18. September 2017
China bleibt Wachstumsmotor
Experte beim Wirtschaftsrat in Ludwigshafen
Stefan T. Schwaab, der u.a. „Unternehmensführung Asien“ am Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen unterrichtet, verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen in Asien und Europa. Über die China-Erfahrungen sprach er im Rahmen eines Wirtschaftsrats-Lunchs, unter der Leitung von Sektionssprecher Dr. Eckart Sünner, in Ludwigshafen.
China-Experte Stefan T. Schwaab beim Wirtschaftsrats-Lunch in Ludwigshafen (Foto: Wirtschaftsrat)

Dabei konnte Schwaab berichten, dass die chinesische Wirtschaft insgesamt an Fahrt verloren habe, von über 14% Wachstum im Jahre 2007 auf nunmehr rund 6,6%. Dennoch seien Arbeitslosenquote, Immobilienpreise und der Yuan stabil. Problematisch seien die hochverschuldeten Kommunen und Staatsbetriebe und die Überkapazitäten im Stahl-, Zement- und Papierbereich. Insgesamt stiegen die Walzstahlimporte nach Europa um 50% und mittlerweile beliefen sich die Stahlüberkapazitäten auf über 300 Mio. Tonnen; das sei mehr als in Europa insgesamt produziert werde. Mit der Überproduktion gehe ein Preisverfall beim Warmbandstahl einher, von rund 450 Euro pro Tonne auf aktuell 300 Euro. Die chinesischen Stahlwerke seien dabei nur zu 70% ausgelastet. 


Im neuen 5-Jahres-Plan der chinesischen Regierung von 2016 bis 2020 seien daher auch Korrekturen zu finden: so die Abkehr von Forderungen nach Investition, Konsum, Export, stattdessen eine Konzentration auf die Binnenkonsumnachfrage sowie auf Qualität und Effizienz, eine Reduzierung der bestehenden Überkapazitäten, eine Entlastung des Immobilienmarktes und insbesondere eine Entschuldung der Staatsunternehmen sowie der Kommunen. Insgesamt gehe es darum, die Kosten zu senken, gleichzeitig aber auch die Infrastruktur und den öffentlichen Dienst zu verbessern. So habe China 45 Mrd. Euro in ein Hochgeschwindigkeitsnetz investiert. Mittlerweile, so Schwaab, könne man auch entlegene Orte in China mit Hochgeschwindigkeitszügen problemlos und pünktlich erreichen. 


Darüber hinaus sei China, und dies werde im Verhältnis zu den USA wichtig, der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten mit rund 980 Mrd. Euro. Deswegen, so die Einschätzung Schwaabs, werde auch die Administration unter Trump einen Wirtschaftskrieg mit China vermeiden. Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung werde die Regierung versuchen, das Wachstum nahe bei 7% zu halten und die Bürgerinnen und Bürger auf eine „Neue Normalität“ einzustimmen.