25. Oktober 2012
Arbeitskreis Energiekonzepte plant Roadmap zur Energiewende
Neue Vortragsreihe bringt zusätzliches Experten-Know-How
„Die bisherige Herangehensweise an die Energiewende lässt den Blick für das Wesentliche vermissen. Ein roter Faden ist nicht erkennbar. Im Gegenteil, sie wird immer undurchsichtiger." Das sagte jetzt anlässlich einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in Frankfurt Heinrich-Hermann Schulte, Leiter des Arbeitskreises "Energiekonzepte" im Wirtschaftsrat Hessen. Die Versäumnisse kosteten wertvolle Zeit und "gefährden den Industriestandort Deutschland“, so Schulte.
v.l.n.r., Dr. Manfred Schroeder; Dr. Holger Krawinkel, Dr. Heinrich-Hermann Schulte (Foto:Wirtschaftsrat)

Die Veranstaltung markierte gleichzeitig den Auftakt einer neuen Vortragsreihe des Arbeitskreises, der sich zum Ziel gesetzt hat, ein qualifiziertes Konzept – eine Art Roadmap – für die Umsetzung zur Energiewende zu entwickeln. „Dafür benötigen wir über die Erfahrungswerte der Arbeitskreismitglieder hinaus noch zusätzliches Know-How von sachkundigen und praxiserfahrenen Experten“, sagte Schulte.

Welche Chancen und Risiken die Energiewende für Unternehmen mit sich bringt, erläuterte quasi zum Einstieg in die Vortragsreihe Holger Krawinkel, Leiter des Fachbereichs Bauen, Energie, Umwelt vom Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. Krawinkel skizzierte die voraussichtliche Strompreisentwicklung in Deutschland bis zum Jahre 2022. Demnach werde der aktuelle Strompreis von etwa 25,7 Cent/kWh in den nächsten zehn Jahren um 30 bis 50 Prozent steigen. Angesichts der Tatsache, dass der Preis pro Kilowattstunde zwischen 2002 und 2012 sogar um 60 Prozent zugelegt habe, sei also mit keinem exorbitanten Kostenanstieg zu rechnen. Zudem gelte es als sicher, dass die vereinbarten Ausgleichsregelungen in der ersten und zweiten Stufe für die energieintensive und exportorientierte Industrie von keiner Seite angetastet würden.

Im Folgenden erörterte der Experte zentrale Kostenfaktoren der Energiewende und machte Schwachstellen im Umsetzungsprozess deutlich. So seien die derzeit absehbaren Kosten viel höher als im minimalen Falle notwendig. Dies habe unter anderem mit der Anwendung teurer Technologien zu tun. Auch sei unverständlich, dass etwa Kraftwärmekopplung nicht häufiger genutzt würde, so Krawinkel weiter.

Krawinkel wies aber nicht nur auf Probleme hin, sondern zeigte auch konkrete Wege für eine erfolgreiche Energiewende auf. Zum Beispiel sollten mit Blick auf den Netzausbau eine deutsche Netz AG mit staatlicher Beteiligung für das Übertragungsnetz gegründet und regionale Netzgesellschaften mit kommunaler bzw. Länderbeteiligung gebildet werden. Zu mehr Effizienz könne die Einführung einer kommunalen Wärmeplanung mit Fernwärme-Vorrang und die Ausweisung von energetischen Sanierungsgebieten verhelfen. Beim Einsatz der Erneuerbaren Energien wies Krawinkel unter anderem auf die Notwendigkeit hin, Landesentwicklungspläne aufzustellen.

Schließlich betonte der Energieexperte, dass auch „grundlegende Veränderungen im institutionellen Rahmengeflecht“ erforderlich seien. Bisher gebe es zu wenig Koordinations- und Abstimmungsleistung zwischen den verschiedenen Gebietskörperschaften, aber auch bei der Verzahnung der unterschiedlichen Technologien zur Energieentwicklung.

Die an den Vortrag anschließende Diskussionsrunde entwickelte sich einem regen Gedankenaustausch zwischen Referent und Teilnehmern. So wurden regionale und kommunale Bestrebungen nach Energieautarkie, Strom-Subventionierungen und der immer wiederkehrende politische Hype um einzelne Energietechnologien als KO-Kriterien der Energiewende ausgemacht.