05. März 2013
BASEL III: Auswirkungen auf die Kreditfähigkeit klein- und mittelständischer Unternehmen
Mittagsgespräch der Sektion Kiel mit Sven Möllemann (Creditreform Kiel Isert KG) und Jörg Paulat (Verband der Vereine Creditreform e.V., Neuss)
Keine Bank und keine Sparkasse im Land hat sich "Basel III" gewünscht. Das erneute Reformpaket der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel ist der Kreditwirtschaft übergestülpt worden, um das Risiko weiterer Finanzmarktkrisen so weit wie möglich einzugrenzen. Anfang nächsten Jahres treten die ersten Bestimmungen in Kraft; 2019 soll das gesamte Paket wirksam sein.
v.l.n.r.: Jörg Paulat; Sven Möllemann; Reimer Tewes; Reinhardt Hassenstein (Foto: Wirtschaftsrat)

"Die Auswirkungen auf den unternehmerischen Mittelstand werden immens sein", sagte Jörg Paulat, Senior Consultant des Verbandes der Vereine Creditreform e.V. (Neuss) beim Mittagsgespräch der Sektion Kiel des Wirtschaftsrates. Bonität sei alles. Diese dem Kredit gebenden Institut so unkompliziert wie möglich nachzuweisen, werde über die Kreditkonditionen bestimmen. Mit entsprechenden Forderungen, auch wenn sie dem potentiellen Kreditnehmer (noch) ungewöhnlich vorkommen, werde die Bank nicht zum "Buhmann": Sie selbst müsse Ausleihungen je nach Bonität mit in der Höhe gestaffelten Eigenkapitalanteilen unterlegen und die "Bonität" der Struktur ihres Kreditgeschäftes gegenüber den Aufsichtsbehörden darlegen. Mit Sicherheit werde es zu Verschiebungen in den Verschuldungsstrukturen kommen, so Paulat. Eine bonitätsbezogene Kreditvergabe führe tendenziell zu einer Reduzierung von Bankkrediten und zu einer Ausweitung der Lieferantenkredite: "Gute Risiken bleiben bei den Banken, schlechtere werden sich bei den Lieferanten wiederfinden." Wegen der verschärften Eigenkapitalanforderungen sagte der Finanzexperte der Finanzwirtschaft eine "Fusionswelle" voraus. Sie werde vor allem die  Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreffen. Den Unternehmern und Selbstständigen  empfahl er frühzeitiges Nachdenken über die traditionellen Finanzierungsmuster hinaus. Zur Liquiditätssicherung seien Maßnahmen wie Factoring und ein zielstrebiges Inkassosystem mit permanenter, auch langfristiger Schuldnerüberwachung, ratsam. Instrumente, die beispielsweise Creditreform anbiete. Wichtig sei darüber hinaus eine ununterbrochene Kommunikation zwischen den Geschäftspartnern. Über allem gelte, sagte er: "Je klarer und offener der Austausch, desto solider und vertrauensvoller die Zusammenarbeit."