03. April 2014
Afrika im Aufbruch - Chancen für Investoren
Diskussionsveranstaltung der Sektion Taunus / Politische Situation?
Der Boom in China und Indien flaut ab, die politische Situation in Osteuropa wird bedrohlicher – wo gibt es heute gute Chancen für Anleger und Investoren? Der Weg führt nach Afrika. So lautet die Prognose von Chief Investment Officer Dr. Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank. Die Sektion Taunus des Wirtschaftsrats Hessen hatte zum Thema „Afrika im Aufbruch – Chancen für Investoren und Anleger“ in die Villa Rothschild nach Königstein geladen.“ Es ging um Investitionen in Länder südlich der Sahara wie Botswana, Namibia, Kenya oder auch Nigeria.

Der Schweizer Chief Investment Officer über den schwarzen Kontinent: „Seit drei Jahren investieren wir dort. Es gibt neue, noch wenig liquide Kapitalmärkte, Die Länder sind in einer frühen Entwicklungsphase, das Durchschnittsalter ist tief, die Bildung wird immer besser. Eine Mittelschicht entsteht und dadurch Kaufkraft. Die Vernetzung der Menschen durch das Mobilfunknetz nimmt rasant zu.“ Alles Gründe, die für den schwarzen Kontinent sprächen. 

 

China investiere dort viel in die Infrastruktur, und immer mehr große Firmen seien dabei, Afrika als lukrativen Markt zu entdecken. Es ginge nicht allein darum, am Rohstoffreichtum der Länder zu profitieren, sondern am Wachstum der Südsahara-Region teilzunehmen. So werde, laut Stucki, Nestle in den nächsten drei Jahren 1 Milliarden Schweizer Franken investieren, Siemens wolle den Afrika Umsatz von 1 auf 3 Milliarden Euro steigern. Stucki: „Die Märkte entwickeln sich rasch, sind heute noch klein und wenig liquid.“ Nigeria habe ein Tagesvolumen von 20 bis 40 Mio US Dollar, Ghana eine Million Dollar. Zum Vergleich: Nestle hat ein Tagesvolumen von 300 US Dollar. 

 

Die Mitglieder der Sektion Taunus sind skeptisch: Wie seien die politischen Risiken einzuschätzen?

 

Stucki: „Die politische Situation darf nicht außer Acht gelassen werden, aber zum Beispiel liegt Botswana im Korruptionsranking auf einem guten 30. Platz, Italien dagegen auf Platz 69. Und die politische Situation in Osteuropa ist ebenfalls sehr schwierig.“ Für den Schweizer werden die Risiken in Afrika überschätzt, die Chancen noch wenig erkannt.

 

Warum investiere die St. Gallener Kantonalbank mit ihren Fonds nicht in den Tourismus? Stucki: „Wir sind nur im börsennotierten Umfeld dabei. Da gibt es bislang im Tourismusbereich noch nichts.“ 

 

Für Stucki steht fest: „Es geht nicht ohne Risiko, dafür haben die Märkte großes Potential. Man sollte dabei an die Streuung seiner Anlagen denken. Niemand setzt alles auf eine Karte.“ Und er verrät: „Wenn die großen amerikanischen Fonds das Thema entdecken, dann fließt eine riesige Menge Geld. Wenn der Boom kommt, bin ich weg.“