18. März 2013
"Demografie und Krankenversorgung - die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt bis 2025"
Gesundheitsversorgung muss sich auf die veränderten Bevölkerungsprognosen mit veränderten Gesundheitsinfrastrukturen anpassen!
Die Bevölkerungsprognose und die Entwicklung der Gesundheitsstrukturen sind in Sachsen-Anhalt gegenläufig. Mit einer Studie hat die Krankenhausgesellschaft auf die veränderten Rahmenbedingungen aufmerksam gemacht.
v.l.n.r.: Vorstand der Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft Sachsen-Anhalt, Vorsitzender, Jens Hennicke, Leiter der Landesvertretung Sachsen-Anhalt der Techniker Krankenkasse, stellv. Vorsitzender, Peter Löbus, Geschäftsführer Gesundheitspolitik, AMEOS Kliniken Sachsen-Anhalt, Staßfurt, Deddo Lehmann, Geschäftsführer und Kurdirektor, Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg Kur GmbH, Margitta Schütze, Unternehmensbereichsleiterin, AOK Sachsen-Anhalt, Magdeburg, Dr. Martin Windmann, Geschäftsführer, Johanniter Krankenhaus Stendal gGmbH, Dominik Tronnier, Leiter Marketing, VITAL Zentrum Strehlow GmbH, Magdeburg (Foto: Wirtschaftsrat)

Jens Hennicke begrüßte die Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrates zur Veranstaltung und stellte dabei die Bedeutung der Studie für die Arbeit der Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft in den Vordergrund: „Nicht nur die demografische Entwicklung der Bevölkerung, sondern auch die Entwicklung der Ärzteschaft in der Fläche, sowie die Entwicklung der alternden Bevölkerung sind wichtige Grundlagen für ein Gesamtkonzept der Gesundheitsvorsorge.“

Peter Löbus, Geschäftsführer Gesundheitspolitik, AMEOS Kliniken Sachsen-Anhalt, Staßfurt (Foto: Wirtschaftsrat)

Peter Löbus, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V., berichtete über die gemeinsame Studie der Krankenhausgesellschaft und des isw Institut gGmbH zum Thema "Die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2015".Die drei Kernfragen der Studie sind die Ausgangssituation: Welchen Einfluss hat die Politik für die vergangene und zukünftige Bevölkerungsentwicklung? Welche Abhängigkeiten gibt es zwischen Bevölkerungsentwicklung, Gesundheitsversorgung und Gesundheitsinfrastruktur? und Gibt es eine Versorgungsgerechtigkeit von sektorellen Versorgungsstrukturen in der Akutmedizin?

„Zunächst bleibt festzustellen, dass sich die Bevölkerungsentwicklung in Sachsen-Anhalt nicht so negativ darstellt, wie bisher angenommen. Zum einen hat die Bevölkerungsgruppe der 19 bis 21-jährigen durch eine geringere Abwanderung zugenommen und zum anderen sind daraus resultierend auch die Geburten weit weniger zurückgegangen als angenommen“, so Peter Löbus. Dennoch ist es so, dass die Bevölkerung altert und dies bringt es mit sich, dass die Häufigkeit der stationären Behandlungen in den Krankenhäusern ab dem 45ten Lebensjahr gravierend zunimmt. Dies wird durch die Zunahme von behandelten Fällen in speziellen Fachgebieten, wie Innere Medizin oder Chirurgie, bestätigt.

Demgegenüber hat sich die Alterstruktur der ambulanten Ärzte dramatisch verschlechtert und liegt in allen Fachrichtungen im Jahr 2011 bei einem Anteil der über 50-jährigen Ärzten von über 55 Prozent. Durch den gestiegenen Bedarf an ärztlichen Leistungen führt diese Situation zu einer prognostizierten Versorgungslücke im Jahr 2025 z.B. im Bereich der Kinderheilkunde von 55 Prozent, im Bereich der Augenheilkunde von 41 Prozent und im Bereich der Haut- und Geschlechtskrankheiten von 40 Prozent.


„Insgesamt bedeutet dies, dass es nicht zu viele Ärzte gibt, sondern in absehbarer Zukunft zu wenige! Darüber hinaus müssen wir uns dringend Gedanken über eine zukunftsgerechte Versorgung der alternden Bevölkerung machen. Die Antwort kann nicht sein ‚Weiter so wie bisher’, sondern muss auf die sich verändernden Bedürfnisse der Menschen und die sich verändernden Versorgungsstrukturen eingehen. Dies schließt nicht nur die Krankenhäuser sondern auch unser gesamtes Pflegesystem mit ein“, zog Peter Löbus das Fazit aus der Studie.