12. September 2017
Medienkompetenz im Unterricht
Theoretische und praktische Aspekte zum Erwerb digitaler Kompetenz in der Schule sowie Podiumsdiskussion mit Martin Arndt, Staatsministerium für Kultus und Dorit Seichter, Käthe-Kollwitz-Gymnasium Zwickau, moderiert durch den Vorsitzenden unserer Landesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft, Marcus Putschli
Das Wort „Digitalisierung“ ist derzeit in aller Munde und wird auch rege zu Diskussionsrunden im Vorfeld der Bundestagswahl von vielen Parteien aufgegriffen. Die Spannweite reicht von der Forderung nach einem flächendeckenden Breitbandausbau, über Datenschutz, Telemedizin, elektronische Gesundheitskarte bis hin zum autonomen Fahren. Nach Auffassung des Wirtschaftsrates Sachsen muss die Diskussion aber bereits bei der diesbezüglichen Bildung, insbesondere in der Schule beginnen. Hierbei gilt, sich digitale Kompetenzen frühzeitig anzueignen, gewissenhaft mit digitalen Medien umzugehen und Begeisterung für die Entwicklung digitaler Anwendungen zu entwickeln. Der „Treff im Klassenzimmer“ spürte diesen Themenkomplexen nach.
v.l.n.r.: Dorit Seichter, Fachleiterin für Gesellschaftswissenschaften am KKG Zwickau; Marcus Putschli, Vorsitzender LFK Internet und Digitale Wirtschaft; Martin Arndt, Referent im Sächsischen Staatsministerium für Kultus (Foto: Wirtschaftsrat)

Ausgehend von der Meta-Ebene machte Martin Arndt (selbst Lehrer) vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus deutlich, dass die heutige digitale Lebenswelt auch immer mit Medienbildung zu tun hat. Es geht, im Einklang mit der EU, um den Erwerb digitaler Kompetenzen. Der europäische Referenzrahmen für Digitalkompetenz führt hier insgesamt 21 Schlüsselkompetenzen für alle Bürger auf. Festzustellen ist jedoch, dass 40 Prozent aller Europäer über unzureichende digitale Kompetenzen verfügen. Entsprechend hat die Kultusministerkonferenz eine Strategie zur „Bildung in der digitalen Welt“ veröffentlicht, worin aufgeführt wird, was und wie gelernt werden solle und welche Ausstattung es dafür bedarf. Darauf aufbauend hat das SMK einen Konzeptentwurf für „Medienbildung und Digitalisierung in der Schule“ (darin: „Medienbildung als Bildungsziel“, „Digitalisierung als fachübergreifender Inhalt und als Transformationsprozess) vorgelegt, der seit Februar noch auf Veröffentlichung wartet. Hieran ist zu erkennen, dass die unternehmerische Praxis und der Sächsische Behördenapparat unterschiedlichen Geschwindigkeiten folgen, die es, will man marktfähig auf die neuen Herausforderungen des Digitalzeitalters reagieren, entsprechend anzugleichen gilt. Laut SMK ist im Unterricht eine ganzheitliche Betrachtung geboten, die fachübergreifend das Baukastensystem „Digitalkompetenz“ vervollständigt. Hierfür sind vor allem die informatische Bildung sowie die Usability bereits bestehender Lernplattformen, wie z.B. Sachsens MeSax und LernSax zu verbessern.

 

Dorit Seichter, Fachleiterin für Gesellschaftswissenschaften sowie Lehrerin für Deutsch und Geschichte am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Zwickau, stellte den theoretischen Betrachtungen von Martin Arndt ein Praxisbeispiel entgegen, welches den Teilnehmern eindrucksvoll vermittelte, wie der Erwerb von digitalen Fähigkeiten sogar mit einem gewissen Spaßfaktor bei den Schülern gelingen kann. Zwölf Schüler des Leistungskurses Geschichte der Klassenstufe 11 haben sich außerschulisch intensiv mit der „friedlichen Revolution“, den damit verbundenen Zeitzeugen sowie Schauplätzen in Zwickau auseinander gesetzt und gemeinsam mit Partnern eine App, namens „TABTOUR“ (Wortkreation aus Tablet und Tour) entwickelt. Hierbei war einiges, wie der Zeitablauf, das Layout, sowie die beteiligten Personen zu koordinieren. Spielerisch lernten die Schüler, dass man Quellen belegen muss (Grundlage für späteres wissenschaftliches Arbeiten), wie man mit Partnern für kleine Filmsequenzen, für Audiospuren und für das spätere Programmieren der App zusammen arbeiten muss – kurzum: unternehmerische Teamarbeit, will man das Projekt erfolgreich beenden. Die Lernziele „wissenschaftliches Arbeiten“, „Eigenständigkeit“, „Abwägen und Entwickeln von Wertvorstellungen“ sowie die Speicherung von Wissen durch Knüpfung an Orte, Personen oder durch Überwindung von Problemen konnten allesamt mit der TABTOUR erreicht werden. Die Teilnehmer an der Veranstaltung kamen letztlich sogar in den Genuss, die TABTOUR kurz auszuprobieren sowie einige der insgesamt 12 Vorwende-Stationen Zwickaus näher kennen zu lernen.

 

Der Wirtschaftsrat dankt allen Beteiligten für den regen anschließenden Meinungsaustausch, sowie dem Schulleiter, Ralf Ballmann, für seine Gastfreundschaft.