07. Oktober 2014
Die Zukunft der Printmedien in der digitalisierten Welt
Hendrik Brandt, Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, zu Gast beim Wirtschaftsrat
Der Medienbereich ist derzeit die Branche mit der dynamischen und schnelllebigen Veränderungen und stellt traditionelle Geschäftsmodelle vor immer neue Herausforderungen. Wie eine regionale Zeitung, wie die Hannoversche Allgemeine, auf diese Umbrüche in der Medienbranche reagiert und wie sie sich der Madsackverlag, als Herausgeber, zukunftssicher aufstellen möchte, verriet Hendrik Brandt interessierten Mitgliedern und ausgewählten Gästen der Sektion Hannover des Wirtschaftsrates Niedersachsen.
v.l.n.r. Uwe Fendler, Sprecher der Sektion Hannover, Hendrik Brandt, Chefredakteur der HAZ, Dr. Klaus-F. Geiseler (Foto: Wirtschaftsrat)

Der gesamte Zeitungsmarkt sieht sich starken Veränderungen gegenüber. Einerseits wird er mit einer dramatischen Krise der Printauflage konfrontiert, die Zahl der verkauften Printexemplare sinkt beständig. Gleichzeitig verschärfen sinkende Werbeerlöse im Printbereich das Problem. Als Folge sank der Umsatz in den letzten Jahren stetig, während die Kosten stiegen. So gibt die HAZ momentan jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag für die Zustellung aus. Die Auswirkungen des Mindestlohns werden diesen Bereich stark treffen und für eine weitere Verstärkung der Krise sorgen.

Der Internetbereich, zum einen mitverantwortlich für die Krise im Printbereich, stellt allerdings auch kein rettendes Geschäftsmodell dar. Die Inhalte wurden lange Zeit kostenfrei zur Verfügung  gestellt, so dass kein funktionierendes Vertriebsmodell etabliert wurde. Zwar steigen hier die Werbeerlöse, im Gegensatz zum Printbereich, aber ein dauerhaft funktionierendes Geschäftsmodell ist auch hier noch nicht vorhanden.

(Foto: Wirtschaftsrat)

Die Lösung dieser Medienkrise sieht die HAZ in einer Anpassung des Geschäftsmodells und einer drastischen Senkung der Kosten. So wurde ein Teil des Personals abgebaut und doppelte Effekte innerhalb des Verlages eingespart, so wurde z.B. die Buchhaltung verlagsintern für alle angeschlossenen Zeitungen zentralisiert so wie die überregionale Berichterstattung an einer zentralen Stelle gebündelt. Dieses Redaktionsnetzwerk Deutschland liefert von Hannover aus die überregionalen Inhalte für alle Zeitungen des Verlages. So erlaubt die Größe des Verlags durch die Zentralisierung des Überregionalen hier Kosten zu senken und so Mittel für eine weiterhin starke regionale Berichterstattung freizusetzen, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung hoher redaktioneller Qualität. Gleichzeitig wird das Geschäftsmodell überarbeitet und an die neuen Herausforderungen angepasst. Das Nutzen vorhandene Potentiale wie z.B. das des vorhandenen Zustellsystems für Briefbeförderung, die Citypost, wird betriebswirtschaftlich an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wird der digitale Bereich der HAZ zunehmend auf kostenpflichtige Angebote umgestellt und die Inhalte an die Vorstellungen der Onlinekunden angepasst.  

Hendrik Brandt ist zuversichtlich, dass der Verlag und vor allem die Hannoversche Allgemeine durch dieses neue Geschäftsmodell die Umbrüche auf dem Markt sicher überstehen wird und weiterhin zuverlässig Qualitätsjournalismus liefern wird.