25. April 2013
4. Norddeutscher Wirtschaftstag - Hanseraum: Grenzenlos stark!
Mehr Investitionen in Infrastruktur und Unterstützung für Offshore-Industrie
Mehr Investitionen in die norddeutsche Logistik- und Infrastruktur, neuen Schub für die Offshore-Industrie und ein aktives Werben um Fachkräfte aus dem südlichen Bundesgebiet sind Forderungen, die Teilnehmer des Norddeutschen Wirtschaftstags in Bremerhaven erhoben. Unter dem Motto „Hanseregion: Grenzenlos stark“ kamen rund 300 Wirtschaftsvertreter aus Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammen.

Gemeinsamkeiten betonen und Kräfte bündeln, hatten sich die fünf norddeutschen Verbände bei ihrem Unternehmertreffen in Bremerhaven auf die Fahnen geschrieben. So sehen sich die Wirtschaftsvertreter der fünf Nordländer bei den Kernthemen der Tagung über Landesgrenzen hinweg im selben Boot. Das Gelingen der Energiewende, Infrastrukturentwicklung und der Fachkräftebedarf treiben Unternehmen in Bremen ebenso um wie in Kiel, Hamburg oder Rostock.
Energiewende im Fokus.


Die Themen Energiewende  und Offshore Windenergie standen im Fokus des Podiums „Offshore-Windenergie: Eine entscheidende Säule der Energiewende“. Die Bremer Landeschefin des Wirtschaftsrats, Imke Goller-Wilberg, rief schon in ihrer Begrüßung dazu auf, ideologiefrei über den Energiemix der Zukunft zu reden. Ihr mangelt es für den Offshore-Sektor an verlässlichen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Die Energiewende werde wird ohne Offshore nicht gelingen. Hohe Erwartungen der Politik an den Ausbau der Windparks auf See müssen auch mit konkreten Maßnahmen untermauert werden. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz muss novelliert werden, aber ohne in bestehende Investitionen und Projekte einzugreifen“, so Goller-Wilberg. Zudem seien die hochkomplexen nationalen und internationalen Regelwerke vielfach nicht kompatibel. Den Mangel an Branchenfachkräften und die schleppende Netzanbindung bezeichnete sie als Knüppel zwischen die Beine der Offshore-Industrie. Auch bei der Finanzierung der Offshore-Vorhaben sei noch kein wirklicher Durchbruch erzielt, kritisierte die Bremer Unternehmerin.


Die Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates Niedersachsen, Astrid Hamker, betonte: "Von Wachstumsimpulsen der Offshore-Industrie profitieren Hersteller von Windenergieanlagen und -komponenten, Betreiber von Offshore-Windparks, aber auch Zulieferbetriebe aus dem Maschinen-, Metall- und Schiffsbau, der Elektrotechnik sowie lokale Metall- und Elektrobetriebe, Werften und Häfen.“ Im europäischen Vergleich liege Deutschland derzeit mit einem Anteil von zwei Prozent an der in der EU offshore installierten Kapazität noch weit hinter den führenden Ländern Großbritannien und Dänemark. Hier sieht der Wirtschaftsrat großes Potenzial für die nächsten Jahre.

 

Unterfinanzierung beenden

Ein Plädoyer für die maritime Wirtschaft hielt der Vertreter Schleswig-Holsteins, Jens Broder Knudsen im Podium „Maritime Infrastruktur: Investition in die Zukunft“. Er kritisierte: „Die maritime Verkehrsinfrastruktur ist seit Jahrzehnten auf Verschleiß gefahren worden.“ Nun müsse die „chronische Unterfinanzierung“ des Verkehrshaushaltes auf Bundesebene ein Ende haben. Die Instandhaltung von Häfen, der seewärtigen Zufahrten und Hinterlandanbindungen sei teuer und erst langfristig wirksam. Jeder weitere Kollaps des Nord-Ostsee-Kanals verlagere aber die maritimen Handelsströme weg von Norddeutschland hin zu konkurrierenden Umschlagplätzen beispielsweise ins benachbarte Rotterdam und Antwerpen. Der Norddeutsche Wirtschaftstag forderte daher für den  Nord-Ostsee-Kanal als Bindeglied zwischen den deutschen Häfen eine gesetzlich gesicherte Zusage für ein Sonderausbauprogramm in Höhe von 1,3 Milliarden Euro bis 2025. Angesichts der erwarteten Wachstums bei den Transportmengen im Seehafenhinterlandverkehr forderte Broder: „Dieses überproportionale Wachstum muss im neuen Bundesverkehrswegeplan 2015 berücksichtigt werden. Dieser sollte bei den Maßnahmen des „Vordringlichen Bedarfs +“ zukünftig einen festen Zeitplan für die Realisierung verankern.“ Verlangt wurde auch eine verbesserte Bahnanbindung des Jade-Weser-Port an das Ruhrgebiet, anstatt des Ausbaus einer Schnellverbindung von Duisburg nach Rotterdam.

 

Aktiv um Fachkräfte werben

"Die nördlichen Bundesländer sollten intensiver um Fachkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet werben", forderte Peter Hoffie vom Wirtschaftsrat Hamburg. Zukunftsweisende Branchen, wie die Logistik oder die Windenergie, dürften in ihrer Entwicklung nicht wegen eines Mangels an qualifizierten Mitarbeitern gebremst werden, stellten die Teilnehmer des dritten Podiums „Fachkräftemangel und Demographie: Nachhaltiger Erfolgsfaktor Bildung“ fest. Wenn ein Teil des Fachkräftebedarfs nur durch Zuzüge aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland zu decken sei, müsse eine Willkommenskultur in der Nordregion etabliert und aktiv auf Fachkräfte außerhalb der Region zugegangen werden. Damit dieses Werben erfolgreich sein könne, sollte die Politik stärker als bisher Verantwortung übernehmen, wie etwa bei Kinderbetreuung, Sicherheit und  Bildungsqualität, so Hoffie weiter. Die Teilnehmer des Podiums waren von den Zukunftspotenzialen Norddeutschlands überzeugt, sahen jedoch deutlich die Gefahren der möglichen Nachteile im Wettbewerb um zukünftige Fachkräfte, wenn nicht die Attraktivität der Region insgesamt durch innovative Bildungs-, Arbeitsplatz- und Freizeitangebote deutlich gesteigert werde.