31. März 2017
Bietet ein sozialer Arbeitsmarkt neue Perspektiven?
Sozialdezernent Luidger Wolterhoff beim Gelsenkirchener Wirtschaftsrat
v.l.n.r. Michael Grütering, Roland Hundertmark, Luidger Wolterhoff, Volker Stuckmann (Foto: Wirtschaftsrat)

Durchaus kritisch bewerteten die Unternehmer des Wirtschaftsrates die Überlegungen des neuen Gelsenkirchener Sozialdezernenten, Luidger Wolterhoff, zu einem sozialen Arbeitsmarkt. Es werde am Ende viel Geld aufgewandt ohne ein nachhaltiges Ergebnis. Die Erfahrung zeige, dass Fördermaßnahmen nur dann zum Erfolg führen, wenn man Menschen in den ersten Arbeitsmarkt integriere. So die Argumente der Unternehmer. 

Basis für einen sachlichen Gedankenaustausch bildet der Fachvortrag des Verwaltungsfachmannes, der vor seiner Wahl zum Vorstand der Stadt Gelsenkirchen bei der Arbeitsagentur tätig war. Wolterhoff beschrieb ein Phänomen des Arbeitsmarktes in der Ruhrgebietsstadt. So würde trotz Anwachsen der Beschäftigungsverhältnisse zugleich die Arbeitslosenquote auf bundesweit höchstem Niveau stagnieren. Gab es 2007 rund 70.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, seien es aktuell rund 78.000, ohne dass die Arbeitslosenquote in der Stadt gesunken sei. Auch sei die Ausbildungsquote, trotz aller Anstrengungen der Wirtschaft, zu niedrig. Eine solide Berufsausbildung sei die Grundvoraussetzung für eine gute Erwerbsbiographie, stellte Wolterhoff fest. Der Bereich der Hilfskräfte sei über die Jahre durch Lohnerhöhungen wegtarifiert worden, unterstich Sektionssprecher Volker Stuckmann. Zugleich fänden Unternehmen immer schwieriger qualifiziertes Personal.

Dieses Bildungs- und Ausbildungsdefizit sei, so Wolterhoff, ein wesentlicher Grund, warum viele Menschen nicht nachhaltig in Arbeit vermittelt werden könnten. Sie würden sich meist nach einem halben Jahr erneut in der Arbeitslosigkeit wiederfinden. So würden 80 Prozent der Arbeitslosen in Gelsenkirchen von Hartz IV-Leistungen leben. Nach Wolterhoff sei davon auszugehen, dass sich nur ein geringer Teil aufgrund seiner eigenen Fähigkeiten selber ernähren könnte. „Trotzdem haben diese Menschen auch einen Anspruch auf einen Anteil am Arbeitsleben. Da Arbeit mehr als Einkommenserzielung ist.“ Und stellte daraufhin die Frage, ob es nicht besser sei, Arbeit als Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Das Land stelle für die nächsten zwei Jahre 43 Millionen Euro für die Städte mit den höchsten Arbeitslosenzahlen zur Verfügung. Neben Dortmund, Essen und Duisburg, sei dies eben Gelsenkirchen. Die Stadtverwaltung wolle diese Förderung wahrnehmen. Rund 200 Personen sollen so zusätzlich in Arbeit mit gesellschaftlichen Nutzen kommen, ohne dabei in Konkurrenz zu privaten Unternehmen zu treten, erläuterte Wolterhoff abschließend.