09. März 2017
Energieversorgung im Kontext der Energiewende
Abendveranstaltung mit André Hentschel, Geschäftsführer der Zwickauer Energieversorgung (ZEV) GmbH
An diesem Abend hatten Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrates die Möglichkeit, beim viertgrößten sächsischen Stadtwerk in Erfahrung zu bringen, wie der Strom in die Steckdose kommt - und was dies insbesondere in den letzten Jahren immer teurer macht.
Michael Stoye, Vorstandsmitglied der Sektion Zwickau (Foto: Wirtschaftsrat)

Nach der Begrüßung durch Sektionsvorstand Michael Stoye führte André Hentschel, technischer Geschäftsführer der Zwickauer Energieversorgung, die Interessierten durch den Abend.


Die Zwickauer Energieversorgung GmbH mit rd. 200 Mitarbeitern ist mehrheitlich im Besitz der Stadt und mit einer Bilanzsumme von rd. 120 Mio. € das viertgrößte Stadtwerk Sachsens. Die Kernaufgaben der ZEV sind Betrieb, Bau, Finanzierung, Planung von Anlagen und Einrichtungen zur Versorgung der Stadt Zwickau mit Strom, Erdgas und Wärme. Daneben werden für weitere kleinere Stadtwerke Serviceleistungen übernommen. Neben umfangreichem Einblick in die Netzstrukturdaten von Strom, Gas und Wärme, erläuterte André Hentschel auch die Erzeugungsstruktur bzgl. der selbst betriebenen Heizkraftwerke.

 

Mit Hinweis auf den durch die Katastrophe in Fokushima in 2011 induzierten „Kernenergieausstieg“ sowie die seitherigen bundesdeutschen Bestrebungen zur Dekarbonisierung der Energieversorgung stellte Hentschel die Bedeutung der Energiewende sowie das bisher erreichte dar. Von der aktuell gegebenen Erzeugungsstruktur mit den Volatilitätsrisiken bezüglich regenerativer Stromerzeuger (Im Netzgebiet der ZEV sind 262 EEG-Erzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung von 26,8 MW angeschlossen, die 2015 rd. 64,3 Gwh umweltfreundlichen Strom einspeisten.) über den nachhinkenden Netzausbau hin zu sich bereits abzeichnenden weiteren Themenstellungen, wenn die e-Mobilität flächendeckende Akzeptanz findet und zum Beispiel in Wohnblöcken zahlreiche PKW-Ladestationen benötigt werden, die Netzverstärkungen im Verteilnetz erforderlich machen werden.


All das macht sich in den Verbraucherpreisen bemerkbar. Hentschel erläuterte an einem Beispielkunden, dass Netzentgelt sowie der eigentliche Strom momentan rund 50% des Preises ausmachen. Die Hälfte des vom Verbraucher zu zahlenden Preises entfallen auf Mehrwertsteuer, EEG-Umlage sowie Stromsteuer, KWK-Umlage und weitere Umlagen, die den meisten Verbrauchern nicht einmal namentlich bekannt sind. Allein die allseits bekannte EEG-Umlage hat sich von 2,05 Cent/kWh in 2010 bis 2017 auf 6,88 Cent/kWh mehr als verdreifacht. Machten Umlagen und Steuern 2010 noch rund 37% des Verbraucherpreises aus, so sind es 2015 bereits 48% (!) gewesen, Tendenz weiter steigend!


Auch die kostenträchtige Digitalisierung des Messwesens sowie die damit einhergehenden Herausforderungen nebst den Fragen der kostenträchtigen Ladeinfrastruktur der e-mobility wurden erörtert, bevor der Abend beim anschließenden Imbiss in bilateralen Gesprächen beendet wurde.


„Die Stromversorgung scheint trotz immer volatilerer Produktion aus Wind und Sonne auch künftig sicher“, so Ulrich Vellguth, Sprecher der Sektion Zwickau, resümierend, „jedoch ist dringend eine Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Mechanismen erforderlich, es darf künftig nicht mehr sein, dass stillstehende EEG-Anlagen den Verbraucher Geld kosten.“ 

André Hentschel, Geschäftsführer der Zwickauer Energieversorgung (ZEV) GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)