11. März 2015
Altersvorsorgemodelle müssen überdacht werden
Prof. Dr. Philipp Schade vor Wirtschaftsrat Märkischer Kreis
Einen kritischen Blick auf die aktuellen Versicherungsmodelle warf Prof. Dr. Philipp Schade, Geschäftsführer der Dr. Schade GmbH, bei einer Veranstaltung der Sektion Märkischer Kreis des Wirtschaftsrates der CDU e.V. Das Modell der deutschen Lebensversicherung sei ein Auslaufmodell und auch die betriebliche Altersvorsorge beinhalte Fallstricke für Arbeitgeber. „Deshalb müsse über neue Wege nachgedacht werden.“ Ein Ausweg sei die Schaffung eines „betrieblichen Sparbuchs“, so Prof. Schades Lösungsvorschlag.
v.l.n.r. Kai Beutler, Prof. Dr. Philipp Schade (Foto: Wirtschaftsrat)

Die derzeitige Niedrigzinsphase mache den deutschen Lebensversicherern schwer zu schaffen. Das Hauptproblem bestehe darin, dass große Teile der Garantieversprechen aktuell durch die Versicherer nicht mehr erwirtschaftet werden könnten. „Während die aktuelle Überschussverzinsung im Januar 2015 bei 3,2 % Verzinsung liegt, stehen dieser gegenüber konstant 3,4 % durchschnittliche Garantieverzinsung aus den Verträgen“, erklärte Schade das Dilemma. Die Lage sei prekär, da sich einige Versicherer nicht mehr im Stande fühlten, die geforderte Zinszusatzreserve aufzubringen, so der Versicherungsexperte. Für den Kunden bedeute dies den Ausfall aktueller und zukünftiger Überschussverzinsung.


Nach Ansicht von Prof. Schade sei die Situation bei der betrieblichen Altersvorsorge noch schwieriger: „Betriebliche Altersversorgung beginnt im ersten Schritt mit der arbeitsrechtlichen Definition des Leistungsversprechens des Arbeitgebers.“ Allerdings sei dies häufig nicht klar definiert. So bleibe offen, ob die prognostizierte Leistung des Versicherungsvertrages oder die garantierte Leistung arbeitsrechtlich versprochen wurde. In Streitfällen entscheide in der Regel der Arbeitsrichter zu Gunsten des Mitarbeiters, der als schutzbedürftige Person angesehen werde. Prof. Schade weiter: „Ganz ernst wird es für den Arbeitgeber, wenn Teile des Versicherungsvertrages oder aber die Versicherung in Gänze ausfällt.“ Denn der Arbeitgeber sei mit Hinblick auf das Betriebsrentengesetz dazu verpflichtet, die von ihm zugesagten Leistungen weiterhin zu erfüllen.


Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase sowie der Stolpersteine bei der betrieblichen Altersvorsorge sehe er die Einrichtung eines betrieblichen Sparbuchs als gute Lösung an. Demnach verbleibe die Liquidität im Entscheidungsbereich des Unternehmens. Altersvorsorgeversprechen seien gegenüber den Mitarbeiten insolvenzgeschützt. Bei diesem Modell könne der Arbeitgeber die Kosten und Spielregeln selber bestimmen, da er schließlich auch voll für die Erfüllung des Leistungsversprechens hafte, bilanzierte der Referent.


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