Anstieg chronischer Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit stellen neue Herausforderungen für das Gesundheitswesen dar. Dem gegenüber stehen der medizinische und technische Fortschritt und ein wachsendes öffentliches Interesse an Prävention und Gesundheitsförderung, was die Ausbildung von interdisziplinären Experten unabdingbar macht.

 

Sektionssprecher Wolfgang Beyer und Prof. Dr. Rolf Schofer, Rektor der Hochschule Furtwangen, eröffneten die Veranstaltung mit einer Begrüßung. Beyer hob die große Bedeutung des Sicherheits- und Gesundheitsmanagements hervor, vor allem aufgrund des ansteigenden Alters der Arbeitnehmer. Schofer ergänzte, dass die HFU optimal für diesen Bereich wäre, da es sich um ein ehemaliges Krankenhaus handele. 

Dekan Prof. Stephan Lambotte. (Foto:WR)

Der erste Referent, Prof. Dr. Stephan Lambotte, gab den Mitgliedern des Wirtschaftsrates einen Einblick in die Thesis eines Studenten: Effizienz von Sprinkleranlagen in Pflegeheimen. Er fordert mehr Sicherheit in Pflegeheimen und Behindertenwerkstätten und kritisierte, dass dies nicht gesetzlich vorgeschrieben sei. Problem bei der Installation von Sprinkleranlagen sind vor allem die enormen Kosten. Als Alternative führte er Rauchmelder-Systeme an, welche einen automatischen Telefonanruf, beispielsweise an die Feuerwehr einleiten. Zum einen würden die Kosten geringer ausfallen und die Chance dadurch Leben von Pflegebedürftigen zu retten sei um einiges höher im Vergleich zu einfachen Rauchmeldern, ergänzte Lambotte.

 

Im Anschluss an Lambotte, berichtete Prof. Dr. Birgit Reime über die Fahreignung und Fahrtüchtigkeit von älteren Menschen. Vor allem bei älteren Menschen ist die Frage berechtigt, ob sie überhaupt noch fahrtauglich sind. Aufgrund des zunehmenden Altersdurchschnitts in der Gesellschaft könnte dies zu Problemen führen. Momentan geschehen 13% aller Unfälle aufgrund des Alters, dies könnte in den nächsten 10 – 15 Jahren auf 29 % ansteigen, behauptete Reime. Anforderungen der Fahrtauglichkeit sind beispielsweise Motorik, Kognition, Koordination und Flexibilität, alles Faktoren die mit zunehmendem Alter abnehmen. Ist es also mit diesem Wissen gerechtfertigt den Führerschein in Deutschland lebenslang auszustellen? In den meisten EU–Ländern gibt es immerhin ab einem Alter von 70 Jahren Untersuchungen in einem Abstand von zwei bis drei Jahren. Reime beendete Ihren Vortrag mit der Forderung, weitere psychologische Tests zu entwickeln, welche auch auf das zutreffende Alter abgestimmt sind. 

Mitglieder des Wirtschaftsrates im Arbeitssicherheitslabor. (Foto:WR)

Des Weiteren stellte eine Gruppe von drei Studentinnen ihr aktuelles Projekt vor: Suizidprävention für Kinder und Jugendliche. Aufgrund der hohen Selbstmordraten bei Jugendlichen (500 – 600 pro Jahr), kam den Studentinnen die Idee dieses Problem anzugehen. Mit der Gründung ihres Vereins „Bis Morgen e.V.“ wollen Sie nun Kindern und Jugendlichen helfen wieder zurück in ein glückliches Leben zu finden.

 

Beendet wurde die Vortragsreihe von Prof. Dr. Kirsten Steinhausen mit einem Beitrag über betriebliches Gesundheitsmanagement. Sie betonte, dass es das oberste Ziel sei für eine gesunde Arbeit in gesunden Organisationen zu sorgen. Denn ein gesunder Arbeiternehmer arbeitet produktiver und ist seltener krankgeschrieben. Häufige Erkrankungen sind beispielsweise Rückenschmerzen oder Depressionen bis hin zu einem „Burn-out“. Steinhausen kritisierte, dass die Arbeitssicherheit gesetzlich verankert ist, aber beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement so gut wie keine Regelungen vorhanden seien. Vor allem in kleineren und mittleren Betrieben sei das Betriebliche Gesundheitsmanagement so gut wie gar nicht etabliert. Ein Grund könnte der hohe Aufwand sein, dies im Betrieb durchzuführen, und das mit knappen Ressourcen, ergänzte Steinhausen. „Betriebliches Gesundheitsmanagement lohnt sich, da eine gesunde Organisation zu gesunden Mitarbeitern und damit zu einem erfolgreichen Unternehmen führt“, beendete Steinhausen Ihren Vortrag.

 

Im Anschluss an die Vorträge bestand die Möglichkeit, sich die Räumlichkeiten der HFU genauer anzusehen. Zum einen wurden Messgeräte vorgestellt und erklärt. Des Weiteren führte Lambotte ein kurzes Experiment durch und erzeugte eine Mehlexplosion. Nach der Besichtigung des „LivingLabs“, eine Musterwohnung für Pflegebedürftige Menschen, endete die Veranstaltung mit einem lockeren Austausch bei Getränken und Essen. Beyer beendete die Veranstaltung und dankte der Hochschule Furtwangen für die sehr interessanten Einblicke und Vorträge.