28. Oktober 2015
Besuch der Sächsischen Energieregion
Der Wirtschaftsrat der CDU Sachsen führte seine Tagung im Vattenfall Kraftwerk Boxberg durch.
Eingeladen hatten Dr. Dirk Schröter, Vorsitzender der LFK Energiepolitik sowie Ellen Haufe für die Sektion Bautzen. Neben vielen Fragen zur Energiepolitik war das Interesse der Teilnehmer an einer Besichtigungstour durch den Tagebau und das Kraftwerk groß.

Erste Station auch entsprechend der Wertschöpfungskette war der Tagebau Nochten, der seit 1973 das Kraftwerk Boxberg mit Braunkohle versorgt. Mit einem Mannschaftstransportwagen ging es in den Tagebau, begleitet vom Leiter der Tagebaue Nochten und Reichwalde, Lutz Mickel.

Beeindruckend war das ca. 12 m mächtige Kohleflöz, das in einer Tiefe von 65 bis maximal 100 m Tiefe abgebaut wird. Großen Eindruck auf alle Teilnehmer hinterließ die Abraumförderbrücke F60, mit deren Hilfe die Braunkohle freigelegt wird. Mit der dazu gehörenden 600 m langen Bandbrücke wird der Abraum auf kurzem Weg quer über die Grube des Tagebaus gefördert und verkippt. Der Bergbau nimmt Land in Anspruch und lässt zeitgleich neues Land entstehen. Den durch Rekultivierung entstandenen bunten Mischwald konnte mann eindrucksvoll aus ca. 160 m Höhe vom Kesselhausdach des 900-Megawatt-Blockes Q sehen. Der Leiter des Kraftwerkes Boxberg, Thomas Hörtinger, zeigte den Gästen den Kraftwerksstandort aus der Vogelperspektive.

Der erste Strom aus Boxberg wurde 1971 ins Übertragungsnetz eingespeist. Die 12 x 210-MW-Blöcke der Werke I und II, Grundsteinlegung war 1968, sind seit 1998 nicht mehr in Betrieb und werden zurückgebaut. Das Werk III mit seinen beiden 500-MW-Blöcken aus den 1970er Jahren wurde mit modernster Umweltschutztechnik nachgerüstet und für den Weiterbetrieb ertüchtigt.

Beeindruckend ist das neue Werk IV, bestehend aus dem 900-MW-Block, der im Jahre 2000 in Betrieb ging und dem 675-MW-Block R, dessen Inbetriebnahme 2012 war. Damit beträgt die Stromerzeugungskapazität am Standort 2575 MW, das reicht für die Versorgung von 6 Millionen Haushalten.

 

Liegt weltweit der durchschnittliche Wirkungsgrad von Braunkohlekraftwerken bei ca. 31 %, wird dieser von den Boxberger Kraftwerksblöcken weit übertroffen. Eine Spitzenposition nimmt dabei der neue Kraftwerksblock R mit seinem Wirkungsgrad von fast 44 % ein. Dabei stößt er rund 20 % weniger Kohlendioxid aus als ältere Kraftwerksgenerationen.

Imposant war auch der Blick durch die Kesselluken auf den Nachbrennrost im Dampfkessel. Umgeben ist der Kessel von 8 Kohlemühlen, die die Kohle zu Staub zermahlen. 63000 Tonnen Braunkohle aus den Tagebauen Nochten und Reichwalde werden jeden Tag benötigt.

Im Maschinenhaus konnte das Herzstück des 900-MW-Blockes Q betrachtet werden - die 5-stufige Kondensationsturbine und der Generator. Die Turbinendrehzahl beträgt 3000 Umdrehungen/min.

Letzter Besichtigungspunkt war die moderne Blockwarte des Werkes IV. Von dort aus werden die Blöcke Q und R gesteuert und überwacht. Je nach Anforderung wird die entsprechende Strommenge in das Übertragungsnetz eingespeist. Die Braunkohlenkraftwerksblöcke sind keine starren Grundlastblöcke, sondern sehr flexibel. Diese Flexibilität ist wichtig, um beispielsweise auf Schwankungen bei der Einspeisung erneuerbarer Energien zu reagieren. Auch die anderen Braunkohlenkraftwerke, die Vattenfall betreibt, genügen diesen Anforderungen. Innerhalb von 20 min können sie ihre Leistung zwischen 100 und 50 % variieren.

Mit diesem Wissen ging es dann zu einer Präsentation und Diskussionsrunde mit Herrn       Olaf Adermann.

 

Am Ende des Abends resümierte Ellen Haufe, Sprecherin der Sektion Bautzen des Wirtschaftsrates: „Sichere und - zumindest im europäischen Vergleich - bezahlbare Energie ist für die deutsche Wirtschaft unabdingbar. In dem Wissen, dass in Ostdeutschland die modernsten und am wenigsten CO2 emittierenden Braunkohlekraftwerke arbeiten und der bundesdeutsche Co2-Anteil bei ca. 2% des Weltausstoßes liegt, ist eine deutsche Abkehr von der Braunkohle zumindest aus dieser globalen Co2-Sicht ein Tropfen auf den heißen Stein. Sicherlich ist der aktuelle Braunkohleabbau jeweils ein Eingriff ins Öko-System, doch schaut man sich die renaturierten Flächen an, so ergibt sich eine Vielfalt in Fauna und Flora, die das vormals Dagewesene übersteigt. Bleibt am Ende also ideologiefrei betrachtet nur die Frage, welcher Energieträger ist - subventionsfrei - der günstigste und sichert mit Blick auf die Struktur der Region hier die höchste zusätzliche Wertschöpfung. Für die Lausitz gibt es da nur eine Antwort: die Braunkohle!“