16. Mai 2012
„Energiewende - Eine Operation am offenen Herzen“
Dr. Christopher W. Grünewald (BDI) über Chancen und Risiken der Energiewende
Am 8. Juli 2011 hat der Deutsche Bundestag die Energiewende beschlossen. Welche Entwicklungen lassen sich seitdem beobachten? Dr. Christopher W. Grünewald, Vorsitzender des Ausschusses für Energie- und Klimapolitik des BDI Bundesverbandes der deutschen Industrie e.V. sowie Geschäftsführender Gesellschafter der Gebr. Grünewald GmbH & Co. KG, berichtete Mitgliedern und Gästen der Sektion Olpe über den aktuellen Stand.

v.l.n.r.: Dr. Christopher W. Grünewald; Werner Schmidt (Foto: Wirtschaftsrat)

„Das Gelingen der Energiewende ist für Deutschland von großer Bedeutung“, betonte Dr. Christopher W. Grünewald. Als das mit Abstand bedeutendste Industrieland in Europa - vor Italien, Großbritannien und Frankreich - sei die Bundesrepublik auch in Zukunft in besonderen Maße auf eine sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen.

 

Obwohl die Bundesregierung im Sommer 2011 einen fundamentalen Eingriff in die Energieinfrastruktur Deutschlands unternommen habe, seien viele Fragen und Zielsetzungen zur Umsetzung der Energiewende immer noch ungeklärt oder widersprüchlich. „Die Energiewende stellt eine Operation am offenen Herzen der deutschen Volkswirtschaft dar“, kritisierte Gründewald. Zudem zeigte er sich besorgt darüber, dass der dringend benötigte Ausbau der  Stromnetze und Speichermöglichkeiten nur schleppend vorangehe. Strom könne lediglich für die Dauer von 39 Minuten gespeichert werden und in den letzten fünf Jahren seien nur 90 der 3500 Kilometer benötigter Übertragungsnetze gebaut worden. 

 

Der Maßstab für die weitere Ausgestaltung der Energiewende müsse das bewährte energiepolitische Zieldreieck "Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit" sein, forderte der Vorsitzende des Ausschusses für Energie- und Klimapolitik des BDI. Dann sehe er gute Chancen, dass die Unternehmen am Industriestandort Deutschland die Energiewende nicht nur überstehen, sondern zum einen selbst einen wichtigen Beitrag zu ihrem Gelingen und zum anderen mit innovativen, effizienten und ressourcenschonenden Produkten, die globalen Märkte erschließen könnten.

 

Werner Schmidt, Sprecher der Sektion Olpe, erinnerte daran, dass Deutschland, und insbesondere Nordrhein-Westfalen als Industrieland Nr. 1, seiner Industrie zu verdanken haben, so gut aus der Krise gekommen zu sein. „Die Industrie ist der entscheidende Faktor für unseren Wohlstand“, sagte Grünewald abschließend.