03. August 2017
Landesfachkommission Messe, Tourismus und Eventwirtschaft
Baden-Württembergische Eventbranche fordert Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes
Professor Stefan Luppold: „Viele Betriebe stehen sonst vor dem Aus.“

Der Wirtschaftsrat, Landesverband Baden-Württemberg, unterstützt die Forderung der Landes-CDU und der Branchenverbände nach Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes für den Bereich Hotellerie und Gastronomie.
„Es geht nicht um mehr Arbeit, sondern um eine bessere Verteilung der Arbeit und um eine leichte Verschiebung der Tageshöchst-Arbeitsgrenze. Mehrstunden werden bezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen. Auch Mindestruhezeiten bleiben unangetastet“, sagt Stefan Luppold, Vorsitzender der Landesfachkommission und Professor für Messe-, Kongress- und Eventmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg.

Luppold weiter: „Es geht darum, die Arbeitszeiten flexibler gestalten und auf die Wochentage aufteilen zu können. Die Flexibilisierung sollte dabei die Aufhebung der 10-Stunden-Grenze sowie die Einführung einer 12-Stunden-Grenze für die tägliche Arbeitszeit beinhalten. Außerdem sollte eine wöchentliche Arbeitszeit von höchstens 48 Stunden und entsprechende Ausgleichszeiträume gesetzlich verankert werden. Die Flexibilisierung sollte im Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfolgen.“

Jörg Rauschenberger, stellvertretender Kommissions-Vorsitzender sowie Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens in Fellbach und einer der großen Event-Caterer in Deutschland dazu: „Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb zu schaffen. Momentan gibt es einen Graubereich und eine Rechtsunsicherheit. In anderen Bundesländern werden die Vorschriften weniger streng ausgelegt. Und im EU-Ausland gibt es einen Wettbewerbsvorteil. Viele, vor allem kleinere Betriebe, werden so in eine ungute Situation gedrängt.“

Die CDU Baden-Württemberg hatte auf ihrem Parteitag beschlossen, sich für die Flexibilisierung auch im Bund einzusetzen. Denn: „Die in Paragraf 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) normierte tägliche Höchstarbeitszeit von regelmäßig acht Stunden, in Ausnahmefällen zehn Stunden, stößt in der Praxis, in den Betrieben der Hotellerie und Gastronomie, auf erhebliche Probleme und stellt insbesondere kleinere und familiengeführte Betriebe vor Existenzprobleme. So führen die geltenden Regelungen dazu, dass an bestimmten Tagen der Geschäftsbetrieb nicht mehr oder nur eingeschränkt aufrechterhalten werden kann. Die bisherigen Ausnahmemöglichkeiten sind unzureichend. Die im Wochen- und Saisonverlauf stark schwankende Nachfrage und eine eingeschränkte Planbarkeit des Verlaufs von Veranstaltungen stehen im Widerspruch zu den starren Regelungen des Arbeitszeitgesetzes. Eine Anpassung an die EU-Arbeitszeitrichtlinie würde den Betrieben und Mitarbeitern eine größere Flexibilität erlauben. Gleichzeitig sichert das EU-Recht den notwendigen Arbeitnehmerschutz durch verbindliche Ruhezeitenregelungen und verpflichtende Ausgleichszeiträume ab. Mit einer Umsetzung der in der EU Arbeitszeitrichtlinie normierten Standards würde auch eine Chancengleichheit mit den Wettbewerbern in den anderen EU-Mitgliedstaaten hergestellt“, so Luppold.

Kurzprofil der Landesfachkommission