29. Mai 2013
Ausbauwettbewerb für die Breitbandversorgung unter schwierigen Bedingungen
Podiumsdiskussion der Sektion Rendsburg-Eckernförde
"Leben, wo andere Urlaub machen!" - mit diesem Pfund könnte Schleswig-Holstein im Zuge eines herausziehenden Fachkräftemangels als attraktives Land zwischen den Meeren wuchern, falls ein zügiger Ausbau des Glasfasernetzes die Voraussetzung dafür rechtzeitig schaffe.
v.l. Richard Krause; Frank Günther; Volker Siebert; Moderator Dr. Hendrik Bremer; Ulrich Adams und Holger Bajorat (Foto: Wirtschaftsrat)

Welche Bedeutung dem Glasfasernetz zuwächst, erläuterte Ernst Halle als Leiter der gastgebenden Verwaltungsakademie Bordesholm, der den Teilnehmern die Vorteile beim Abspielen von hochauflösenden Spielfilmen demonstrierte und damit auf kommende digitale Anwendungen verwies. Diese neuen Anwendungen könnten schneller als erwartet zu Kapazitätsengpässen führen, stellte Dr. Bertram Zitscher bei seiner Begrüßung fest. Unterentwickelte Vernetzungsräume seien dann von Abwanderung und Abwertung ihrer Immobilien bedroht.

 

Schon jetzt würden Suchmaschinen für Ferienhäuser nach dem Kriterium „Übertragung größer 100 Mbit/Sekunde“ ausfiltern. Ulrich Adams berichtete als Beauftragter des Vorstandes der Deutschen Telekom AG für den Breitbandausbau in Deutschland, daß man als Marktführer im bundesweiten Wettbewerb in den letzten Jahren mit großem Investitionsaufwand eine Reihe ausgewählter deutscher Städte mit insgesamt über eine Million deutschen Haus halten über Glasfaser angeschlossen habe. Allerdings hätten die Erfahrungen gezeigt, daß Investitionen in diesen Städten nicht in jedem Fall rentierlich waren. Für die ländlichen Räume setze die Telekom AG deshalb darauf, durch eine dynamische Verbindung von Mobilfunk und Festnetz die Kapazi tätsausbeute der bestehenden Infrastruktur systematisch zu erhöhen. Ein weiterer Ausbau des letzten Meters bis zum Kunden scheitere in einigen Regionen an zu geringen Vorvermarktungsquoten.

 

Von schwierigen Finanzierungsbedingungen berichtet auch Holger Das Podium v.l. Richard Krause (Breitband Kompetenzzentrum SH); Frank Günther (Versorgungsbetriebe Bordesholm); Volker Siebert (E.ON Breitband E.ON Hanse AG); Moderator Dr. Hendrik Bremer; Ulrich Adams (Telekom, Bereich Breitbandausbau) und Holger Bajorat (Prokurist VR Bank Neumünster) Bajorat, der sich für die VR Bank eG Neumünster wichtigen Zukunftsthemen in der Region als Finanzierungspartner besonders verpflichtet fühlt. Risiken durch andere Anbieter und alte Vertragsbindungen verzögerten aber die Rückflüsse auf das investierte Kapital, was die Perspektiven für weitere Investitionen nicht verbessere.

 

Von hundertprozentigen Anschlußquoten berichtet dagegen Frank Günther. Solche seien jedenfalls von den Ver sorgungsbetrieben Bordesholm durch das KnövNet-Angebot in Teilgebieten erreicht worden, finanziert je zur Hälfte über die VR-Bank Neumünster und die Investitionsbank. Derartige Abdeckungsquoten scheinen jedocheher die große Ausnahme zu sein. Jedenfalls berichtet Volker Siebert als Projektleiter Breitband der E.ON Hanse AG, daß man den kommunalen Wüschen wirtschaftlich nur nachkommen könne, wenn die Glasfaserkabel in Synergieprojekten zusammen mit anderen Tiefbaumaßnahmen verlegt werden könnten. Für eine bessere Planung fordert er einen Netzplan des Landes. Richard Krause, der vor kurzem erst die Leitung des Breitbandkompetenzzentrums Schleswig-Holstein in Kiel übernommen hat, sieht Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich vorne und verweist auf die Strategie 2030.

 

Moderator Dr. Hendrik Bremer merkte zur Wettbewerbssituation der Anbieter an, daß der Gesetzgeber den Kommunen keine regulierende Einflußmöglichkeit eingeräumt habe. Wenn Investitionsvorhaben für ein gewähltes Gebiet durch aggressive Konkurrenz empfindlich durchkreuzt werden können, sei unter den herrschenden Bedingungen nicht mit einem flächendeckenden Ausbau zu rechnen. Fazit: Ohne zusätzliche Finanzierungselemente beispielsweise durch eine Umwidmung der Ausbaumittel für Abwasserinvestitionen zur Verlegung von Leerrohren, und ohne Kostensenkungen durch synergetische Kabelverlegungen auf der Grundlage eines Netzplanes läuft der Standort Gefahr, im Standortwettbewerb mit anderen Regionen wie Bayern, die erhebliche Landesmittel für den Ausbau einsetzen, weiter zurückzufallen.

 

Nicht nur das Tourismusland, sondern ebenso der Unternehmensstandort Schleswig-Holstein könnte im Zuge neuer Anwendungen deutlich früher auf Glasfaserverbindungen angewiesen sein. BZ