27. November 2020
Wirtschaftsrat Rendsburg-Eckernförde: Corona und die Folgen für die Kreditwirtschaft
Corona-Krise: Auswirkungen auf und Maßnahmen der Kreditwirtschaft
Mindestens 95 Prozent werden die Krise meistern
Dr. Sören Abendroth, Vorstandsvorsitzender, Sparkasse Mittelholstein AG (Rendsburg)

Noch sind die Folgen überschaubar: Erst in den Jahren 2021 und 2022 wird die Corona-Pandemie auf die Kreditwirtschaft und die Unternehmen der Region „durchschlagen“. Erst dann würden die Herausforderungen für einige Unternehmen kommen, gleichwohl „werden mindestens 95 Prozent der Firmen die Krise meistern können“, ist Dr. Sören Abendroth, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mittelholstein AG (Rendsburg), überzeugt: „Insgesamt sind in unserem Geschäftsgebiet die Corona-Auswirkungen aktuell noch überschaubar“.

 

In einer Online-Veranstaltung der Sektion Rendsburg-Eckernförder des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein, zu der Sektionssprecher Achim Petersen eingeladen hatte, machte der Finanzexperte deutlich, dass die Folgen der Pandemie hingegen bei den Banken bereits sehr deutlich spürbar sind. „Die Pandemie hat die Marktherausforderungen, die sich für uns seit Jahren stellen, beschleunigt“, so Dr. Abendroth.

 

Pandemie stärkt digitale Dienste

Als Beispiele nannte er die weiterhin sinkende Kurve bei den Zinsüberschüssen und den Umstand, dass die Kunden jetzt noch stärker die digitalen Möglichkeiten bei ihren Finanzen nutzen.  „Auch der letzte, der bisher Online-Dienste abgelehnt hat, hat sie kennengelernt. Der Anteil der Konsumenten, die einen digitalen Dienst nutzen, ist durch die Pandemie von 61 auf 89 Prozent gestiegen, und die Anzahl der genutzten Dienste hat sich verdoppelt. Eine solche Entwicklung hätte sonst wenigstens zwei bis drei Jahre gebraucht“.

Für eine stationär geprägte Retail-Bank, wie es die Sparkassen sind, sei das eine Herausforderung. „Unser relevanter Markt wird immer kleiner. Wir werden für unsere Kunden nicht den billigsten Preis anbieten können, sondern wir müssen bei der persönlichen Beratung exzellent sein. Zudem dürfen unsere Kunden bei unseren digitalen Vertriebsprozessen nichts vermissen.“ Dann gebe es keinen Grund für einen Wechsel zu einer Digitalbank.

 

Pandemie stärkt Bewusstsein für Hausbank

Die Pandemie habe aber keineswegs nur Nachteile gebracht. „Sie hat bei unseren Kunden in Zeiten einer Konjunkturschwäche das Bewusstsein für eine gute Hausbankbeziehung gefördert.“ Die Kommunikation mit den Geschäftspartnern sei in den vergangenen Monaten intensiver denn je gewesen. Dr. Abendroth: „Wir schauen uns unseren gesamten Kundenbestand seit März mit viel Aufwand als Früherkennungsmaßnahme an und nehmen Bewertungen vor. Daraus haben sich viele Anlässe für eine gute und qualifizierte Beratung ergeben. Wir gewinnen dadurch ein noch tieferes Verständnis für Geschäftsmodelle, Einflussfaktoren und Perspektiven und machen deutlich, dass wir in der Krise als Partner bereitstehen.“ Dieser Dialog sei ein deutlicher Vorteil zu vielen anderen Finanzinstituten.

 

Fusion als möglicher Zukunftsbaustein

Mit Blick auf das langfristige Geschäftsmodell der Kreditinstitute würden sich dennoch Fragen stellen. „Wir waren als Branche im operativen Geschäft in den vergangenen Jahren bei weitem nicht mehr so erfolgreich und haben davon profitiert, dass wir wenige Risikovorsorge angesichts einer anhaltend langen guten Konjunktur betreiben mussten.“ Die Zinsüberschüsse als wichtigste Grundlage des Geschäftsmodells seien seit 2015 um fast 30 Prozent weggebrochen. „Das ist brutal und angesichts der Corona bedingt weltweit steigenden Staatverschuldung gibt es an einer Veränderung der Rahmenbedingungen politisch kein Interesse.“

 

Der Banker nutzte die Chance, auch für die geplante Fusion mit der Förde Sparkasse (Kiel) zu werben. „Die Möglichkeiten der Kostensenkung in unseren Strukturen sind endlich. Wir sehen in dem Zusammenschluss eine gute Konstellation, da unsere Geschäftsgebiete gut zusammenpassen.“ Die Fusion biete nicht nur eine gute ökonomische Perspektive, sondern vor allem auch Anziehungskraft für die Mitarbeiter. „Es wird künftig noch stärker darauf angekommen, dass wir richtig gute Mitarbeiter haben. Mit der Fusion erhöhen wir unsere Arbeitgeberattraktivität deutlich.“ Es gibt einen bunten Strauß guter Gründe, den Fusionsschritt zu gehen, so der Vorstandsvorsitzende. Ein Zusammenschluss der beiden Häuser führt zu etwa 1.600 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von mehr als zehn Milliarden Euro.

 

 

Von Holger Hartwig, Agentur Hartwig3c (Hamburg)