25. April 2012
Kiel
„Das neue Geschäftsmodell der HSH Nordbank AG"
Mittagsgespräch der Sektion Kiel am 25. April 2012
Paul Lerbinger ist sicher, daß die HSH Nordbank AG (Hamburg/Kiel) bis Ende 2014 die Restrukturierungsauflagen der EU-Kommission erfüllt haben wird und alsdann wieder selbstständig und „ohne europäischen Bewährungshelfer“ im Markt agieren kann. Bis zu diesem Zeitpunkt strebt das Institut eine Eigenkapitalrendite von zehn Prozent vor Steuern an, sagte der HSH-Vorstandsvorsitzende vor dem Wirtschaftsrat der CDU in Kiel. Eine wesentliche Voraussetzung dafür sei die Rückführung der Kostenstruktur auf eine Cost-Income-Ration von 45 Prozent. Mit dieser Kennziffer wird das Verhältnis des Aufwandes zum Erlös gemessen. Zum Vergleich: Bei den Sparkassen liegt die Cost-Income-Ratio rund doppelt so hoch.
Dr. Paul Lerbinger, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank AG

Ziel des jetzt eingeleiteten Marktauftritts sei die Fokussierung des Instituts auf eine „Bank für Unternehmer“, was ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland sei, betonte Lerbinger. Die Konzentration auf diese Nische ermögliche auch einen wesentlichen Vorteil bei der Gestaltung der Kostenseite. Auch die Verteilung der Verantwortung – jeweils ein Vorstand für die Kundenbeziehung sowie die Produktstruktur – sei einmalig in Deutschland.

Trotz des von der EU verordneten Schrumpfkurses – bekanntlich müssen mehrere Geschäftsfelder wie die Flugzeugfinanzierung und das Geschäft mit ausländischen Immobilien komplett aufgegeben oder drastisch reduziert (Schiffe) werden – sieht Lerbinger ausreichend Manövrierräume für Wachstum. Das Gesamtpotential von 2011 bis 2014 bezifferte er auf neun Milliarden Euro. Im Wesentlichen soll es in dem Segment Firmen- und Privatkunden generiert werden.

Neben Schiffsfinanzierung, Energie und Infrastruktur sowie Inlandsimmobilien bildet das Geschäft mit mittelständischen Firmenkunden einen der für die Zukunft definierten Kernbereiche. Dabei will sich die HSH Nordbank auf Unternehmen in einer Größenordnung von 15 Millionen bis eine Milliarde Euro  Umsatz und gleichzeitig einer starken Personen- und Familienbindung konzentrieren. In der Erwartung, daß sich andere Institute zur Bereinigung ihrer Bilanzen aus diesem Segment zurückziehen werden, hat das Institut dabei außer Norddeutschland auch Märkte im Westen und Süden im Visier

Im Immobiliengeschäft steht Wohnungsbau in den deutschen Ballungszentren im Vordergrund, im Schiffbau sind es Reedereien in Asien, aber auch – unverändert – in Griechenland. Bei der Abwicklung der in der „Abbaubank“ konzentrierten Vermögenswerte erwartet Lerbinger keine unangenehmen Überraschungen mehr – eher positive. „Es gibt nichts, was wir unter Druck verkaufen müßten“, sagte er. Für das Jahr 2014 peilt das Institut in der Kernbank eine Bilanzsumme von 82, in der Abbaubank von 38 Milliarden Euro an. Bei Ausbruch der Krise Ende 2008 lag das Bilanzvolumen bei 208 Milliarden Euro.