09. Oktober 2013
"Auf den Punkt gebracht" mit Folker Hellmeyer
Über die Bundestagswahl und die Haushaltskrise in den USA
Auf dem dritten und letzten Business Lunch des Wirtschaftsrates 2013 sprach Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, über die Regierungsbildung im Zeichen der Bundestagswahl und über die Konsequenzen aus der Haushaltkrise in den USA.
Foto: Wirtschaftsrat

Udo Siemers begrüßte als Vorstandsmitglied des Bremer Wirtschaftsrates die zahlreich erschienenen Gäste und den Redner Folker Hellmeyer in den Räumlichkeiten der Havanna Lounge. Siemers verwies auf die Kunst Hellmeyers komplexe Themen einfach zu erklären und diese in einen Gesamtzusammenhang zu stellen.

Hellmeyer begann mit einer kurzen Analyse der Bundestagswahl. Aufgrund des Ergebnisses ließe sich ableiten, dass sich die Wählerinnen und Wähler keinen Wechsel wünschten und für eine stabile Regierung gestimmt haben, die sich nun zweifelsohne bilden werde. Zwar habe es bei der Wahl unbekannte Größen, wie beispielsweise die eurokritische AfD gegeben, diese hätten aber keineswegs die Regierungsstabilität nach der Wahl gefährdet. Für Hellmeyer ergeben sich ganz andere „Brennpunkte“ der Politik. So müssten die Fragen zu Bildungsinvestitionen und zur stockenden Energiewende endlich geklärt werden. Besonders bei der Energiewende sei zu unterstreichen, dass das Wirtschafts-Cluster der Bundesrepublik, welches maßgeblich industriell geprägt ist, nicht gefährdet werden dürfe. Der Blick nach Europa sei laut Hellmeyer nicht länger abschreckend: So entwickeln sich die Strukturdaten überdurchschnittlich gut und die Konkurrenzfähigkeit der südeuropäischen Staaten steigt an.

Der zweite Teil des Vortrags war durch die derzeitige Haushaltskrise in den USA geprägt. Hellmeyer bezeichnete die Szenerie als „Finanz-Hollywood“ und meint damit das übertriebene Aufbauen von Spannung und Dramaturgie um die Auseinandersetzungen zwischen Senat und Repräsentantenhaus. „Genau wie im Film wird es auch hier ein Happy End geben“, unterstrich Hellmeyer pragmatisch. Für diese These sprechen seiner Ansicht nach zwei Fakten. Auf der einen Seite gibt es ein strukturelles Interesse der Republikaner und Demokraten die Hegemonialmacht der USA nicht aufs Spiel zu setzen. Auf der anderen Seite gefährden die Republikaner ihren Wahlerfolg bei der Wahl 2016. Vor diesem Hintergrund werden die Politiker in den USA vor dem 17. Oktober eine Lösung finden und die Schuldenobergrenze anheben.

Insgesamt stünden die Entwicklungen in den USA aber symbolisch für das Jahr 2013, in dem sich politische Risiken immer wieder negativ auf die Ökonomie ausgewirkt haben. Trotz des oft mangelnden Investitionsklimas implizierten die hohen Niveaus der Aktienmärkte dennoch ein hohes Wirtschaftswachstum in nächster Zeit.