25. Januar 2019
Das linke Spiel mit der Armut
Namensbeitrag in der WELT

Jede Debatte über Armut müsste eigentlich für gute Laune sorgen, denn die Fakten zeigen eindeutig in eine positive Richtung: Der weltweite Anteil der Hungernden sinkt seit Jahrzehnten beständig trotz erheblichen Bevölkerungswachstums. Noch 1960 lebte fast die Hälfte der Weltbevölkerung in extremer Armut. Seitdem sind die Armutsraten in allen Weltregionen drastisch gefallen.


Im Jahr 1990 mussten 1,9 Milliarden Menschen mit weniger als 1,90 Dollar am Tag auskommen, heute sind es nur noch rund 736 Millionen, wie Untersuchungen der Weltbank zeigen. Das führt bei Hilfsorganisationen bereits jetzt zu einer Verlagerung: weg von kurzfristigen Hungerhilfen hin zu Bildungs und Aufbauprogrammen. Doch leider missbrauchen einzelne Organisationen wie etwa Oxfam (abgeleitet von Oxford Famine) das Armutsthema immer wieder, um gegen die Globalisierung zu polemisieren.


Kurz vor dem Start des Weltwirtschaftsforums in Davos wärmte Oxfam das beliebte Märchen von der angeblichen Ausbeutung des globalen Südens durch die „Reichen" in den Nationen des Nordens auf. Um diese steile These zu untermauern, werden Inhaber von Bankkonten und Unternehmensanteilen mit Menschen ohne Bankkonten verglichen. Sonstige Faktoren wie Rentenansprüche und Schulden auf der einen oder Weiderechte und Fischerboote auf der anderen Seite bleiben dagegen unberücksichtigt. Die Schuld an der angeblich wachsenden Ungleichheit in der Welt wird reflexhaft dem „Kapitalismus" zugeschoben. Dreißig Jahre nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus sind Wachstum und Freihandel für viele Linke noch immer ein rotes Tuch.


Es gilt als chic, gegen Handelsabkommen oder die ,,Wachstumsideologie" zu wettern. Natürlich: Klappern gehört zum Handwerk gerade wenn man als Hilfsorganisation von Spenden lebt. Fakt ist aber, dass die Welt dank freier Märkte und Globalisierung in den letzten Jahrzehnten einen historisch beispiellosen Rückgang der Armut erlebt hat. Und wenn Oxfam behauptet, dass sich immer weniger Menschen aus extremer Armut befreien könnten, kann man nur auf Grundlage der Fakten entgegnen: Nicht weniger, sondern mehr Globalisierung und Handel bieten Menschen Aufstiegschancen und Wohlstand überall auf der Erde. Denn mehr Wirtschaftswachstum bedeutet, dass die Kaufkraft steigt und sich die Menschen dadurch mehr Lebensmittel und Konsumgüter leisten können. Dennoch muss man vermutlich nicht lange warten, bis Linkspopulisten auch hierzulande die Oxfam-Zahlen aufgreifen und lauthals angeblich wachsende Ungleichheit beklagen.


Dabei kann gerade in Deutschland von mangelnder Umverteilung nicht die Rede sein: Zehn Prozent der Arbeitnehmer bezahlen mehr als die Hälfte des Einkommensteueraufkommens. Die untere Einkommenshälfte der Arbeitnehmer hingegen ist nur für 5,5 Prozent der Einnahmen verantwortlich. Und rund jeder dritte Erwachsene zahlt überhaupt keine Einkommensteuer. Insgesamt belastet kein anderes Industrieland seine Fachkräfte, Handwerker und Unternehmer mit Steuern und Abgaben stärker als Deutschland. Darüber hinaus wird in der deutschen Debatte leider immer wieder bewusst ignoriert, dass die Armut und auch das Armutsrisiko für Einheimische ebenso wie für länger hier lebende Migranten dank der guten Wirtschaftslage seit Jahren zurückgehen.


Ein Anstieg der Familien mit Kindern, die auf Hartz IV angewiesen sind, ist nur deshalb zu verzeichnen, weil im Zuge der Flüchtlingskrise nach und nach Hunderttausende in den Sozialstaat eingewandert sind, der ihnen ein besseres Leben bietet. Und trotz der starken Zuwanderung ist die Zahl der Hartz-IV-Haushalte erstmals seit der Einführung vor 14 Jahren auf unter drei Millionen gesunken, wie die Bundesagentur für Arbeit meldet. Der Kampf gegen Armut war also global wie national betrachtet eine Erfolgsgeschichte. Bürgerliche Parteien und Wirtschaftsvertreter haben die Kraft der besseren Argumente auf ihrer Seite. Sie sollten sich offen zu den großartigen Erfolgen in der Welt und insbesondere unserem Land auch mal lautstark bekennen. 

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