21. Juni 2017
Bericht aus Brüssel
Erst im Mai zeigte der unter dem Namen WannaCry bekannte Cyberangriff, wie verwundbar kritische Infrastrukturen quer durch Europa sind. Der Wirtschaftsrat Brüssel versammelte mit seinem Europasymposium zum Thema Cyber Security hochrangige Experten aus EU und Wirtschaft.
Sir Julian King (Mitte), EU Kommissar für die Sicherheitsunion, v.l.n.r.: Axel Voss, MdEP, Johannes Jung, Leiter der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union, Dr. Rainer Gerding, Bundesgeschäftsführer Wirtschaftsrat der CDU e.V., Christof-S. Klitz, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Brüssel, Dr. Karsten Wildberger, Chief Operating Officer E.ON SE, Sir Julian King, EU Kommissar für die Sicherheitsunion, Dr. Thomas Mangel, Vorstandsvorsitzender Postbank Systems AG, Axel Petri, Senior Vice President Group Security Governance Deutsche Telekom AG, Prof. Dr. Udo Helbrecht, Direktor der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit, Hendrik Kafsack, FAZ (Foto: Wirtschaftsrat)

Boosting Cyber Security: Fundament für die Digitale Agenda

 

130 hochrangige Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft hatten sich zum Wirtschaftsrat-Europasymposium angemeldet, um sich am 30. Mai in der Landesvertretung Baden-Württemberg über die Chancen und Risiken der immer weiter voranschreitenden digitalen Vernetzung auszutauschen.

 

Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. forderte ein besseres Miteinander von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft beim Thema IT-Sicherheit. „Wir müssen nationale Flickenteppiche beseitigen. Die staatlichen Organe – national und europäisch – müssen sich auf die  Rahmenbedingungen konzentrieren. Für die Innovationen und neue Geschäftsmodelle sind die Unternehmer zuständig“, mahnte Dr. Rainer Gerding, Bundesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates der CDU e.V.

 

Sir Julian King, EU Kommissar für die Sicherheitsunion, forderte, offen mit den riesigen Vorteilen wie auch den entsprechenden Risiken der digitalen Vernetzung umzugehen. Er verwies unter anderem auf Schätzungen, die den jährlichen weltweiten Schaden durch Cyber-Angriffe auf über 500 Milliarden Euro beziffern. Die Kommission nehme das Thema sehr ernst und werde in der zweiten Jahreshälfte eine aktuelle EU Cyber Security Strategie vorstellen, außerdem müsse man Standards durch ‚security by default‘ und ‚security by design‘ und entsprechende Zertifizierung schaffen.

 

Dr. Karsten Wildberger, COO von E.ON SE, sagte, „wir brauchen auch einen stärkeren Schulterschluss zwischen allen zivilisierten Staaten, in der Politik und in der Gesellschaft, Cyberkriminalität auf das Äußerste zu ächten. Es handelt sich dabei um einen massiven Eingriff in Persönlichkeitsrechte, in die Existenz von Unternehmen, die Souveränität von Staaten und die Funktionsweise eines freien Gemeinwesens. Natürlich könne eine intensivere Kooperation zwischen Unternehmen hinsichtlich der Früherkennung von Sicherheitslücken und Angriffen das Sicherheitsniveau ebenfalls um einiges steigern.“

 

„Um diese Angriffe auch weiterhin schadlos abwehren zu können, müssen wir an den Fähigkeiten in den Unternehmen weiter arbeiten sowie dafür sorgen, dass auch in Zukunft genügend Nachwuchs im IT- und Software Bereich ausgebildet wird, ohne diese Experten geht es natürlich nicht,“ betonte Dr. Thomas Mangel, Vorstandsvorsitzender Postbank Systems AG.

 

Axel Petri, Senior Vice President Group Security Governance der Deutschen Telekom AG, erklärte „die Stärkung der Cyber Security ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, entsprechend müssen alle Player entlang der digitalen Wertschöpfungskette einbezogen, insbesondere Hard- und Softwareprovider zur Meldung und Beseitigung von Schwachstellen verpflichtet werden.“

 

„Die Unternehmen dürften nicht auf den Gesetzgeber warten“ sagte Axel Voss, MdEP und rechtspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Unternehmen müssten schon heute alles in ihren Möglichkeiten stehende für die Sicherheit tun. Die Legislative könne einfach nicht mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten, versuche aber natürlich aufzuholen.

 

Prof. Dr. Udo Helmbrecht, Direktor der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA), bestätigte, dass die Gesetzgebung immer der Technologie hinterherhinken werde. „Von der Regulierungsdichte der Sicherheitsstandards beispielsweise im Luftfahrt- oder Automobilsektor ist der IT-Bereich noch weit entfernt.“

 

„Security by design‘ und ‚security by default‘ zusammen mit Zertifizierungen würde die Rolle der Verbraucher stärken und ihnen das notwendige Vertrauen in digitale Produkte und Dienstleistungen geben“ unterstrich Jakub Boratynski, Referatsleiter für Cybersicherheit bei der Europäischen Kommission GD CNECT. 

 

Ausblick: Termine in Brüssel


5. Juli: Arbeitsgruppe ‚Digitaler Binnenmarkt‘

6. Juli: Arbeitsgruppe ‚Europäische Energiewende‘

7. Juli: Policy Briefing mit Botschafter Clyde Kull zu den Prioritäten der Estnischen Ratspräsidentschaft‘

12. Juli: Jour Fixe mit Monika Hohlmeier, MdEP, zu den Beziehungen zwischen der EU und China. 

Sir Julian King, EU Kommissar für die Sicherheitsunion, Ehrengast und Hauptredner auf dem Europasymposium des Wirtschaftsrates Brüssel (Foto: Wirtschaftsrat)
Diskussionsteilnehmer auf dem Podium