16. Mai 2013
Basel III: Eine Herausforderung für den Mittelstand
Was die neuen Eigenkapitalregeln der Banken für Unternehmer bedeuten
Welche Auswirkungen hat Basel III auf den Mittelstand? Zu diesem Thema hatten die Landesfachkommissionen Mittelstand und Finanzen sowie die Sektion Frankfurt zu einer Vortragsveranstaltung mit Podiumsdiskussion in den Commerzbank-Tower eingeladen. Hauptreferent Dr. Heino Betz, Leiter Kreditmanagement Mittelstandsbank Commerzbank AG, stellte gleich zu Beginn seiner Präsentation klar: „Basel III ist eine regulatorische Vorschrift und keine lebensbedrohliche Krankheit. Es gab eine Welt vor und es wird auch eine Welt nach Basel III geben.“
v.l.n.r.: Ulrich Hartmann; Dr. Lutz R. Raettig; Frank Behnke; Dr. Heino Betz; Ina Kreißl; Erhard Seeger; Jürgen Schmieding; Kirsten Schoder-Steinmüller (Foto: Wirtschaftsrat)

„Die Intention hinter den neuen Kapitalvorschriften ist, die Widerstandsfähigkeit der Banken zu erhöhen und auf diese Weise eine stabile Liquiditätsversorgung der Realwirtschaft sicherzustellen“, erläuterte Betz. Überstürzt werde dabei nichts. Die Einführung von Basel III erfolge schrittweise, für bestimmte Teilaspekte seien Beobachtungsphasen vorgesehen. Einen Haken habe die Reform jedoch - die „Herstellungskosten“ für Kredite würden systematisch ansteigen. Drei Faktoren seien dafür verantwortlich: erhöhte Kapitalanforderungen, verschärfte Liquiditätsvorgaben und zusätzliche Prozess- bzw. Personalkosten.

„In welchem Umfang die steigenden Ressourcenkosten von den Banken an den Mittelstand weitergegeben werden, ist derzeit aber noch nicht final absehbar“, räumte Betz ein. Denn die Weitergabe der Kosten hänge auch wesentlich von der Positionierung der Bank und ihrem Wettbewerbsumfeld ab. Für Institute mit Kapitalmarktzugang bestünden durchaus Möglichkeiten, die Kosteneffeke abzumildern. Zudem hätten viele Banken mit Blick auf Basel III auch schon vorgesorgt: „Ein Großteil hat einen wesentlichen Schritt in Richtung Kapitalquoten 2019 gemacht und hält das Kapital bereits heute vor. Spürbare Auswirkungen auf Kundenkonditionen sind am Markt bislang nicht beobachtbar“, so die Botschaft des Finanzexperten.

Aus Kundensicht gelte es außerdem zu verstehen, dass Basel III einen wichtigen Nebeneffekt habe, erklärte Betz weiter. Nämlich, dass aufgrund der strengeren Liquiditätsbevorratung Kundeneinlagen für die Banken tendenziell mehr wert sein werden als in der Vergangenheit. Diese stellten unter Basel III, insbesondere von kleineren und mittelständischen Unternehmen, eine noch wichtigere Refinanzierungsquelle für die Institute dar. „Basel III wird keine Kreditklemme nach sich ziehen“, lautete das abschließende Fazit des Experten. Die Attraktivität einzelner Finanzprodukte werde sich aber unweigerlich verändern. In welchem Umfang, sei noch nicht abzuschätzen. Kunden, so der Tipp an die rund 130 Zuhörer, sollten immer das Gesamtpaket in Augenschein nehmen und sich nicht durch einzelne Rechnungen verunsichern lassen.

Auf dem Podium diskutierten anschließend Ina Kreißl (Leiterin Financial Engineering Center Süd, Mittelstandsbank Commerzbank AG), Ulrich Hartmann (Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Partner PricewaterhouseCoopers AG) und Kirsten Schoder-Steinmüller (Geschäftsführende Gesellschafterin Schoder GmbH). Die Moderatorenrolle übernahm Frank Behnke.

Schoder-Steinmüller erklärte, dass heute zwar noch keine Effekte von Basel III spürbar seien. Sie zeigte sich aber davon überzeugt, dass die Reform auf Sicht gesehen die Kredite verteuern werde. Die Finanzierungskosten der Unternehmen würden so steigen. Zudem habe sich die Kreditvergabe an Mittelständler in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Einerseits sei die Kreditvergabe heute kurzfristiger ausgelegt und hänge von einem guten Rating ab. Andererseits müssten Mittelständler anders mit den Banken agieren, z.B. offener mit Unternehmenszahlen umgehen und „selbst mehr tun“.

Dies sahen auch die anderen Diskussionsteilnehmer so. „Die Geldinstitute werden in Zukunft genauer hinschauen. Die Kommunikation zwischen Bank und Unternehmer wird immer wichtiger“, sagte Ina Kreißl. Für ein verlässliches Risikoprofil müssten sich die Banken ein genaues Bild von den Firmen machen: Wie arbeitet das Unternehmen, wie ist es aufgestellt? Welche Strategie verfolgt es, wie funktioniert das Management?

„Die Banken werden ein verstärktes Interesse an Informationen über Mittelständler haben“, ergänzte Ulrich Hartmann. Seit der Finanzmarktkrise sei klar, dass es verschiedene Kreditnehmer-Typen gebe: Aus Bankensicht attraktive und unattraktive. Die höheren Eigenkapitalquoten würden den Trend verstärken, dass Banken sich diejenigen Mittelständler aussuchen, die das geringste Risiko haben. „Die mittelständischen Unternehmen müssen daher transparenter werden, um den Informationsbedürfnissen der Banken nachzukommen“, so Hartmann weiter. Nur so könnten die Institute die interessanten Kunden identifizieren und sie mit entsprechenden Konditionen versorgen. Die Attraktivität sei dabei keine Frage der Größe, sondern hoher Bonität und geringer Risikolage. Zudem werde es eine Verschiebung von langfristiger hin zu kurzfristiger Finanzierung geben.