14. Januar 2020
Volkswirtschaftlicher Ausblick der Sektion Baden-Baden/Rastatt
"Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem."
In volatilen Zeiten braucht es Flexibilität statt starrer Strukturen, so die Erkenntnis aus dem „Volkswirtschaftlichen Ausblick“ der Sektion Baden-Baden/Rastatt. Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter des LBBW Research, beeindruckte die Unternehmerinnen und Unternehmer mit seiner präzisen Analyse.
v.l.n.r.: Uwe Burkert (LBBW), Albert Reiss (ARKU Maschinenbau GmbH), Konrad Walter (Sektionssprecher Baden-Baden/Rastatt), Dr. Alexander Becker MdL (Foto: WR)

Konrad Walter, Sektionssprecher in Baden-Baden/Rastatt, machte den Anspruch der schon traditionellen Veranstaltung deutlich: Der jährlich stattfindende Volkswirtschaftliche Ausblick solle Orientierung in bewegten Zeiten bieten. Auch wenn die beherrschenden Themen sich seit Jahren ähneln würden - mit einigen neuen Ausprägungen wie der aktuellen Klimaschutzdebatte - so brauche es eine professionelle und objektive Analyse, um Lösungsansätze entwickeln zu können, bekräftigte Walter.

Albert Reiss, geschäftsführender Gesellschafter der ARKU Maschinenbau GmbH und Gastgeber des Abends, stellte den Markt- und Innovationsführer bei Richtmaschinen vor. Mit über 1 Million Beschäftigten sei der Maschinenbau die beschäftigungsstärkste Branche. Im speziellen Segment der Werkzeugmaschinen sei die Mehrheit der Unternehmen im Familienbesitz, so Reiss. Der Geschäftsführer verdeutlichte anhand der 92-jährigen Firmengeschichte, dass die Krisen der vergangenen Jahrzehnte und die daraus hervorgegangenen unternehmensinternen Veränderungsprozesse den Maschinenbauer letztlich gestärkt haben: ARKU zeichne sich durch eine besondere Anpassungsfähigkeit in Krisenzeiten aus, und sei durch Zukäufe flexibel aufgestellt. Von der aktuellen Krise in der Automobilindustrie seien Werkzeugmaschinenbauer als Zulieferer besonders betroffen, führte Reiss aus.

„In der Wirtschaft gibt es nicht den graden Weg“, bestätigte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, die Konjunkturschwankungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Die aktuelle Schwäche sei jedoch nicht nur konjunkturell, sondern vor allem auch strukturell wahrnehmbar. „Es ging uns zu gut: Trotz der starken letzten Jahre und dem fiskalischen Rückenwind wurde deutschlandweit zu wenig investiert“, so Burkert. Vor allem in Zukunftsfeldern (Forschung und Entwicklung) sowie im Bildungsbereich sei der Investitionsstau massiv - und das in Zeiten, in denen Wissenskapital als unternehmerisches Anlagevermögen in modernen Volkswirtschaften zunehmend an Bedeutung gewinne, führte der Chefvolkswirt aus. „Im internationalen Kontext ist das Wissenskapital der deutschen Unternehmen veraltet.“Zudem habe sich seit der Wirtschaftskrise 2008 der Anteil der Automobilindustrie an der Bruttowertschöpfung stark erhöht - und damit auch die Abhängigkeit von dieser Branche. Auch die Bedrohung aus China verstärke sich; Chinas Digitalisierungsstrategie setze Europa unter Druck. Der „Made in China 2025“-Plan der Volksrepublik, mit dem ausländische Anbieter im verarbeitenden Gewerbe verdrängt werden und die automatisierte Produktion dominieren soll, müsse ein Weckruf für Deutschland sein, forderte Burkert. Sowohl in China, als auch in den USA steige die Innovationskraft im Bereich Industrie 4.0: Patentanmeldungen nähmen die Robotik, Industriekommunikation und Sensoren in den Fokus, warnte er. 
Uwe Burkerts spezifische Ausführungen schlossen auch die Themen Demografie, Fachkräftemangel, Megatrends und den Umbau im Energiesektor ein. Vor allem das ABC-Problem („Autos, Brexit, China“) werde jedoch den Markt langfristig beschäftigen, so der Chefvolkswirt.