22. November 2012
Perspektiven der Biogaserzeugung für den Energiemix
Sektion Stormarn besucht die Biogasanlage BBE Blumendorf Bio-Energie GmbH & Co. KG
Während sich die Zahl von Biogasanlagen in Deutschland in den letzten zehn Jahren verdreifacht hat, hat sich die elektrisch installierte Leistung verzehnfacht. Dieser Boom geht jetzt zu Ende und wird eine Konsolidierungsphase nach sich ziehen, in der unwirtschaftliche Betriebe wieder aus dem Markt ausscheiden und die verbleibenden ihre Möglichkeiten für eine bedarfsgerechte Erzeugung und Vermarktung von Strom optimieren sollten.
Martin Buchholz gab Einblicke in sein Unternehmen / Foto: Wirtschaftsrat

Diese Botschaft vermittelte Martin Buchholz als Geschäftsführer der BBE Blumendorf Bio-Energie GmbH & Co. KG, deren Konzept jüngst von der Landesregierung als vorbildlich hervorgehoben worden ist. Buchholz ist zudem Vorstandsvorsitzender der GDGE Genossenschaft Deutscher Grün-Energie Erzeuger eG. Diese Erzeugergenossenschaft vermarktet den Strom von etwa zweihundert Erzeugern direkt an der Strombörse. Die wirtschaftliche Grundlage dafür liefert die EEG-Novelle 2012, die zusätzlich zum Referenzmarktwert eine Marktprämie für entgangene EEG-Erlöse und eine kleine Managementprämie anbietet, die für übernommene Risiken entschädigen soll.

Buchholz machte deutlich, daß der bundesweite Aufbau eines virtuellen Kraftwerks erhebliche Herausforderungen mit sich bringt, um termingerecht für den Regelenergiemarkt erzeugen zu können. Kapazitäten für die Minutenreserve müßten innerhalb von 15 Minuten zu- oder abgeschaltet werden können, was zwei bis dreimal im Monat nachgefragt werde, während die Sekundärregelreserve im Fünfminutentakt verfügbar sein müsse und zwei- bis dreimal am Tag angefordert werde. Um beide Fähigkeiten sicherzustellen, mußte als erstes die Fernsteuerbarkeit der Anlagen hergestellt und die Motorenflexibilität und Speicherfähigkeit bewertet werden.

Für die Zukunft, so Buchholz, sollten die Vorteile der Biogaserzeugung gezielt für die Energiewende nutzbar gemacht werden. Dafür sei in Motoren- und Gasspeicherkapazität zu investieren. Das EEG 2012 sehe dazu eine Flexibilitätsprämie vor. Allerdings dürfe eine Investition in Speicher- und Motorenkapazität nicht die laufende Genehmigung als EEG-Einspeiser verwirken. Diese Möglichkeit wurde kurz nach der Veranstaltung nach entsprechenden Empfehlungen der EEG-Clearingstelle virulent. Ohne eine erfolgreiche Flexibilisierung der Biogasanlagen läuft nicht nur das Prämienmodell des EEG 2012 leer, sondern die Energiewende könnte dann auch nicht auf den erhofften Beitrag an Regelenergie zugreifen, der mit dem Aufwuchs von Wind- und Solarstrom zunehmend wichtiger für eine sichere Stromversorgung wird.