09. April 2014
Alle hätten einen Vorteil…
…durch die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP)
Ein engagiertes Plädoyer für die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) hielten jetzt Experten anlässlich einer Diskussionsveranstaltung der Landesfachkommission Internationaler Kreis im Wirtschaftsrat Hessen. Fazit: Am Ende hätten alle einen Vorteil: Europa, die USA, die Unternehmen und Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks, ja, in aller Welt.
v.l.n.r.: Andreas Koini; Dr. Stefan Söhngen; Carola Theresia Paschola; Frank Sportolari; Bettina Otto; Andreas Povel; Alex Whittington (Foto: Wirtschaftsrat)

Natürlich gebe es Bedenken zu dem derzeit diskutierten Handelsabkommen, besonders werde Transparenz angemahnt. Diese werde aber mit Eifer von den beteiligten Staaten, vor allem von den USA, vorangetrieben. „Der Weg, den wir mit dem Marshall-Plan gemeinsam nach dem 2. Weltkrieg gingen, hat auch damals Skepsis in der amerikanischen Bevölkerung hervorgerufen“, sagte Alex Whittington, Leiter Politisch-Wirtschaftliche Abteilung im US-Generalkonsulat Frankfurt. TTIP könne der Welt, den aufstrebenden Industriestaaten ein Beispiel geben. Seine Meinung zur Globalisierung: „Wir können die Welt ignorieren und gestalten.“ Whittington plädierte für ein Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit.

 
Ins „Eingemachte“, in die Details des zu verhandelnden Abkommens, ging Andreas Povel, Gerneral Manager, American Chamber of Commerce in Germany e.V. Sein Credo: Europa und die USA seien bereits starke Partner mit gleichen Gedanken zur Wirtschaft und Werten wie Demokratie, freier und fairer Handel, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz, dem Recht auf geistiges Eigentum und individuelle Selbstverwirklichung.

 

Anhand von Statistiken erläuterte Povel die Stärken, die Europa und die USA einander stark machten. Die US-Investoren sähen die Stärke des Standorts Deutschland vor allem in:

  • der Qualität der Mitarbeiter
  • den Zuliefernetzwerken
  • der Forschung und Entwicklung
  • der Infrastruktur

 

Die Stärken der USA:

  • Niedrigere Energiekosten
  • Niedrigere Arbeitskosten
  • Wirtschafts- und Industriepolitik
  • Investitions- und Finanzierungsbedingungen

 

Wenn man all das zusammenlege, brächte das einen grandiosen Standortvorteil gegenüber dem Rest der Welt. Allein deshalb sei TTIP „eine einzigartige Chance“, sagte Povel.

 

Ausführlich beleuchtete er mit Zahlen den Wert des TTIP: In Europa werde eine Steigerung des BIP von jährlich 16 Milliarden US-Dollar geschätzt. 400 000 neue Arbeitsplätze könnten in Europa entstehen; allein 160 000 davon in Deutschland.

 

Vorteile für die USA:

  • Jährliche BIP-Steigerung von bis zu 130 Milliarden US-Dollar
  • Schaffung von 750 000 neuen Arbeitsplätzen

 

Povel erläuterte weiterhin Vorteile. Etwa beim Abbau der Zölle und anderer Handelshemmnisse, die nicht zuletzt den mittelständischen Unternehmen Probleme bereiteten. Den Vorwürfen, durch TTIP würden europäische Standards aufgeweicht oder zu wenig Transparenz zugelassen, trat Povel strikt entgegen. „Nötig ist eine ausgewogene Balance zwischen Transparenz und Vertraulichkeit“, sagte Povel. Man sei derzeit mittendrin in den Verhandlungen, jetzt gehe es in die Details. Povel zitierte zum Abschluss einen Satz der Kanzlerin auf der Hannover Messe: „Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn TTIP nicht käme.“

 

Frank Sportolari, Generalbevollmächtigter UPS Deutschland, erinnerte an den langen Weg des Handels von Beginn der Menschheit bis in die Internet-Jetztzeit und zum globalen Handel. Neue Anforderungen stellten besonders für kleine und mittlere Unternehmen ein Problem dar. Betrachte man aber die Anzahl dieser Unternehmen (20 Millionen in Europa, 80 Millionen in den USA), dann könne man sich die Wichtigkeit des Handelsabkommens vorstellen. Gerade diese Unternehmen, die eine einzigartige Stellung einnähmen, seien klar und deutlich von ihrem Vorteil durch TTIP aufzuklären. Denn gerade die kleinen und mittleren Unternehmen seien der Motor für Beschäftigung und Wachstum.