22. Februar 2021
Aus den Ländern (Berlin-Brandenburg): Wasserstoff kann der Gamechanger sein
Videokonferenz mit Dr. Stefan Kaufmann MdB, Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und Dr. Gerrit Fester, Geschäftsführer E u. G – Energiebau GmbH Berlin
Dr. Stefan Kaufmann MdB © Wirtschaftsrat / Jeremy Herendy

Dr. Stefan Kaufmann hob in seinem Impulsvortrag zunächst die Bedeutung von Wasserstoff als Speicher- und Transportmittel bei der Energiewende hervor. Wasserstoff könne hierbei der „Gamechanger“ sein, so Kaufmann. Bereits in 35 Staaten gebe es eine Wasserstoffstrategie, bei vielen dieser Länder mit dem Ziel, den Wasserstoff zu exportieren. In Deutschland gibt es sowohl eine nationale als auch eine europäische Wasserstoffstrategie. Dafür stehen neun Milliarden Euro zur Verfügung, sieben Milliarden für Nationales, zwei Milliarden für europäische Projekte. Auf europäischer Ebene ginge es vor allem um einen Fonds zum Preisausgleich zwischen grünem und grauem Wasserstoff sowie um eine europäische Roadmap, die den Transport in der gesamten EU sicherstellt.


Der Abgeordnete gab einen Einblick in die Aufteilung und Nutzung dieser Förderung. Das Geld werde auf verschiedene anhand des Ressortprinzips aufgeteilt. Dabei stehen je 1,6 Milliarden Euro dem Verkehrsministerium für den Aufbau der benötigten Infrastruktur sowie dem Umweltministerium für die Unterstützung bei der Dekarbonisierung bereit. Desweiteren seien die Ministerien für Finanzen und Wirtschaft bei vielen Projekten wie der Förderung der Wasserelektrolyse oder einer Off-Shore-Erzeugung von Wasserstoff federführend. Zusätzlich sei ein monatlich tagender Wasserstoffrat mit Experten und Vertretern aus verschiedensten Branchen gebildet worden.


In Bezug auf die Region Berlin-Brandenburg merkte Kaufmann an, dass Brandenburg aufgrund besserer Versorgungsnetze gegenüber den westlichen Bundesländern gute Voraussetzungen biete. Diese Chance sollte genutzt werden, appellierte er. Dr. Gerrit Fester übernahm, stellte zunächst sein Unternehmen vor und griff den Aspekt der Fernwärmerohre auf. Aufgrund der Klimaschutzziele sei eine Verdopplung der Fernwärmenetze auf 45.000 km Trasse bis 2030 notwendig, bis 2050 müssten sogar 65.000 km Trasse erreicht werden. Dabei mahnte er, dass dieses Ziel aufgrund langer Genehmigungsprozesse in Gefahr gerate, insbesondere, da auch das bereits bestehende Fernwärmenetz an vielen Orten überaltert sei, was eine zusätzliche Gefahr darstelle.

 

Der Unternehmensstandort Berlin-Brandenburg sei vor allem für mittelständische Unternehmen sehr interessant, denn es gebe ein bereits ausgebautes Netz und viele Arbeitskräfte seien verfügbar. Ebenso sieht Fester ein großes Potential in der Region für erneuerbare Energien. Derzeit jedoch fehlten noch strategische Partner und Fördergelder kämen nicht immer an, kritisierte Fester. Mit Blick auf den europaweiten Höchstpreis für Energie in Deutschland mahnte er zudem, eine Wasserstoffstrategie dürfe nicht zu weiteren Preissteigerungen führen. Hier sei eine europäische Strategie langfristig zu befürworten. Dennoch sei die aktuelle Entwicklung positiv. In der Region seien schon zahlreiche Projekte zum grünen Wasserstoff gestartet.