06. Mai 2014
Datensicherheit: Wem kann ich noch trauen?
Gemeinsam mit dem IT Cluster Mitteldeutschland hatte die Landesfachkommission IT-Netzpolitik des Wirtschaftsrates zu dieser Veranstaltung geladen. Marcus Putschli, Vorsitzender der Landesfachkommission, konnte zahlreiche interessierte Gäste und Mitglieder im Hause der arvato Systems perdata GmbH begrüßen.
v.l.n.r.: Marcus Putschli, Vorstand e-dox AG; Dirk Bartens, Geschäftsführer SBSK GmbH & Co. KG; Staatssekretär Dr. Wilfried Bernhardt, Beauftragter für Informationstechnologie Sächsisches Staatsministerium der Justiz und für Europa; Dr. Kai-Holmger Kretschmer, Referatsleiter "Spionageabwehr" Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen; Gerhard Oppenhorst, Mitglied des Vorstandes Cluster IT Mitteldeutschland e.V.; Christian Blümel, Vorsitzender Landesfachausschuss Netzpolitik CDU Landesverband Sachsen (Foto: Wirtschaftsrat)

Nach dem eröffnenden Impulsvortrag von Dr. Kai-Holmger Kretschmer, Referatsleiter 'Spionageabwehr' im Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen, unter dem Thema  „Spionageabwehr und Netzwerke – Herausforderung für Wirtschaft und Verwaltung“, schloss sich der Vortrag von Dirk Bartens dem Geschäftsführer der SBSK GmbH & Co. KG „Wirtschafts- und Industriespionage und wie kann ich mein Unternehmen wirkungsvoll schützen“ an, bevor Christian Blümel, Vorsitzender des Landesfachausschusses Netzpolitik des CDU Landesverbandes Sachsen, sich zu der Frage äußerte: „Welche Themen stehen auf der politischen Agenda? Wie ist Deutschland vorbereitet auf die Digitalisierung der Gesellschaft?“. In der Diskussion bat Marcus Putschli zusätzlich zu den Vortragenden noch Staatssekretär Dr. Wilfried Bernhardt, Beauftragter für Informationstechnologie des Freistaates Sachsen (CIO) sowie Herrn Gerhard Oppenhorst, Mitglied des Vorstandes des Cluster IT Mitteldeutschland e.V. ins Podium.

Zunächst gingen die Diskutanten der Frage nach, was Unternehmen tun müssen, um sich wirksam vor Spionageangriffen zu schützen. Schnell war offensichtlich, dass neben aller technischen Aufrüstung, der Faktor Mensch im Vordergrund steht. Unternehmen sind gut beraten, Sicherheitsrichtlinien nicht nur zu erlassen, sondern die Einhaltung dieser konsequent und unnachgiebig zu verfolgen. Hierbei gilt es mit Aufklärung über die Gefahren, die Mitarbeiter einzubeziehen und auch regelmäßig für Schulungen zu sorgen, um auf einem aktuellen Stand zu bleiben. Ein möglicher Schaden ist um ein Vielfaches höher, als der bei Vorbeugung entstehende Aufwand. Hierbei stehen nicht nur IT-Sicherheits-Dienstleister zur Seite, sondern auch der Staat schafft hier durch den Landesverfassungsschutz entsprechende Angebote.

(Foto: Wirtschaftsrat)

Bei der Frage was die Gesellschaft und im Besonderen der Staat tun muss, entstand eine kontroverse Diskussion darüber, in wie weit der Staat überhaupt eingreifen darf, kann oder sollte. Staatssekretär Dr. Bernhardt stellte fest, dass dem Thema Datensicherheit nur schwer durch Gesetze beizukommen ist. Da die technische Entwicklung in diesem Sektor eventuelle gesetzliche Regelungen überholt, bevor diese greifen können. Hier ist wiederum jeder einzelne in der Gesellschaft gefragt, sich zu informieren und aufklären zu lassen über Gefahren und Risiken. Einen Beitrag dazu leistet auch der Besuch einer solchen Veranstaltung. Schließlich ist bei der Gesamtbeschau auch die Privatsphäre jedes Einzelnen tangiert. Man war sich einig das ein Zurückrudern angesichts der technischen Möglichkeiten und Chancen nicht möglich ist, sondern das auch hier gesellschaftliche Aufklärung und Sensibilisierung das Mittel der Wahl ist.


Die Digitalisierung von Geschäfts-, Produktions- und Verwaltungsprozessen schließlich, bietet Mittelständlern und der öffentlichen Verwaltung  große Chancen, aber auch  gesamtgesellschaftlich kann sich Deutschland hier einen klaren Vorteil erarbeiten, wenn diese Chancen auch genutzt werden. Deshalb sollte es weiteres Bestreben von Gesellschaft und Politik sein, die Voraussetzungen dafür zu schaffen diese Potenziale zu heben. Hierbei stehen letztlich wesentliche Forderungen der IT-Wirtschaft wie die Investitionen in Glasfasernetze des NGA (Next Generation Access), auch außerhalb von Großstädten und Ballungszentren, damit sich das Nutzungspotenzial voll entfalten kann. Um die Durchdringung der Gesellschaft durch Verhaltensregeln zu beschleunigen, plädiert die Landesfachkommission IT-Netzpolitik des Wirtschaftsrates für eine Vereinheitlichung von Datenschutz- und Datensicherheitsbestimmungen zunächst auf Bundes- und später auf EU-Ebene.

 

Die Förderung des Einsatzes von digitalen Informations- und Kommunikationstechniken zur Vereinfachung von Kommunikation, Prozessen und Transaktionen zwischen staatlichen, kommunalen sowie sonstigen behördlichen Institutionen und den Unternehmen und Bürgern (E-Government) muss ebenso im Fokus der Politik stehen. Schlussendlich sollte jedes Gesellschaftsmitglied befähigt werden, die digitalen Möglichkeiten verantwortungsvoll und sicher, zu seinem Wohle und zum Wohle aller zu Nutzen.