22. November 2017
Fehler der Energiewende dürfen sich nicht im Verkehrssektor wiederholen
Eine in diesen Tagen immer wieder vorgetragene Forderung lautet, aus dem Verbrennungsmotor auszusteigen. Im Umfeld der Sondierungsgespräche zur Bildung einer schwarz-gelb-grünen Bundesregierung hatte der Wirtschaftsrat sehr eindringlich davor gewarnt, die Fehler einer überhasteten Energiewende zu Lasten von Wirtschaft und Verbrauchern nun im Verkehrssektor zu wiederholen. Denn am Ende muss das Gesamtsystem funktionieren und müssen Fragen nach Praktikabilität wie Kosten beantwortet sein.

Bei der Debatte um das Verbot von Verbrennungsmotoren, um Fahrverbote oder neue Plaketten zur Verringerung von Emissionen muss ein nüchterner Blick auf die Faktenlage geworfen werden. Denn zur Wahrheit gehört, dass wer heute beklagt, dass Grenzwerte verfehlt werden, gern verschweigt, wie aus politischer Opportunität eben diese Grenzwerte immer wieder nach unten korrigiert wurden, ohne auf Relationen zu achten. In Bürogebäuden etwa ist heute 24 Mal mehr Stickstoffoxid erlaubt als entlang von Straßen. Um Übrigen entsteht Feinstaub im Verkehr auch durch Reifenabrieb – und der wird bekanntlich auch von Elektroautos erzeugt. 

 

Richten wir unseren Blick daher zunächst in Richtung innerstädtische Vielfahrer, auf überalterte Taxen und Busse. Setzen wir auf adaptive Verkehrssteuerung und innovative Verkehrsleitsysteme. Bereits mit einem verbesserten Verkehrsmanagement lassen sich kurzfristig beachtliche Einsparvolumina erzielen. So kann eine intelligente Verkehrssteuerung allein die NOX-Emissionen um bis zu 33 Prozent reduzieren. Ja, und auch Nachrüstungen gehören auf die Tagesordnung, und zwar zu Lasten Derjenigen, die fehlerhafte Produkte in den Umlauf gebracht haben!

 

Natürlich kann man, weil dies Entschlossenheit und Handlungsstärke demonstriert, Fahrverbote aussprechen oder Verbrennungsmotoren verbieten. Doch was steht als Alternative zur Verfügung? Derartige Forderungen sind mehr als kurzsichtig!

 

Wie sollen die Menschen ihren Arbeitsplatz erreichen? Die Pendlerzahlen steigen unaufhörlich. Nicht jeder kann sich die Mieten in den Ballungszentren leisten. Allein im vergangenen Jahr pendelten bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer zu ihrem Job in eine andere Gemeinde. Wäre der ÖPNV in der Lage, adäquate Angebote zu liefern, wären die Menschen längst auf die Schiene umgestiegen. Selbst im Güterverkehr propagierten wir seit einem viertel Jahrhundert den Umstieg auf die Schiene – mit null Erfolg.

 

Wie soll zudem Logistik überhaupt organisiert werden? In der politischen Debatte wird immer wieder verdrängt, dass bei allen Verboten ja nicht nur der Pkw-, sondern auch der Straßengüterverkehr betroffen wäre. Wie kommt das Joghurt in den Supermarkt, die im Internet georderte Bestellung nach Hause oder das Baumaterial auf die Baustelle? Per Lastenfahrrad?

 

Deshalb: Achten wir auf die volkswirtschaftlichen Folgen unseres Handelns. Die Energiewende zeigt uns tagtäglich, welche Folgen Wirtschaft und Verbrauchern zu schultern haben, wenn politische Entscheidungen überhastet getroffen werden.